* Rund Europa 2017 (Oktober), 13. Tag: Mykene – Naxos

Montag, 23.10.2017, 23:58:09 :: Naxos, Galanado

Heute werden wir also Naxos erreichen. Dazu müssen wir die Fähre um 16:30 Uhr in Piräus bekommen. Wir haben also genügend Zeit. Das heisst auch, alleine und gemütlich bei herrlichem Himmel und Sonnenschein auf der Terrasse frühstücken und den Blick zum Argolischen Golf geniessen.

Nachdem wir alles im Senfle verstaut haben, werden wir kurz vor dem Einsteigen noch mit Früchten versorgt und da kann ich es mir nicht verkneifen, zu fragen, woher das Hotel eigentlich seinen prägnanten Namen »La Petite Planète« hat.

Das sei eine lange Geschichte, und die gehe so, beginnt die agile Schwester, die sich fast immer um uns sorgt und die uns zum Auto gefolgt ist:

Wie das Hotel »La Petite Planète« zu seinem Namen kam


Beide Aufnahmen sind vom Mai 2017

Ihr Ururgrossvater kam mit Panagiotis Stamatakis aus dem Epirus nach Mykene. Wer nun war Stamatakis? Kurz: Er war der Kontrolleur und Mitausgräber von Heinrich Schliemann in Mykene, Ephoros der Altertümer der Argolis. Er erkannte wohl früh die Bedeutung dessen, was hier zum Vorschein kommen würde und empfahl dem Vorfahren, hier ein Hotel zu bauen, denn erstens mussten die Ausgräber irgendwo unterkommen und ebenso die kommenden Touristen. So wurde 1862 mit dem Bau eines Gästehauses begonnen, das noch heute den Namen »La Belle Helène« trägt. Ab 1876 übernachte dann Schliemann auch dort, erst 1890 wurde das Haus offiziell Hotel.

Vom Urgrossvater wissen wir nichts, aber vom Grossvater. Er war Pilot in der Griechischen Luftwaffe – aber Kommunist. Daher musste er die Armee verlassen und ging nach Paris. Dort lernte er seine Frau, die Grossmutter, kennen, die ihm 1943 das frisch erschienene Büchlein seines Fliegerkollegen Antoine de Saint-Exupéry schenkte.

Links:

Der Kleine Prinz hat so seine eigenen Gedanken zur Welt der Erwachsenen, denen man nicht so ohne weiteres widersprechen kann:

Die Erwachsenen verstehen nie etwas von selbst, und für Kinder ist es anstrengend, ihnen immer und ewig Erklärungen geben zu müssen.
[…]
Erwachsene lieben Zahlen. Wenn ihr ihnen von einem neuen Freund erzählt, wollen sie nie das Wesentliche wissen. Sie fragen euch nie: »Wie ist der Klang seiner Stimme? Welche Spiele spielt er am liebsten? Sammelt er Schmetterlinge?« Sie fragen euch: »Wie alt ist er? Wie viele Brüder hat er? Wie viel wiegt er? Wie viel verdient sein Vater?« Nur dann meinen sie ihn zu kennen.

de Saint-Exupéry, Antoine. Antoine de Saint-Exupéry: Der kleine Prinz

Der kleine Bursche hat dem Grossvater wohl so imponiert, dass er nach seiner Rückkehr nach Mykene beschloss, es seinem Urgrossvater gleich zu tun und ein Hotel zu bauen. Das wollte er nach dem kleinen Jungen vom kleinen Planeten benennen. Doch da waren die royalistischen Beamten der Genehmigungsbehörde entschieden dagegen. Der kleine Prinz, der wohnte mit seinen königlichen Eltern im Exil oder schon wieder im Schloss in Athen. König war damals wohl Georg II. oder Paul I. (1947–1964). Eine solche Monarchen-Lästerung kam nicht in Frage.

Ab 1942 kämpften Royalisten und Kommunisten gegen die Besatzer, die sich im Jahre 1944 zurückzogen. Nach Kriegsende wurde die Frage des Fortbestands der Monarchie zunächst zurückgestellt, der König ernannte Erzbischof Damaskinos an seiner Stelle zum Regenten, bis die Verfassungsfrage durch eine Volksabstimmung im September 1946 geklärt wurde. Unter dem Einfluss der Spaltung der Nation durch den Bürgerkrieg votierten bei der unter irregulären Bedingungen stattfindenden Abstimmung 78 Prozent für die Monarchie.

