Jahresbrief 2017 – Annual Letter 2017

Die Bucht von Pylos, Peloponnes

Nordufer der Bucht von Navarino (Pylos)

Montag, 25.12.2017, 16:32:11 :: Galanado

Rückblick zu halten wird mit den Jahren immer wichtiger. Zumindest subjektiv, denn die Wegstrecke hinter einem wird immer länger, während man vor sich doch das Ende weiss, wenn man ehrlich ist.

Aber auch objektiv ist es hilfreich, kann man doch dabei ableiten und bestimmen, was noch nicht getan ist von all dem, was man sich so ausgedacht und erträumt hat. Und was man definitiv falsch gemacht hat.

Nicht zuletzt rühren daraus auch sehr häufig all die guten Vorsätze für’s Neue Jahr, von denen wir wissen, dass sie schneller vergessen als gefasst sind.

Also …

… hier ist unser Jahresrückblick, den Lis wieder mit vielen Bildern in ein PDF gepackt hat. Es gibt zwei Versionen:

  1. die mit den »schönen«, sprich hochaufgelösten Bildern. Sie ist für die Mitmenschen, die genügend Geduld aufbringen, die lange Ladezeit abzuwarten; 106 MB sind durch’s Internet zu ziehen und das kann dauern
  2. die Version für eher reine Leser, die auf Bildqualität (zunächst) verzichten können und wollen. Sie werden mit 6 MB nicht allzu lange warten müssen

In jedem Fall: Viel Freude beim Lesen.

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Ein altes, leidiges aber eminent wichtiges Thema

Montag, 25.12.2017, 13:46:59 :: Galanado

Jan Fleischhauer, der ewig provozierende Kolumnist hat sich auf SPIEGEL ONLINE unter der Überschrift Neue Klassengesellschaft –
Wer diesen Satz lesen kann, hat gute Eltern
gefragt …

… Wenn ein Fünftel der Grundschüler nach der vierten Klasse nicht richtig lesen und schreiben kann, was sagt uns das über die Eltern? Oder anders gefragt: Ist Armut eine Entschuldigung, den Kindern nicht vorzulesen?

Und Mirko Wenig, ein Blogger hat darauf sehr dezidiert geantwortet: »Dumm und selbst schuld dran? Von wegen.«

“Ich bin der Working Class Proll” – ein offener Brief an Jan Fleischhauer

Da kam mir mein Blogbeitrag Die Unterschicht… vom 11. November 2006 (!) wieder in den Sinn. Es ist erschütternd, wie sich das Thema durch die Jahre zieht und sich nichts bessert.

Auch die Nachdenkseiten haben unter Nr. 17 reagiert: »Wer diesen Satz lesen kann, hat gute Eltern«

… Das erstaunliche ist, dass Fleischhauer in dieser verächtlichen Sprache über Bürger dieses Landes herziehen darf, ohne dass sich aus dem doch so gebildeten und humanistischen idealen verpflichteten gehoben Bürgertum auch nur die Andeutung von Widerspruch bemerken lässt. Hätte Fleischhauer in diesem Tenor über Flüchtlinge geschrieben, eine Welle der Empörung wäre von der Seite des linksliberalen Just Milieu hervorgebrochen. Wobei Fleischhauers Menschenverachtung durchaus kompatibel mit der Haltung des neuen akademischen linksurbanen Milieus ist, dass die weiße Unterschicht wegen ihrer vorgeblichen intellektuellen und kulturellen Rückständigkeit verachtet, mindestens ignoriert und grundsätzlich für sexistisch und rassistisch hält. …

Jan Fleischhauers Gedanken und Ansätze sind ja im ersten Anlauf so falsch nicht. Er übersieht u.a. aber geflissentlich, dass die Schaffung von Unterprivilegierten politische Pflichtübung ist. Die „Unterschicht“ als wärmende Matratze der Mittel- und Oberschicht ist notwendige Voraussetzung für das feine Leben der zwei Letzteren. Und eben auch für Herrn Fleischhauers gemütlichen Schreibplatz. Wer Schule und Universität zur Ausbildungsstätte von für Industrie und Wirtschaft brauchbares Menschenmaterial degradiert, wer gewisse Studiengänge oder Wissenschaftszweige für entbehrlich, ja schlichtweg für unnötig hält, der produziert bewusst Unbildung, ja Nichtbildung. Und _das_ sollte ein zweifellos gebildeter Journalist wie Herr Fleischhauer bedenken und artikulieren. Weil er es weiß. Und dennoch verschweigt.

Eine Frage, die ich zumindest erwartet hätte, ist die, wie man bei Kindern Interesse und Neugier weckt und erhält. Erhält! Nicht nutzt. Und die weiteren Fragen nach den Ursachen, diese nicht nur bei den Eltern zu suchen sondern in der Gesellschaft, wie zum Beispiel beim Unterschichtenfernsehen, das ja nun gezielt eingesetzt wird und das wir zwangsweise auch noch finanzieren müssen; womit wir wieder bei dem w.o. angesprochenen »Unterbodenschutz« für Mittel- und Oberschicht wären.

Provokation ist noch lange kein Journalismus, Herr Fleischhauer. Auch wenn ich ihre Denkanstöße zuweilen schätze.

Es lohnt, die Referenzen druchzulesen. Eine Menge, um darüber nachzudenken.

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Russland, zieh´ Dich warm an, die Grünen kommen!

Freitag, 17.11.2017, 15:03:41 :: Galanado

Diesen Artikel der Grünen Marieluise Beck auf der Webseite ihres frisch gegründeten Thinktanks muss man sich zumuten. Unbedingt. Sie fragt dort »Wie soll Europa mit Russland umgehen?«. Schon diese Anmassung im Titel muss neugierig machen.

Jens Berger hat auf den Nachdenkseiten darauf eine saubere Replik abgeliefert, die nicht nur inhaltlich wichtig sondern auch sprachlich eine Meisterleistung ist.

***

Mit freundlicher Genehmigung des Autors und der Nachdenkseiten

Moderne Pickelhauben und liberale Denkhaubitzen – Russland, zieh´ Dich warm an, die Grünen kommen!


Veröffentlicht in: Außen- und Sicherheitspolitik, Grüne, Lobbyorganisationen und interessengebundene Wissenschaft, Strategien der Meinungsmache

Das Klischee will es ja, dass man mit säbelrasselnden Pickelhauben eher das reaktionäre Bürgertum verbindet. Und da ist ja auch ein Stück Wahrheit dran. Früher waren es vor allem die alten korporierten Herren, die mit Schmiss im Gesicht und Schiss im Hirn den Osten heim ins Reich holen und den Russen am deutschen Wesen genesen lassen wollten. Doch diese Zeiten sind vorbei. Die neuen Russenfresser bezeichnen sich als weltoffen, liberal und modern und entstammen dem fruchtbaren Schoß der politischen Linken, die sie heute mit schon fast religiösem Eifer bekämpfen. Ein herausragendes Exemplar der Gattung politisch korrekter Säbelrassler ist das Ehepaar Ralf Fücks und Marieluise Beck. Die beiden grünen Politrentner weigern sich standhaft, ihre üppigen Pensionen zu genießen. Stattdessen wollen sie die Welt mit ihrem neu gegründeten Think Tank „LibMod – Zentrum Liberale Moderne“ nach ihren Vorstellungen formen. Von Jens Berger.

Hätte man Ralf Fücks 1973 im Gefängnis erzählt, dass er 44 Jahre später für seinen unermüdlichen Einsatz, Kapitalismus und Freiheit nach amerikanischer Lesart weltweit auch mit militärischen Mitteln zu verbreiten, vom Springer-Verlag gefeiert wird, hätte der damalige „Rädelsführer“ Heidelberger Studenten, der sich später den Maoisten und viel später den Grünen anschließen sollte, wohl schallend gelacht. Auch die junge Marieluise Beck, die in den späten Siebzigern über die Anti-Atomkraft-Bewegung mit der Friedensbewegung und den Grünen in Kontakt kam, hätte damals sicher nie gedacht, dass ausgerechnet sie selbst im Alter nicht mehr für Völkerverständigung, sondern für die militärische Vorwärtsverteidigung westlicher Werte eintritt. Das Leben schreibt nun einmal die seltsamsten Geschichten.

Fücks ging diesen Sommer in Rente, nachdem er ganze zwanzig Jahre lang die den Grünen nahestehende Heinrich-Böll-Stiftung zu einer Vorfeldorganisation des Liberalismus amerikanischer Denkart und einem Lautsprecher transatlantischer Sicherheitspolitik gemacht hat. Fücks Gattin Marieluise Beck hatte sogar das Kunststück vollbracht, die ohnehin in Richtung NATO driftende olivgrüne Partei in Überschallgeschwindigkeit rechts zu überholen und sich im bürgerlich-liberalen Lager als NATO-Cheerleader auf dem Propagandafeldzug gen Osten zu positionieren. Das ging selbst der grünen Basis in ihrem Landesverband zu weit, der sie in diesem Jahr nicht mehr mit einem oberen Listenplatz für die Bundestagswahl beglückte und damit endlich in die keinesfalls wohlverdiente Rente schickte.

Doch so einfach wird man das Duo Infernale des transatlantischen Bürgertums nicht los. Um sich auch künftig „mutig“ im Namen der offenen Gesellschaft öffentlich ins Rampenlicht zu drängen, überließen Ralf und Marieluise das Entenfüttern, Schrebergärtnern und ZDF-Gucken anderen Politrentnern und gründeten zusammen mit einigen mal mehr, meist weniger bekannten Gleichgesinnten eine Denkfabrik. Dabei sind unter anderem Daimler-Chef-Lobbyist und Atlantik-Brücken-Vorstand Eckart von Klaeden, das schwergewichtige Talkshow-Inventar John Kornblum, die ehemalige Weltbankerin Maritta Rogalla von Bieberstein Koch-Weser, Timothy Snyder, der immerhin Putin und Auschwitz so wunderbar geistlos zu verbinden weiß und zahlreiche andere, meist ältere Personen aus dem Umfeld transatlantischer Denkfabriken und PR-Agenturen. Die Zusammensetzung ist ungefähr so überraschend wie der allmorgendliche Sonnenaufgang und jedes kritische Wort zu diesen intellektuellen Gulaschkanonen transatlantischer Einfalt wäre ein Wort zu viel.

Auch der Rest der Story ist in etwa so spannend wie die Frage, wer nächster deutscher Fußballmeister wird. Natürlich hat die neue Denkfabrik teure Büroräume im Zentrum von Berlin und natürlich weiß wieder einmal niemand, woher das Geld dafür eigentlich kommt. Natürlich betreibt man das erste Projekt, mit dem man über die Ukraine „aufklären“ will, zusammen mit und finanziert von einem Think Tank aus dem großen Denkfabrikenreich des George Soros. Natürlich sprach die Laudatio zur Gründung von LibMod niemand anders als Mr. Freiheit Joachim Gauck höchstpersönlich und die BILD erklärt auch gleich prominent, warum „Putin diese Denkfabrik fürchten muss“. Potztausend! Und auch die taz ist aus dem Häuschen und freut sich schon darauf, dass nun die „Putin-Freunde von RT Deutsch bis Nachdenkseiten“ sich „am neuen Think-Tank abarbeiten werden“. Zumindest dieses Mal, liebe taz, springen wir auch noch einmal über das Stöckchen, obgleich diese ganze Sache eigentlich gar nicht satisfaktionsfähig ist.

Fücks, Beck und Co. sollten doch eigentlich längst als olivgrüne Fair-Trade-Pickelhauben bekannt sein und für eine ernsthafte Debatte hat sich das russophobe Rentnerpärchen doch schon lange disqualifiziert. Aber klar, die taz wird sich sicherlich freuen, künftig noch mehr kostenlosen Content angeboten zu bekommen, der garantiert putinfrei ist und Spuren von linksliberaler Kuschelrhetorik enthält. Noch nie klang das Benedictio Armorum so nachhaltig. Russland, zieh Dich warm an – die Grünen kommen!



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* Rund Europa 2017: Peloponnes (Mai & Oktober)

Freitag, 17.11.2017, 13:58:05 :: Galanado

So. In ein paar Tagen sind alle Beträge der diesjährigen Rundreisen im Kasten. Man kann also nachlesen.

Einzelheiten…

…gibt es hier.

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Kriegsgefahr: Keine Gnade für die späte Geburt

Mittwoch, 08.11.2017, 12:33:00 :: Galanado

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Quelle des Textes:Neulandrebellen :: Mit Genehmigung des Autors

Tom Wellbrock 8. November 2017

Die Frage, ob uns ein Krieg bevorsteht, wird von den meisten Menschen ausgeblendet. Das ist nachvollziehbar. Aber es ist auch fatal und extrem riskant, denn wir stehen an einer Schwelle, die alles, was wir aus dem Kalten Krieg kennen oder gelesen haben, in den Schatten stellt.

Russland bedroht uns. So wird es uns eingehämmert, immer und immer wieder. Und mit dieser Argumentation rüstet die NATO erneut auf. Um sich zu schützen, wie es heißt. Vor Russland, wie man hört. Also alles zur Verteidigung. Abgesehen davon, dass diese Sicht der Dinge auf einem komplett faktenlosen Boden steht, sollten wir unsere Sorge einer viel konkreteren Gefahr widmen: einem Angriffskrieg durch den Westen, angeführt durch einen US- Präsidenten, der nicht nur morgens keinen Schimmer hat, was er abends denkt, sondern darüber hinaus dazu neigt, seine Entscheidungen spontan zu treffen. Eine Angewohnheit, die für einen Präsidenten normalerweise undenkbar sein sollte. Dennoch unterscheidet sich Trump nicht großartig von seinen Vorgängern, die alle das gleiche Problem hatten wie er. Sie sehen, wie das Imperium USA seit Jahren immer schwächer wird, finanziell und wirtschaftlich. Russland könnte, zumindest gemeinsam mit China, zu einer Macht werden, die die USA in den Schatten stellt. Aber wer hoffen mag, dass dadurch etwas besser werden könnte, dürfte sich täuschen. Denn die USA werden das nicht zulassen, ohne im Zweifel alles mit sich in den Abgrund zu ziehen, einschließlich der eigenen Bevölkerung, von der Europas ganz zu schweigen.