Wikipedia: Königreich Griechenland

Und so einigte man sich auf den Kleinen Planeten …

Ich finde das eine rührende und lehrreiche Geschichte, die dem eher farblosen modernen Ort Mykene eine überraschende Farbe verleiht.

Nach dieser Geschichtsstunde verabschieden wir uns dann aber doch, wir wollen vor dem Regen in Piräus sein. Die junge Frau meint etwas wehmütig, nun müssten sie alle in die Oliven, viel Arbeit warte auf sie alle, auch Orangen …

Korinth

Das Wetter bleibt uns gewogen. Kurz vor Korinth, im Angesicht der Steinbrüche am Strassenrand und dem vor uns aufragenden Festungsberg von Korinth entscheiden wir spontan: Wir schauen uns noch die Ausgrabungsstätte an, nachdem das im Juni 2011 irgendwie nicht so geklappt hat. Wir wissen nicht mehr, warum.

Und so reihen wir uns ein in den gar nicht so dünnen Besucherstrom, berappen unseren Rentnereintritt, und informieren uns zunächst im Museum vor, ehe wir das doch beachtliche Gelände betreten; im Sommer wäre das eine Unmöglichkeit.

Hier nur Eindrücke, ohne grosse Erklärungen. Eine große Bilderauswahl gibt es wie (fast) immer in der Google-Fotogalerie am Ende dieses Beitrags.

Auf diesem ausgedehnten Gelände mischen sich die verschiedensten Interessenten: Bustouristen, religiöse Gruppen, die die hier singend Gottesdienste abhalten, Archäologen, die scharren und vermessen – und wir. Als wir der ersten singenden Gruppe begegnen, fällt es mir schlagartig ein: Klar, Paulus‘ Briefe an die Korinther, als Korinth bereits lange römisch war.

Die Schautafeln sind hier alle dreisprachig: Griechisch, Englisch und Deutsch. Das ist selten, ich kann mich an keine antike Stätte erinnert, wo wir diesen Komfort hatten.

Der Kanal von Korinth

Den Kanal kann man auf der Schnellstrasse so überqueren, dass man nichts davon mitbekommt. Das wollen wir aber nicht. Am Südende des Kanals führt eine versenkbare Brücke über den Kanal, von dort sind auch die steilen Kanalwände eindrucksvoll zu bewundern.

Deshalb fahren wir zunächst dort hin. Denn da liegt auch ein Restaurant direkt am Wasser und da stärken wir uns für die letzte Etappe.

Die müssen wir nun bald antreten – erstens der Zeit wegen und zweitens, weil es zuzieht, so wie es die Wettervorhersage angedroht hat.

Auf die Fähre: Ende

In Piräus am Hafen sitzt man heutzutage nicht mehr gemütlich in einem der einst vielen Kneipen und Cafés – es gibt eigentlich nur noch eins. Wie das im Sommer geht, bei den Massen von Touristen, die auf ihre Fähre warten, kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen. Die Krise auch hier.

Die Fähre braucht fünf bis sechs Stunden, Zeit zum Dösen und Lesen. Das Schiff ist ziemlich leer, es gibt also auch wenig zum Schauen …

Ich lese Braudel, die passende Lektüre zum Mittelmeer, über das wir vibrierend mit ca. 40 km/h wummern. Und verwundert meine ich, über aktuelle Politik zu lesen.

Doch hat das Oströmische Reich nicht schließlich den Mangel an konstruktivem Haß teuer bezahlt? Womit gesagt wäre, daß die Zukunft jenen gehörte die zu hassen verstehen. Allzuoft sind die Zivilisationen tatsächlich nichts als Verkennung, Verachtung, Verabscheuung der anderen. Aber doch nicht immer nur dies. Sie sind auch Hingabe, Ausstrahlung, sie häufen kulturelle Werte an, Erfahrungen sind ihr Erbe. Soviel die Zivilisationen dem Kampf verdanken, so viel auch dem mannigfaltigen Austausch von Techniken, Ideen und selbst Religionen. Der Mittelmeerraum ist ein Mosaik aus tausend Freveltaten.