Das Imperium auf schwachen Beinen

Imperien haben ein Zeitfenster, innerhalb dessen ihre Existenz besteht. Das Ende eines Imperiums markiert nicht etwa ein Knopfdruck (in diesem Fall allerdings könnte es anders sein), der die Sache ein für allemal erledigt. Stattdessen setzt es sich zur Wehr, mit allen ihnm zur Verfügung stehenden Mitteln, und erst recht, wenn es sich dabei um die USA handelt, die für sich in Anspruch nehmen, die einzig wahre Gesellschaftsform der Welt darzustellen, die eine legitime Berechtigung hat. Doch die USA schwächeln. Die Staatsverschuldung ist gigantisch, die innenpolitische Lage ist dauerhaft von Spannungen geprägt, die seit Jahrzehnten realisierte Expansion, oder besser: Einverleibung anderer Länder läuft nicht so, wie sich das die USA erhofft haben. Rüstung und Krieg zählen mittlerweile zu den wenigen lukrativen Aktivitäten der USA, und schon deshalb ist die Sorge vor einem Krieg nicht unrealistisch, sondern folgerichtig. Doch so richtig mag kaum jemand diese Gefahr erkennen. Das liegt unter anderem daran, dass heute viele Menschen selbst keinen Krieg erlebt haben, einmal abgesehen von den Berichten in Zeitungen, dem Fernsehen, Radio oder im Netz. Doch das alles wirkt abstrakt, weit weg, und wenn sich die Menschen vornehmlich darüber Gedanken machen, ob sie sich das neue iPhone kaufen oder lieber doch ein anderes Modell, kann die Lage so schlimm nun auch wieder nicht sein.

Aber das ist sie. Wir erleben erneut, wie die NATO sich weiter ausdehnt, unter fadenscheinigen Argumenten, die – bei Licht betrachtet – nicht haltbar sind. Wer wirklich glaubt, „der Russe“ hätte es auf uns abgesehen, würde Deutschland und/oder andere Länder in der Einflusssphäre der NATO überfallen wollen, der muss schon ein paar Substanzen eingeworfen haben, die die Wahrnehmung zwar erweitern, das aber ganz sicher nicht bereichernd tun.
Dieselben Substanzen müssen auch Politik und Medien eingeworfen haben, oder – und das ist realistischer – die Lügen haben Methode. Im Handelsblatt war am 7.11.2017 zu lesen:

Die NATO will mit einem weitreichenden Umbau ihrer Kommandostruktur auf die aggressive russische Politik reagieren. Generalsekretär Jens Stoltenberg erklärte, man strebe eine Modernisierung und neue Kommandozentren an.

„Aggressor“ Russland

Bemerkenswert an dieser Einleitung ist die Selbstverständlichkeit, mit der „aggressive russische Politik“ unterstellt wird. Damit einher geht das Grundgefühl der notwendigen Selbstverteidigung seitens der NATO. Immerhin, im weiteren Verlauf des kurzen Textes heißt es zwar, dass diese Aggressivität von der NATO nur als solche „wahrgenommen“ werde. Dennoch ist der allgemeine Tenor bei Medien und Politik, dass Russland „uns“ bedrohe und die NATO sich daher verteidigen müsse. Die Tatsache, dass die NATO sich seit Jahren Russland immer mehr nähert und ihrerseits eine Aggressivität an den Tag legt, die ihresgleichen sucht, fällt unter den Tisch, das würde die gedankliche Gesamtkonstruktion zu sehr stören.

Man muss nicht studieren oder halbe Bibliotheken durchforsten, um heraus zu bekommen, dass die USA weltweit in 156 Ländern Militärstützpunkte haben, Russland dagegen in nur 20. Auch die Militärausgaben der USA liegen mit 611 Milliarden Dollar erheblich über denen von Russland, das 69,2 Milliarden Dollar ausgibt. Und dabei sind die Militärausgaben der anderen westlichen Länder natürlich noch nicht mit eingerechnet.
Da liegt die Frage nahe: Wer bedroht hier eigentlich wen?

Der hier verlinkte, sehr lesenswerte Artikel auf den NachDenkSeiten von Brigitte Pick ist im Übrigen sehr ernüchternd, sogar erdrückend, und er zeichnet ein Bild, das über das sprichwörtliche „Säbelrasseln“ hinausgeht. Wir befinden uns schon heute an einem Punkt, der jeden Moment in einer tödlichen Explosion münden kann. Doch die
http://www.neulandrebellen.de/2017/11/kriegsgefahr-keine-gnade-fuer-die-spaete-geburt/ 08.11.17, 11=19 Seite 3 von 6

allgemeine Wahrnehmung ist gewissermaßen nicht „bereit“ für einen Krieg, nicht in der Verfassung, die Vorstellung konkret im Kopf wachsen zu lassen. Das ist nachvollziehbar, denn wer will sich schon damit beschäftigen, dass ein Krieg – der dann wahrscheinlich ein Atomkrieg sein wird – eine ernsthafte Bedrohung sein könnte? Niemand, der bei Verstand ist und sein Leben liebt. Oder, von der anderen Seite aus betrachtet: Jeder, der das Leben liebt, sollte sich mit dem Gedanken daran beschäftigen.
Hinzu kommt, dass wir Krieg nur aus der Berichterstattung kennen, er ist für uns so real wie ein Film oder ein Clip im Netz, den wir beiläufig sehen und kurz schockiert sind. Nichts, was uns wirklich bedrohen könnte. Und das ist das Problem. Die Schnelllebigkeit kommt erschwerend hinzu, täglich, ja, sogar stündlich werden neue Säue durchs Dorf getrieben, wir haben überhaupt keine Zeit, uns mit dem Gedanken an einen Krieg zu beschäftigen, und das, obwohl die Aufrüstung seit Jahren läuft und läuft und läuft.

Wir wollen nichts sehen

Letztlich aber ist es auch die späte Geburt, die uns den Gedanken an einen Krieg verhindern lässt. Die meisten von uns können sich nicht vorstellen, dass sich an ihrem Leben etwas ändern könnte. Zumal wir uns mit Dingen wie der Sitzordnung im Bundestag beschäftigen, mit Sondierungsgesprächen, die womöglich einmal zu Koalitionsgesprächen werden, mit Provokationen der AfD oder der Frage, wie in diesem Jahr Weihnachtsmärkte heißen werden. Aber auch mit existenziellen Dingen wie niedrigen Löhnen, dem Ausverkauf der gesetzlichen Rente, der Privatisierung der Daseinsvorsorge, Armut, kaputte Infrastruktur und Mieten, die zunehmend unbezahlbar werden. Dann kommt die Digitalisierung hinzu, viele Dinge, die wir nicht beurteilen können, die uns Angst machen und mal mehr, mal weniger beschäftigen. Da ist für den Krieg, der womöglich auf uns zukommt, einfach kein Platz mehr.

Wir müssen das aber verstehen. Wir befinden uns mitten in einer West-Ost-Konfrontation, die ein Ausmaß erreicht hat, das den Kalten Krieg übertrifft. Weil die Machtansprüche heute stärker sind, weil die Abschreckung, die zu Zeiten des Kalten Krieges schon ein Tanz auf dem Vulkan war, heute weniger eine Rolle spielt als die Aufteilung der Welt in neoliberale Planquadrate. Es geht nicht mehr darum, dem Gegner klar zu machen, dass er bei einem Krieg genauso verlieren würde wie man selbst. Es geht inzwischen um Strategien, die das Ziel haben, erstens selbst heil aus der Sache heraus zu kommen, weil die militärischen Mittel und Abwehrmechanismen heute ein anderes Niveau haben als zu Zeiten des Kampfes zwischen dem Westen/der USA und der Sowjetunion. Und zweitens um die Ausdehnung des eigenen Machtbereiches. Gemeint ist hier primär der Machtbereich der USA, die ihre Felle zunehmend davonschwimmen sehen, weil sie in jeder Hinsicht dabei sind, ihre Stellung als Imperium zu verlieren. Doch das werden sie nicht kampflos zulassen, sie lassen es schon jetzt nicht kampflos zu und kämpfen verbal und militärisch gegen alles, was sich irgendwie realisieren lässt. Es ist daher eine Frage der Zeit, bis auch Russland ein konkretes, akutes Ziel militärischer Angriffe durch die USA und die NATO sein wird. Die Tatsache, dass die meisten Menschen dank ihrer späten Geburt einen Krieg nicht mehr hautnah erlebt haben, spielt bei diesen globalen Überlegungen keine Rolle.

Die USA befinden sich auf einem absteigenden Ast, und das schon länger. Die Tatsache, dass sie nun Trump als Präsident haben, macht die Sache nicht leichter, weil dieser Mann unberechenbar ist. Aber mit einer Hillary Clinton als Präsidentin sähe die Sache ganz sicher auch nicht anders aus. Das Imperium USA wird sich entweder mittelfristig erholen. Oder untergehen. Und dann gnade uns Gott. Oder wer auch immer.

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* Rund Europa 2017 (Oktober), 13. Tag: Mykene – Naxos

Montag, 23.10.2017, 23:58:09 :: Naxos, Galanado

Heute werden wir also Naxos erreichen. Dazu müssen wir die Fähre um 16:30 Uhr in Piräus bekommen. Wir haben also genügend Zeit. Das heisst auch, alleine und gemütlich bei herrlichem Himmel und Sonnenschein auf der Terrasse frühstücken und den Blick zum Argolischen Golf geniessen.

Nachdem wir alles im Senfle verstaut haben, werden wir kurz vor dem Einsteigen noch mit Früchten versorgt und da kann ich es mir nicht verkneifen, zu fragen, woher das Hotel eigentlich seinen prägnanten Namen »La Petite Planète« hat.

Das sei eine lange Geschichte, und die gehe so, beginnt die agile Schwester, die sich fast immer um uns sorgt und die uns zum Auto gefolgt ist:

Wie das Hotel »La Petite Planète« zu seinem Namen kam


Beide Aufnahmen sind vom Mai 2017

Ihr Ururgrossvater kam mit Panagiotis Stamatakis aus dem Epirus nach Mykene. Wer nun war Stamatakis? Kurz: Er war der Kontrolleur und Mitausgräber von Heinrich Schliemann in Mykene, Ephoros der Altertümer der Argolis. Er erkannte wohl früh die Bedeutung dessen, was hier zum Vorschein kommen würde und empfahl dem Vorfahren, hier ein Hotel zu bauen, denn erstens mussten die Ausgräber irgendwo unterkommen und ebenso die kommenden Touristen. So wurde 1862 mit dem Bau eines Gästehauses begonnen, das noch heute den Namen »La Belle Helène« trägt. Ab 1876 übernachte dann Schliemann auch dort, erst 1890 wurde das Haus offiziell Hotel.

Vom Urgrossvater wissen wir nichts, aber vom Grossvater. Er war Pilot in der Griechischen Luftwaffe – aber Kommunist. Daher musste er die Armee verlassen und ging nach Paris. Dort lernte er seine Frau, die Grossmutter, kennen, die ihm 1943 das frisch erschienene Büchlein seines Fliegerkollegen Antoine de Saint-Exupéry schenkte.

Links:

Der Kleine Prinz hat so seine eigenen Gedanken zur Welt der Erwachsenen, denen man nicht so ohne weiteres widersprechen kann:

Die Erwachsenen verstehen nie etwas von selbst, und für Kinder ist es anstrengend, ihnen immer und ewig Erklärungen geben zu müssen.
[…]
Erwachsene lieben Zahlen. Wenn ihr ihnen von einem neuen Freund erzählt, wollen sie nie das Wesentliche wissen. Sie fragen euch nie: »Wie ist der Klang seiner Stimme? Welche Spiele spielt er am liebsten? Sammelt er Schmetterlinge?« Sie fragen euch: »Wie alt ist er? Wie viele Brüder hat er? Wie viel wiegt er? Wie viel verdient sein Vater?« Nur dann meinen sie ihn zu kennen.

de Saint-Exupéry, Antoine. Antoine de Saint-Exupéry: Der kleine Prinz

Der kleine Bursche hat dem Grossvater wohl so imponiert, dass er nach seiner Rückkehr nach Mykene beschloss, es seinem Urgrossvater gleich zu tun und ein Hotel zu bauen. Das wollte er nach dem kleinen Jungen vom kleinen Planeten benennen. Doch da waren die royalistischen Beamten der Genehmigungsbehörde entschieden dagegen. Der kleine Prinz, der wohnte mit seinen königlichen Eltern im Exil oder schon wieder im Schloss in Athen. König war damals wohl Georg II. oder Paul I. (1947–1964). Eine solche Monarchen-Lästerung kam nicht in Frage.

Ab 1942 kämpften Royalisten und Kommunisten gegen die Besatzer, die sich im Jahre 1944 zurückzogen. Nach Kriegsende wurde die Frage des Fortbestands der Monarchie zunächst zurückgestellt, der König ernannte Erzbischof Damaskinos an seiner Stelle zum Regenten, bis die Verfassungsfrage durch eine Volksabstimmung im September 1946 geklärt wurde. Unter dem Einfluss der Spaltung der Nation durch den Bürgerkrieg votierten bei der unter irregulären Bedingungen stattfindenden Abstimmung 78 Prozent für die Monarchie.

Wikipedia: Königreich Griechenland

Und so einigte man sich auf den Kleinen Planeten …

Ich finde das eine rührende und lehrreiche Geschichte, die dem eher farblosen modernen Ort Mykene eine überraschende Farbe verleiht.

Nach dieser Geschichtsstunde verabschieden wir uns dann aber doch, wir wollen vor dem Regen in Piräus sein. Die junge Frau meint etwas wehmütig, nun müssten sie alle in die Oliven, viel Arbeit warte auf sie alle, auch Orangen …

Korinth

Das Wetter bleibt uns gewogen. Kurz vor Korinth, im Angesicht der Steinbrüche am Strassenrand und dem vor uns aufragenden Festungsberg von Korinth entscheiden wir spontan: Wir schauen uns noch die Ausgrabungsstätte an, nachdem das im Juni 2011 irgendwie nicht so geklappt hat. Wir wissen nicht mehr, warum.

Und so reihen wir uns ein in den gar nicht so dünnen Besucherstrom, berappen unseren Rentnereintritt, und informieren uns zunächst im Museum vor, ehe wir das doch beachtliche Gelände betreten; im Sommer wäre das eine Unmöglichkeit.

Hier nur Eindrücke, ohne grosse Erklärungen. Eine große Bilderauswahl gibt es wie (fast) immer in der Google-Fotogalerie am Ende dieses Beitrags.