Braudel, Duby, Aymard: Die Welt des Mittelmeeres, Fischer S. 106

Der Stellenwert der Wirtschaft

Im Kontext der Geschichte des Mittelmeerraums gehört auch die Wirtschaft zu den maßgeblichen Akteuren. Ohne Wirtschaftssystem, das ihr das Gleichgewicht verleiht, wäre die Gesellschaft nichts, wären die Staaten bewegungsunfähige Körper. Selbst die Zivilisationen können nur dank der Ökonomie bestehen und gedeihen. Blütezeiten sind Zeiten des Verbrauchs, der Verschwendung. Kaum gerät die Wirtschaft in eine Krise, schon werden auf der Baustelle von Santa Maria del Fiore in Florenz die Arbeiten eingestellt, die Kathedrale von Bologna oder die von Siena bleiben auf immer unvollendet.

Braudel, Duby, Aymard: Die Welt des Mittelmeeres, Fischer S. 108

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* Rund Europa 2017 (Oktober), 12. Tag: Poulithra – Mykene

Sonntag, 22.10.2017, 19:29:21 :: Mykene, Hotel »La Petite Planète«
Mittwoch, 14.03.2018, 22:00:00 :: Galanado

Nach morgendlichem Bad und gemütlichem Frühstück in unserem Apartment sitzen wir noch eine Weile bei einem Becher Kaffee mit unseren neu gewonnen Freunden zusammen. Doch irgendwann müssen wir los.

Wir haben traumhaftes Wetter, Regen ist ab frühestens Montag Mittag vorhergesagt. Also geniessen wir den Tag auf einer gemütlichen Fahrt die arkadische Ostküste hinauf, besuchen nochmals das Kloster Loukoús und endlich auch die Ausgrabung der Villa des Herodes Atticus auf der anderen Strassenseite.

Gewissermassen zum Abschluss der herbstlichen Sightseeing tour lassen wir dann noch das Senfle den Larissahügel mit der Festung Argos besteigen.

Und zuletzt landen wir wieder im lieb gewonnenen Hotel in Mykene und stürzen uns zunächst in den Pool.

So. Das war die Kurzform, nun also der Reihe nach. Mit Text und Bild.

Tyros

Tyros

Wir passieren Tyros und werfen einen fast wehmütigen Blick hinab zum Meer – es war schön dort unten im Mai.

In einem etwas kargen Hochtal treffen wir auf einen Opuntien-Felder. Die Opuntie, vulgo Feigenkaktus, steht ja in den Mittelländern normalerweise wild in der Gegend herum, oft als Hecken. Hier also versucht jemand, sie landwirtschaftlich anzubauen. Kein Wunder kann man sie als Obst kaufen, von den widerlichen Stacheln befreit.

Die Felder sind offensichtlich schon länger in Gebrauch, den Mauern nach zu urteilen, die um das Kirchlein verteilt sind.


Das Kirchlein neben den Feldern

Kurz vor Astros landen wir hinter einem Geflügelhändler, eine leider verbreitete Art und Weise, Geflügel aller Art und Grösse in den Dörfern zu verkaufen. insbesondere besondere im Sommer eine Tortur für die Tiere; viele überleben die langen Fahrten nicht.

In Astros biegen wir dann nach Westen ab, in die Berge zum Kloster Loukoús.

Kloster Loukoús und Villa des Herodes Atticus

Wir waren im Mai dort im Kloster und hatten uns gewundert, wo die antiken Teile, die zum Teil in den Mauern der Klosterkirche aber auch als Präsentationsstücke überall im Gelände zu sehen waren. Was wir übersehen hatten: Auf der anderen Strassenseite befindet sich die ausgedehnte Ausgrabung der Villa des Herodes Atticus. Dort hat man sich während des Baus des Klosters reichlich bedient…

Als wir nun die Ausgrabungsstätte heute aufsuchen, stehen wir am Zaun und vor einem verschlossenen Tor.

Bei den andauernden Ausgrabungen und den sichtbar umfangreichen Restaurierungsarbeiten kann ich das nachvollziehen, da will man keine weißsockigen Sandalenträger zwischen Betonmischer und antiken Mauerstücken sehen.