Auf diesem ausgedehnten Gelände mischen sich die verschiedensten Interessenten: Bustouristen, religiöse Gruppen, die die hier singend Gottesdienste abhalten, Archäologen, die scharren und vermessen – und wir. Als wir der ersten singenden Gruppe begegnen, fällt es mir schlagartig ein: Klar, Paulus‘ Briefe an die Korinther, als Korinth bereits lange römisch war.

Die Schautafeln sind hier alle dreisprachig: Griechisch, Englisch und Deutsch. Das ist selten, ich kann mich an keine antike Stätte erinnert, wo wir diesen Komfort hatten.

Der Kanal von Korinth

Den Kanal kann man auf der Schnellstrasse so überqueren, dass man nichts davon mitbekommt. Das wollen wir aber nicht. Am Südende des Kanals führt eine versenkbare Brücke über den Kanal, von dort sind auch die steilen Kanalwände eindrucksvoll zu bewundern.

Deshalb fahren wir zunächst dort hin. Denn da liegt auch ein Restaurant direkt am Wasser und da stärken wir uns für die letzte Etappe.

Die müssen wir nun bald antreten – erstens der Zeit wegen und zweitens, weil es zuzieht, so wie es die Wettervorhersage angedroht hat.

Auf die Fähre: Ende

In Piräus am Hafen sitzt man heutzutage nicht mehr gemütlich in einem der einst vielen Kneipen und Cafés – es gibt eigentlich nur noch eins. Wie das im Sommer geht, bei den Massen von Touristen, die auf ihre Fähre warten, kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen. Die Krise auch hier.

Die Fähre braucht fünf bis sechs Stunden, Zeit zum Dösen und Lesen. Das Schiff ist ziemlich leer, es gibt also auch wenig zum Schauen …

Ich lese Braudel, die passende Lektüre zum Mittelmeer, über das wir vibrierend mit ca. 40 km/h wummern. Und verwundert meine ich, über aktuelle Politik zu lesen.

Doch hat das Oströmische Reich nicht schließlich den Mangel an konstruktivem Haß teuer bezahlt? Womit gesagt wäre, daß die Zukunft jenen gehörte die zu hassen verstehen. Allzuoft sind die Zivilisationen tatsächlich nichts als Verkennung, Verachtung, Verabscheuung der anderen. Aber doch nicht immer nur dies. Sie sind auch Hingabe, Ausstrahlung, sie häufen kulturelle Werte an, Erfahrungen sind ihr Erbe. Soviel die Zivilisationen dem Kampf verdanken, so viel auch dem mannigfaltigen Austausch von Techniken, Ideen und selbst Religionen. Der Mittelmeerraum ist ein Mosaik aus tausend Freveltaten.

Braudel, Duby, Aymard: Die Welt des Mittelmeeres, Fischer S. 106

Der Stellenwert der Wirtschaft

Im Kontext der Geschichte des Mittelmeerraums gehört auch die Wirtschaft zu den maßgeblichen Akteuren. Ohne Wirtschaftssystem, das ihr das Gleichgewicht verleiht, wäre die Gesellschaft nichts, wären die Staaten bewegungsunfähige Körper. Selbst die Zivilisationen können nur dank der Ökonomie bestehen und gedeihen. Blütezeiten sind Zeiten des Verbrauchs, der Verschwendung. Kaum gerät die Wirtschaft in eine Krise, schon werden auf der Baustelle von Santa Maria del Fiore in Florenz die Arbeiten eingestellt, die Kathedrale von Bologna oder die von Siena bleiben auf immer unvollendet.

Braudel, Duby, Aymard: Die Welt des Mittelmeeres, Fischer S. 108

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* Rund Europa 2017 (Oktober), 12. Tag: Poulithra – Mykene

Sonntag, 22.10.2017, 19:29:21 :: Mykene, Hotel »La Petite Planète«
Mittwoch, 14.03.2018, 22:00:00 :: Galanado

Nach morgendlichem Bad und gemütlichem Frühstück in unserem Apartment sitzen wir noch eine Weile bei einem Becher Kaffee mit unseren neu gewonnen Freunden zusammen. Doch irgendwann müssen wir los.

Wir haben traumhaftes Wetter, Regen ist ab frühestens Montag Mittag vorhergesagt. Also geniessen wir den Tag auf einer gemütlichen Fahrt die arkadische Ostküste hinauf, besuchen nochmals das Kloster Loukoús und endlich auch die Ausgrabung der Villa des Herodes Atticus auf der anderen Strassenseite.

Gewissermassen zum Abschluss der herbstlichen Sightseeing tour lassen wir dann noch das Senfle den Larissahügel mit der Festung Argos besteigen.

Und zuletzt landen wir wieder im lieb gewonnenen Hotel in Mykene und stürzen uns zunächst in den Pool.

So. Das war die Kurzform, nun also der Reihe nach. Mit Text und Bild.

Tyros

Tyros

Wir passieren Tyros und werfen einen fast wehmütigen Blick hinab zum Meer – es war schön dort unten im Mai.

In einem etwas kargen Hochtal treffen wir auf einen Opuntien-Felder. Die Opuntie, vulgo Feigenkaktus, steht ja in den Mittelländern normalerweise wild in der Gegend herum, oft als Hecken. Hier also versucht jemand, sie landwirtschaftlich anzubauen. Kein Wunder kann man sie als Obst kaufen, von den widerlichen Stacheln befreit.

Die Felder sind offensichtlich schon länger in Gebrauch, den Mauern nach zu urteilen, die um das Kirchlein verteilt sind.


Das Kirchlein neben den Feldern

Kurz vor Astros landen wir hinter einem Geflügelhändler, eine leider verbreitete Art und Weise, Geflügel aller Art und Grösse in den Dörfern zu verkaufen. insbesondere besondere im Sommer eine Tortur für die Tiere; viele überleben die langen Fahrten nicht.

In Astros biegen wir dann nach Westen ab, in die Berge zum Kloster Loukoús.

Kloster Loukoús und Villa des Herodes Atticus

Wir waren im Mai dort im Kloster und hatten uns gewundert, wo die antiken Teile, die zum Teil in den Mauern der Klosterkirche aber auch als Präsentationsstücke überall im Gelände zu sehen waren. Was wir übersehen hatten: Auf der anderen Strassenseite befindet sich die ausgedehnte Ausgrabung der Villa des Herodes Atticus. Dort hat man sich während des Baus des Klosters reichlich bedient…

Als wir nun die Ausgrabungsstätte heute aufsuchen, stehen wir am Zaun und vor einem verschlossenen Tor.

Bei den andauernden Ausgrabungen und den sichtbar umfangreichen Restaurierungsarbeiten kann ich das nachvollziehen, da will man keine weißsockigen Sandalenträger zwischen Betonmischer und antiken Mauerstücken sehen.

So trollen wir uns schnell wieder nach verschieden Blicken durch den Zaun und richten unseren Blick auf das Kloster auf der anderen Strassenseite – ein andermal dann hoffentlich hier mehr; wir merken immer mehr, dass wir nicht zum letzten Mal auf der Peloponnes waren.

Es ist tatsächlich so, dass an vielen antiken Stätten erst jetzt so richtig gegraben und hergerichtet wird, so dass man erstaunt ist, wenn man – selbst nach kurzer Zeit wie in Messene Tage zuvor – größere Veränderungen vorfindet. Besonders stark fiel uns das in Nemea und in im Palast des Nestor auf, wo vor wenigen Jahren gar nichts zu sehen war und heute stattliche Präsentationen und angeschlossene Museen stehen.

Und komme jetzt bitte keiner mit »dafür haben sie Geld, die Griechen«!

Ein paar Worte doch noch zu Herodes Atticus, der ja nicht nur eine seiner Villen hier oben stehen hatte. Er stammte aus Athen, war Römer und stiftete u.a. das dort heute noch genutzte Amphitheater, das Odeon des Herodes Atticus. Herodes wirkte u.a. als Lehrer der Rhetorik in Athen.

Nicht unerwähnt bleiben dürfen natürlich auch die alten Olivenbäume, an denen wir vorbei trotten.

Besonders dieser Baum hat es Lis angetan …

Im Kloster sucht Lis nach der jungen Frau, die im Mai gerade in den Nonnenstand eingetreten war. Lis will sie jetzt nochmals sehen und sie fragen, wie es ihr geht. Die junge Nonne erinnert sich und berichtet erfreut, dass sie glücklich mit ihrer Wahl ist.

Währenddessen gehe ich durch den Klosterhof und »sammle« die Stücke, die offensichtlich aus der römischen Villa von gegenüber stammen.

Argos: Die Festung Larissa

Als wir uns dem Nordufer der Argolischen Bucht nähern trinken wir erstmal einen Griechischen Kaffee. Das ist nicht so einfach, wie man denkt in einer eher touristischen Gegend und um diese Jahreszeit – die meisten Lokale haben schon geschlossen. Aber wir finden eine Taverne, in der griechische Paare ud Familien üppig speisen; es ist Sonntag Nachmittag. Wir aber wollen nur einen Eliniko. Aber auch das geht, zusammen mit einer 1,5-Liter-Flasche Wasser für 5€.

Wie ich so über die Wand hinweg schaue, die uns gegen die Strasse abschirmt, sehe ich die Burg Larissa und ich beschliesse, dass wir die nun endlich besichtigen müssen.

Sie wird angeblich seit 2011 restauriert, also müsste ordentlich was zu sehen sein von dieser beherrschenden Burg hoch über Argos. Seit mykenischer Zeit bis 1821 wurde sie militärisch genutzt – von Mykenern, Römern, Westgoten, Byzantinern, Kreuzrittern, Venezianern, Osmanen. 1821 schliesslich wurde sie von den griechischen Freiheitskämpfern eingenommen. Seither existiert sie nur noch als Ruine.

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Die Strasse, die in vielen Serpentinen hinauf führt, lässt ahnen, dass der Strom der Besucher eher nur dünn sein wird, die hier ihren Wissensdurst befriedigen wollen; Busse kommen hier nicht hoch.

Und so sind wir dann tatsächlich auch ganz alleine hier oben, erleben eine fantastische Aussicht über Stadtgebiet und Umland von Argos bis hinab zum Meer, über dem ein schwerer Dunst hängt.

Den Mauern sieht man an, dass sie aus ganz verschiedenen Zeiten stammen müssen, was auf den vielen aufgestellten Schautafeln auch ausführlich erklärt wird. Der Besuch lohnt also in jedem Fall, auch wenn hier oben noch viel zu tun ist. Und da ist sie wieder: Die Frage nach dem Geld für »altes Gemäuer«.

Aber es ist schon so: In der Gesamtschau ist es ein Wahnsinn, es ist einmalig, was sich hier auf der Peloponnes – wie im Übrigen in ganz Griechenland – als historisches Sediment findet. Fast kein Kilometer Landstrasse ohne braune Schilder, die auf »Altes« hinweisen. Ich jedenfalls staune immer mehr, je länger wir durch das Land reisen.

Und wieder Mykene

Vom verlassen wirkenden Argos ist es nur noch ein kurzes Stück bis Mykene, wo wir mit Hallo und Erstaunen empfangen werden, waren wir doch erst vor zehn Tagen hier weggefahren.

Das Schwimmbad ist offen und wir nutzen es ausgiebig um hernach ein ebenso ausgiebiges Sonnenbad zu geniessen – wohlgemerkt, am 22. Oktober. Und unter strengen Aufsicht einer deer zahlreichen Hauskatzen.

Den restlichen Abend verbringe ich mit dem Kater des Hauses am Computer, versorge die Bilder und schreibe. Und der Kater kippt mir das Colaglas quer über den Tisch. Aber ich habe Glück: Fast alles klebt, nur die Gerätschaften nicht.

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* Rund Europa 2017 (Oktober), 11. Tag: Poulithra (Ruhetag)

Samstag, 21.10.2017, 19:21:25 :: Poulithra, Hotel Polychni
Mittwoch, 14.03.2018, 21:07:01 :: Galanado

Ruhetag, das ist heute eine kleine Rundfahrt, hinaus aus dem Kessel von Poulithra, zurück nach Leonidi, Stadbesichtigung und Abendvergnügen. Soweit die Planung.

Zunächst bestaunen wir den Sonnenaufgang und geniessen das Frühstück an der Küchenbar unseres Apartments; sowas haben wir ja selten.

Sonnenaufgang- und Untergänge über dem Meer: Sie faszinieren vor allem, wenn man sie an ganz unterschiedlichen Orten für längere Zeit beobachten kann. Die faszinierendsten waren wohl die auf La Palma, wo man das ganze Jahr über den Gange der Sonne von Süd nach Nord und zurück beobachten kann und sie einem jeden Abend ein anderes Schauspiel bietet. Eine Freundin dort hat über Jahre jeden Abend ein Foto geschossen und damit Tageskalender fabriziert.

Plaka, der Hafen von Poulithra

Nach dem Essen fahren wir hinaus auf die Mole des kleinen Hafens. Es ist nichts los, bis auf den kurzen »Besuch« eines jungen Mannes, der offenbar seinem Moped mal so richtig alles abverlangen will und laut knatternd heraus gefahren kommt aber sofort wieder zurück donnert, sind wir alleine.

Besonders der Leuchtturm beeindruckt.

Viel mehr als beschauliche Stille gibt es also hier draussen nicht. Gerne hätten wir ja nochmal einen Kaffe genommen, aber es ist alles dicht.

Also weiter, in die Berge.

Rundfahrt

Davor sollte man sich zunächst einmal das fantastische Geländeprofil ansehen, was dank Google Earth auch ohne Drohne kein Problem ist. Es sieht ganz nach dem Rest eines Vulkankessels aus; vielleicht ist es das sogar, ich weiss es nicht. In der Bildmitte am Ufer die Hafenmole und den Zickzack nach oben werden wir nun gleich hinauf fahren.

Auf halber Höhe gibt’s dann den ersten Ausblick auf den eigentlichen Ort.

Je höher umso schöner und erhabener die Aussicht.

Keiner Menschenseele begegnen wir hier oben, dafür aber Fotovoltaik vom Feinsten.

Leonidi

Hder oben haben wir offenbar die Auswahl, in welchen Leonidi, Leonidio oder Leonidion wir nun weiterfahren möchten, nur eins ist klar: Ab jetzt geht’s bergab.

Nach kurzer Zeit schon öffnet sich das weite Tal, in dem Leonidi im fetten Grün liegt, umrahmt von diesen gewaltigen roten Felsen, die mittlerweile als Insidertipp für Kletterwütige gelten.