So trollen wir uns schnell wieder nach verschieden Blicken durch den Zaun und richten unseren Blick auf das Kloster auf der anderen Strassenseite – ein andermal dann hoffentlich hier mehr; wir merken immer mehr, dass wir nicht zum letzten Mal auf der Peloponnes waren.

Es ist tatsächlich so, dass an vielen antiken Stätten erst jetzt so richtig gegraben und hergerichtet wird, so dass man erstaunt ist, wenn man – selbst nach kurzer Zeit wie in Messene Tage zuvor – größere Veränderungen vorfindet. Besonders stark fiel uns das in Nemea und in im Palast des Nestor auf, wo vor wenigen Jahren gar nichts zu sehen war und heute stattliche Präsentationen und angeschlossene Museen stehen.

Und komme jetzt bitte keiner mit »dafür haben sie Geld, die Griechen«!

Ein paar Worte doch noch zu Herodes Atticus, der ja nicht nur eine seiner Villen hier oben stehen hatte. Er stammte aus Athen, war Römer und stiftete u.a. das dort heute noch genutzte Amphitheater, das Odeon des Herodes Atticus. Herodes wirkte u.a. als Lehrer der Rhetorik in Athen.

Nicht unerwähnt bleiben dürfen natürlich auch die alten Olivenbäume, an denen wir vorbei trotten.

Besonders dieser Baum hat es Lis angetan …

Im Kloster sucht Lis nach der jungen Frau, die im Mai gerade in den Nonnenstand eingetreten war. Lis will sie jetzt nochmals sehen und sie fragen, wie es ihr geht. Die junge Nonne erinnert sich und berichtet erfreut, dass sie glücklich mit ihrer Wahl ist.

Währenddessen gehe ich durch den Klosterhof und »sammle« die Stücke, die offensichtlich aus der römischen Villa von gegenüber stammen.

Argos: Die Festung Larissa

Als wir uns dem Nordufer der Argolischen Bucht nähern trinken wir erstmal einen Griechischen Kaffee. Das ist nicht so einfach, wie man denkt in einer eher touristischen Gegend und um diese Jahreszeit – die meisten Lokale haben schon geschlossen. Aber wir finden eine Taverne, in der griechische Paare ud Familien üppig speisen; es ist Sonntag Nachmittag. Wir aber wollen nur einen Eliniko. Aber auch das geht, zusammen mit einer 1,5-Liter-Flasche Wasser für 5€.

Wie ich so über die Wand hinweg schaue, die uns gegen die Strasse abschirmt, sehe ich die Burg Larissa und ich beschliesse, dass wir die nun endlich besichtigen müssen.

Sie wird angeblich seit 2011 restauriert, also müsste ordentlich was zu sehen sein von dieser beherrschenden Burg hoch über Argos. Seit mykenischer Zeit bis 1821 wurde sie militärisch genutzt – von Mykenern, Römern, Westgoten, Byzantinern, Kreuzrittern, Venezianern, Osmanen. 1821 schliesslich wurde sie von den griechischen Freiheitskämpfern eingenommen. Seither existiert sie nur noch als Ruine.

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Die Strasse, die in vielen Serpentinen hinauf führt, lässt ahnen, dass der Strom der Besucher eher nur dünn sein wird, die hier ihren Wissensdurst befriedigen wollen; Busse kommen hier nicht hoch.

Und so sind wir dann tatsächlich auch ganz alleine hier oben, erleben eine fantastische Aussicht über Stadtgebiet und Umland von Argos bis hinab zum Meer, über dem ein schwerer Dunst hängt.

Den Mauern sieht man an, dass sie aus ganz verschiedenen Zeiten stammen müssen, was auf den vielen aufgestellten Schautafeln auch ausführlich erklärt wird. Der Besuch lohnt also in jedem Fall, auch wenn hier oben noch viel zu tun ist. Und da ist sie wieder: Die Frage nach dem Geld für »altes Gemäuer«.

Aber es ist schon so: In der Gesamtschau ist es ein Wahnsinn, es ist einmalig, was sich hier auf der Peloponnes – wie im Übrigen in ganz Griechenland – als historisches Sediment findet. Fast kein Kilometer Landstrasse ohne braune Schilder, die auf »Altes« hinweisen. Ich jedenfalls staune immer mehr, je länger wir durch das Land reisen.