Ja, und dann sind wir auch schon unten und durch Olivenalleen fahren wir in die Hauptstadt der Südlichen Kynouria ein und finden leicht einen Parkplatz. Wie wir sehen werden, ist zumindest in dieser Jahreszeit hier alles sehr geruhsam und verträumt, die Touristenfahrräder finden keine Abnehmer mehr.

Ja, was zunächst eher langweilig aussah, wird immer spannender, je länger ich umherstreife. Wir finden eine Lädchen, in dem ein Junge richtig dankbar ist, dass jemand kommt und ein Eis isst. Unsere Blicke hängen immer wieder an den roten Felswänden, deren Farbe sich mit sinkender Sonne immer weit intensiviert.

Am Ende unseres Rundgangs ist natürlich ein – genau! – Cappuccino fällig, ehe wir dem Senfle die Sporen geben, um in Poulithra nach dem Rechten zu sehen. Dort wird Michalis sicher am Strand sitzen …

Diesen Hinweis nehmen wir zur Kenntnis – morgen geht’s in diese Richtung, aber auf dem Weg haben wir noch einiges vor, das wissen wir aber zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht.

Portraitsitzung

Michalis sitzt tatsächlich immer noch in der Abendsonne am Strand und kämpft mit seinem Ehrgeiz, die Berge so auf die Leinwand zu bringen, wie er sich das vorstellt. Ich finde, er ist heute nicht sehr viel weiter gekommen, aber da kann sich ein Laienauge natürlich täuschen.

Aber er sieht ein, dass heute der Durchbruch nicht mehr gelingen wird und packt zusammen. Denn er hat darüber hinaus noch etwas vor mit uns.

Eine Stunde sitzen wir wenig später regungslos auf ihrem Sofa, während uns Michalis mit flinkem Bleistift und wenig Radiergummi portraitiert.

Und so entsteht in einem verschlafenen Nest auf der Peloponnes das Porträt eines alten Paares mit betretenem Blick auf dem Sofa des Ikonenmalers Michalis.

Pizza in Leonidio

Nach getaner Arbeit lassen wir den Abend in Leonidi in einer urigen Pizzeria im Freien ausklingen. Dass wir die einzigen Fremden sind, fällt niemandem auf.

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* Rund Europa 2017 (Oktober), 10. Tag: Gythio – Poulithra (Leonidi)

Freitag, 20.10.2017, 19:23:59 :: Poulithra (Leonidi) Hotel Polichni
Donnerstag, 01.03.2018, 21:21:14 :: Galanado
Montag, 12.03.2018, 21:30:04 :: Galanado

Historisches

Heute vor genau 190 Jahren fand die Schlacht von Navarino in der Buch des heutigen Pylos statt. Da waren wir ja vor drei Tagen und hatten uns überlegt, ob wir die Tage bis heute noch dort verbringen sollten, als wir die die vielen Wimpel und Nationalfahnen der Britten, Franzosen und Russen dort bereits aufgehängt sahen.

Wir haben nicht gewartet sondern sind weiter gefahren nach Messene und nach Gythio und heute geht’s von dort durch’s Gebirge nach Leonidi, genauer nach Plaka, dem Hafen von Poulithra, einer Siedlung mit knapp über 400 Einwohnern in der Bucht südlich von Leonidi.

Von Lakonien nach Arkadien

Gestern ging’s ja von Messenien nach Lakonien. Heute also in den Südosten von Arkadien, nach Leonidi in die Notia Kynouria wo noch der dorische Dialekt Tsakonisch gesprochen wird.

Das ist ein Stück Weg, den wir etwas ausdehnen wollen, damit es nicht langweilig wird; man sieht es ja oben auf der Karte. So kommt es zu zwei mehr oder weniger unerwarteten aber erzwungenen Kehrtwendungen: Die erste gleich nach Skala, wo wir auf die Schnellstrasse geraten. Die zweite etwas später …

Aber wie so oft: Ich greife wieder weit vor. Zunächst geniessen wir den Sonnenaufgang und ein kleines Frühstück.

Und dann fahren wir los.

Es geht durch das fruchtbare Delta des Evrotas, Plantagen, Olivenbäume, die übervoll mit Früchten hängen.

Der Flughafen von Sparta

Dann geht es in die Berge.

In Dafni ist es dann Zeit für einen Kaffee. Da wo die Bewohner sitzen, kann’s nicht falsch sein.

Ich habe mir die Strecke am Flughafen südlich von Sparte entlang nach Nordosten geroutet. Als wir dann, dem Wegweiser folgend, von der Schnellstrasse rechts rein fahren, landen wir schnell auf einer holprigen Sandstrasse, die, zusehends schlechter werdend, am Rande des Flugfeldes in einem Kiesweg endet – vor einem Zaun, dem man die blaue Farbe noch ansieht.

Das war’s mit Flughafen und an eine Weiterfahrt hier ist auch nich zu denken. Wir drehen also um. Und so landen wir letzten Endes auf der Strasse, auf der wir im Mai 2007 schon einmal von Kalamata nach Tyros unterwegs waren, damals sehr spät, wir kamen erst weit nach Sonnenuntergang dort an. Heute sind wir früher dran. Viele der Straßen sind hier neu, nicht in der Karte oder haben einen anderen Verlauf. Aber alle sind gut bis sehr gut.

Es ist einsam hier draussen, Kirchen und Gedenkstätten stehen alle paar Kilometer beziehungsweise an jeder Ecke.

Dann aber, inmitten fantastischer Felswände sehen wir karge Betonplastiken – das sollten wohl Brückenstützen werden, aber wozu? Ein paar hundert Meter klärt sich alles: Hier werden irgendwann Autos durch diese Stille brausen.

Kosmas

Die Fahrt hinauf nach Kosmas haben wir uns heute so richtig schön zurechtgelegt: Das Wetter ist herrlich, der aufgelassene Flughafen von Sparta ist schnell vergessen. Oben in Kosmas werden wir endlich ohne Regen im Freien vor der alten Kirche zu Mittag essen; im Mai sassen wir bei strömendem Regen in der Kneipe, zusammen mit anderen Gästen, wie die Heringe. Aber es war eben lecker …

In dieser guten Stimmung nähern wir uns dem Gebirge, das es nun zu erklimmen gilt.

Bis wir auf die Oldtimer-Truppe aus der französischen Schweiz am Fusse der Passstrasse treffen. Sie stehen da in langer Schlange, legen letzte Hand an, lassen die Motoren abkühlen, bevor sie die 800 Meter hochschnauben müssen. Wir überholen, frohlockend: Wir werden vor ihnen oben sein und uns unsere Plätze für’s Mittagessen sichern.

Dass da doch noch einer vor uns fährt, stört uns nicht – wir werden die ersten sein.

Oben werden wir schon am Ortseingang empfangen und eingewiesen, obwohl wir ja gar nicht dazu gehören: Das ganz Dorf ist bereits voller Oldtimer und deren (Mit-)Fahrer, einen Parkplatz gibt’s zu dem Zeitpunkt immerhin noch für uns.

Das Lokal ist fest in frankophoner Hand, kein freier Tisch, auch ohne die Nachzügler, die kurz nach uns eintreffen, denn sooo schnell ist ja auch das Senfle am Berg nicht.