Und wieder Mykene

Vom verlassen wirkenden Argos ist es nur noch ein kurzes Stück bis Mykene, wo wir mit Hallo und Erstaunen empfangen werden, waren wir doch erst vor zehn Tagen hier weggefahren.

Das Schwimmbad ist offen und wir nutzen es ausgiebig um hernach ein ebenso ausgiebiges Sonnenbad zu geniessen – wohlgemerkt, am 22. Oktober. Und unter strengen Aufsicht einer deer zahlreichen Hauskatzen.

Den restlichen Abend verbringe ich mit dem Kater des Hauses am Computer, versorge die Bilder und schreibe. Und der Kater kippt mir das Colaglas quer über den Tisch. Aber ich habe Glück: Fast alles klebt, nur die Gerätschaften nicht.

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* Rund Europa 2017 (Oktober), 11. Tag: Poulithra (Ruhetag)

Samstag, 21.10.2017, 19:21:25 :: Poulithra, Hotel Polychni
Mittwoch, 14.03.2018, 21:07:01 :: Galanado

Ruhetag, das ist heute eine kleine Rundfahrt, hinaus aus dem Kessel von Poulithra, zurück nach Leonidi, Stadbesichtigung und Abendvergnügen. Soweit die Planung.

Zunächst bestaunen wir den Sonnenaufgang und geniessen das Frühstück an der Küchenbar unseres Apartments; sowas haben wir ja selten.

Sonnenaufgang- und Untergänge über dem Meer: Sie faszinieren vor allem, wenn man sie an ganz unterschiedlichen Orten für längere Zeit beobachten kann. Die faszinierendsten waren wohl die auf La Palma, wo man das ganze Jahr über den Gange der Sonne von Süd nach Nord und zurück beobachten kann und sie einem jeden Abend ein anderes Schauspiel bietet. Eine Freundin dort hat über Jahre jeden Abend ein Foto geschossen und damit Tageskalender fabriziert.

Plaka, der Hafen von Poulithra

Nach dem Essen fahren wir hinaus auf die Mole des kleinen Hafens. Es ist nichts los, bis auf den kurzen »Besuch« eines jungen Mannes, der offenbar seinem Moped mal so richtig alles abverlangen will und laut knatternd heraus gefahren kommt aber sofort wieder zurück donnert, sind wir alleine.

Besonders der Leuchtturm beeindruckt.

Viel mehr als beschauliche Stille gibt es also hier draussen nicht. Gerne hätten wir ja nochmal einen Kaffe genommen, aber es ist alles dicht.

Also weiter, in die Berge.

Rundfahrt

Davor sollte man sich zunächst einmal das fantastische Geländeprofil ansehen, was dank Google Earth auch ohne Drohne kein Problem ist. Es sieht ganz nach dem Rest eines Vulkankessels aus; vielleicht ist es das sogar, ich weiss es nicht. In der Bildmitte am Ufer die Hafenmole und den Zickzack nach oben werden wir nun gleich hinauf fahren.

Auf halber Höhe gibt’s dann den ersten Ausblick auf den eigentlichen Ort.

Je höher umso schöner und erhabener die Aussicht.

Keiner Menschenseele begegnen wir hier oben, dafür aber Fotovoltaik vom Feinsten.

Leonidi

Hder oben haben wir offenbar die Auswahl, in welchen Leonidi, Leonidio oder Leonidion wir nun weiterfahren möchten, nur eins ist klar: Ab jetzt geht’s bergab.

Nach kurzer Zeit schon öffnet sich das weite Tal, in dem Leonidi im fetten Grün liegt, umrahmt von diesen gewaltigen roten Felsen, die mittlerweile als Insidertipp für Kletterwütige gelten.

Ja, und dann sind wir auch schon unten und durch Olivenalleen fahren wir in die Hauptstadt der Südlichen Kynouria ein und finden leicht einen Parkplatz. Wie wir sehen werden, ist zumindest in dieser Jahreszeit hier alles sehr geruhsam und verträumt, die Touristenfahrräder finden keine Abnehmer mehr.

Ja, was zunächst eher langweilig aussah, wird immer spannender, je länger ich umherstreife. Wir finden eine Lädchen, in dem ein Junge richtig dankbar ist, dass jemand kommt und ein Eis isst. Unsere Blicke hängen immer wieder an den roten Felswänden, deren Farbe sich mit sinkender Sonne immer weit intensiviert.