Das war’s also wieder. Unser nettes Lokal ist überbelegt, produziert heute Massenverpflegung. Ich mache schnell ein paar Fotos, dann flüchten wir.

Durch immer wildere Schluchten und bei schönster Herbstsonne geht es nun hinunter nach Leonidi.


rechts unten im Bild grüsst das Kloster Elona

Leonidi

Das Städtchen werden wir uns morgen genauer ansehen. Zunächst gilt es, unsere Unterkunft im nächsten Ort zu finden. Wir werden nämlich erwartet. Zwei Künstler haben sich dort einquartiert und für uns reserviert. Eirini ist Kunstlehrerin an der Schule von Leonidi und Malerin, Michalis Ikonenmaler – kennen tun wir beide nur via Internet, Eirini schon seit vielen Jahren, heute wird es also endlich klappen, dass wir uns treffen.

Und hier treffen wir sie dann auch, telefonisch dirigiert und zunächst begrüsst von den Besitzern, beziehen wir unser Apartment …

… und geniessen diesen herrlichen Blick hinaus auf die Bucht von Leonidi.

Den Abend verbringen wir plaudernd und bei gutem Essen in der Stammkneipe an der Paralia. Es gibt ja viel zu erzählen und zu fragen, wenn man Menschen endlich trifft, mit denen man schon jahrelang in losem Kontakt ist. Eirini kommt von der Insel Andros, die sie uns natürlich wärmstens empfiehlt – was gibt es noch alles zu entdecken!

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* Rund Europa 2017 (Oktober), 9. Tag: Messene – Gythio (2)

Donnerstag, 19.10.2017, 19:48:39 :: Gythio, Hotel Aktaion
Mittwoch, 28.02.2018, 11:36:54 :: Galanado

Teil 1: Das Antike Messene

Nun also erst einmal Frühstück. Unser Lokal ist leer. Das sind wir gewohnt. Und das Frühstück ist reichlich und lecker. Das sind wir eher nicht gewohnt.

Jedenfalls geniessen wir noch einmal die Aussicht auf Messene und machen uns dann auf den Weg nach Gythio.

Der Weg führt uns zunächst nach Süden nach Messini, der Neuausgabe von Messene, vorbei am Flughafen nach Kalamata.

Die umtriebige Stadt durchqueren zügig und verlassen sie auf der Küstenstrasse ebenso …

… hinunter auf die Mani.

Auf der Mani

Nun geht es auf die Mani. Anfang Juni 2011 waren wir ab Kalamata dieselbe Strecke, allerdings bis zur Südspitze gefahren, dem südlichsten Festland-Punkt Europas; die Südspitze liegt übrigens südlicher als Tunis in Nordafrika – würde man nicht denken, oder? In diesem Beitrag gibt’s also mehr zur Mani.

Bis Agios Nikolaos geht es mit einer Ausnahme mehr oder weniger am Meer entlang. Agios Nikolaos hat nur insofern eine Bedeutung, als das der südlichste Punkt war, bis zu dem sich Lis vor vielen Jahren von Kalamata aus alleine vorgewagt hatte.

Und dann fahren wir auch noch fast vorbei, setzen uns aber etwas ausserhalb für eine Cola doch noch an den Strand – Gedenken muss sein. Dann geht es hoch in die Berge, vorbei an den vielen kleinen, zähen Olivenbäume, die hier zwischen den Felsen wurzeln.

Ziel ist nun erstmal die Morea-Ölmühle in der kleinen Siedlung nach Thalames, wo wir 2011 dieses köstliche frische Tropföl erworben hatten. Wir sind gespannt, was wir vorfinden werden.

Kein Öl

Und wir werden enttäuscht: Die Regale sind fast leer. Der umtriebige junge Mann hinter der Theke will uns einen Vortrag über die Vorzüge des Morea-Öls halten, wir winken ab. Was er denn noch da hat? Nichts für uns, die diesjährige Ernte hängt noch auf den Bäumen, im November vielleicht, im Dezember aber sicher wird es neues Tropföl geben. Die Mani ist rau, irgendwie erinnert sie mich immer an die Schwäbische Alb. Vielleicht kommen auch deshalb die Betreiber aus Ulm …

So lange können wir jedenfalls nicht warten. Nun also auf nach Itylo.

Nach einer längeren Strecke durch die Berge kommt man wieder ans Meer: Der erste Kontakt von oben wird mit einem grossartigen Blick hinab in die Bucht belohnt.

Gegenüber von Itylo am Steilhang liegt das Kastro Kalefás, eine Anlage mit fast vollständiger Mauer und Türmen. Sie wurde 1679 von den Ottomanen erbaut und abwechselnd von den Manioten und den Venezianern erobert und von den Osmanen zurück erobert.


By Vincenzo Coronellihttp://el.travelogues.gr/collection.php?view=351, Public Domain, Link

Die lassen wir uns fürs nächste mal …

1821 zog Petros Mavromichalis mit den vereinigten Clans der Mani in den Krieg gegen die Türken; der griechische Befreiungskampf startete nach anfänglichen und missglückten Versuchen im Norden Griechenlands letztendlich hier auf der Mani.

Unten bei Neo Itylo umfährt man sie und kommt zu einem Kleinod, das durch umfangreiche Restaurierung zu neuem Leben erwacht: Limeni, ein kleiner Fischerort, den wir schon im Mai empfohlen bekamen (und wo wir köstlich gespeist haben) und jetzt von der anderen Seite der Bucht nochmals inspizieren.

Dort steht auch der Pirgos Mavromichali, der bewehrte Wohnsitz der berühmten Familie Mavromichalis, etwas oberhalb am Hang. Heute ist er ein exquisit restauriertes Gebäude, in dem ein 4-Sterne-Hotel untergebracht ist.

Eine Städterundfahrt ist das hier nicht, alle Orte hier haben so um die fünfzig und weniger Einwohner. Aber geschichtsträchtig sind sie allemal. Endgültig geht es nun ins karge, wilde, fast leere Innere der Mani und hinüber nach Gythio, wir schneiden also den Südteil der Mani ab und fahren durch sanftes Gebirge hinüber an die Ostküste der Mani.

Buchempfehlung

Sommer 1952. Als Patrick Leigh Fermor 37-jährig über das Taygetos-Gebirge in das bitterschöne Land der Manioten bis an den südlichsten Zipfel der Peloponnes wandert, ist er in seiner Heimat bereits ein Kultautor.

„Es gibt kaum einen Fels oder Bach, zu dem es keine Schlacht und keinen Mythos gibt, kein Wunder, keinen Aberglauben, keine Geschichte … Meine Streifzüge durch Griechenland gelten den entlegensten Landstrichen, denn dort findet man, wonach ich suche.“

Gerade in der rauen, vom übrigen Griechenland durch den Taygetos abgeschnittenen Mani wittert Fermor Lebensformen und Bräuche, die direkt aus dem untergegangenen Byzanz oder dem mythischen Altertum zu kommen scheinen. So findet sich in der aus dem Stegreif gesungenen Totenklage, wenn die Sängerin sich die Haare rauft, Andromaches Trauer um Hektor wieder.

Patrick Leigh Fermor: Mani

Gythio

Das Städtchen ist langsam ein fester Standort für uns. Um diese Jahreszeit ist vom Tourismus nichts zu spüren, wir sind froh, dass wir noch draussen sitzen können und was zu trinken und vor allem zu essen bekommen.

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