Am Ende unseres Rundgangs ist natürlich ein – genau! – Cappuccino fällig, ehe wir dem Senfle die Sporen geben, um in Poulithra nach dem Rechten zu sehen. Dort wird Michalis sicher am Strand sitzen …

Diesen Hinweis nehmen wir zur Kenntnis – morgen geht’s in diese Richtung, aber auf dem Weg haben wir noch einiges vor, das wissen wir aber zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht.

Portraitsitzung

Michalis sitzt tatsächlich immer noch in der Abendsonne am Strand und kämpft mit seinem Ehrgeiz, die Berge so auf die Leinwand zu bringen, wie er sich das vorstellt. Ich finde, er ist heute nicht sehr viel weiter gekommen, aber da kann sich ein Laienauge natürlich täuschen.

Aber er sieht ein, dass heute der Durchbruch nicht mehr gelingen wird und packt zusammen. Denn er hat darüber hinaus noch etwas vor mit uns.

Eine Stunde sitzen wir wenig später regungslos auf ihrem Sofa, während uns Michalis mit flinkem Bleistift und wenig Radiergummi portraitiert.

Und so entsteht in einem verschlafenen Nest auf der Peloponnes das Porträt eines alten Paares mit betretenem Blick auf dem Sofa des Ikonenmalers Michalis.

Pizza in Leonidio

Nach getaner Arbeit lassen wir den Abend in Leonidi in einer urigen Pizzeria im Freien ausklingen. Dass wir die einzigen Fremden sind, fällt niemandem auf.

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* Rund Europa 2017 (Oktober), 10. Tag: Gythio – Poulithra (Leonidi)

Freitag, 20.10.2017, 19:23:59 :: Poulithra (Leonidi) Hotel Polichni
Donnerstag, 01.03.2018, 21:21:14 :: Galanado
Montag, 12.03.2018, 21:30:04 :: Galanado

Historisches

Heute vor genau 190 Jahren fand die Schlacht von Navarino in der Buch des heutigen Pylos statt. Da waren wir ja vor drei Tagen und hatten uns überlegt, ob wir die Tage bis heute noch dort verbringen sollten, als wir die die vielen Wimpel und Nationalfahnen der Britten, Franzosen und Russen dort bereits aufgehängt sahen.

Wir haben nicht gewartet sondern sind weiter gefahren nach Messene und nach Gythio und heute geht’s von dort durch’s Gebirge nach Leonidi, genauer nach Plaka, dem Hafen von Poulithra, einer Siedlung mit knapp über 400 Einwohnern in der Bucht südlich von Leonidi.

Von Lakonien nach Arkadien

Gestern ging’s ja von Messenien nach Lakonien. Heute also in den Südosten von Arkadien, nach Leonidi in die Notia Kynouria wo noch der dorische Dialekt Tsakonisch gesprochen wird.

Das ist ein Stück Weg, den wir etwas ausdehnen wollen, damit es nicht langweilig wird; man sieht es ja oben auf der Karte. So kommt es zu zwei mehr oder weniger unerwarteten aber erzwungenen Kehrtwendungen: Die erste gleich nach Skala, wo wir auf die Schnellstrasse geraten. Die zweite etwas später …

Aber wie so oft: Ich greife wieder weit vor. Zunächst geniessen wir den Sonnenaufgang und ein kleines Frühstück.

Und dann fahren wir los.

Es geht durch das fruchtbare Delta des Evrotas, Plantagen, Olivenbäume, die übervoll mit Früchten hängen.

Der Flughafen von Sparta

Dann geht es in die Berge.

In Dafni ist es dann Zeit für einen Kaffee. Da wo die Bewohner sitzen, kann’s nicht falsch sein.

Ich habe mir die Strecke am Flughafen südlich von Sparte entlang nach Nordosten geroutet. Als wir dann, dem Wegweiser folgend, von der Schnellstrasse rechts rein fahren, landen wir schnell auf einer holprigen Sandstrasse, die, zusehends schlechter werdend, am Rande des Flugfeldes in einem Kiesweg endet – vor einem Zaun, dem man die blaue Farbe noch ansieht.

Das war’s mit Flughafen und an eine Weiterfahrt hier ist auch nich zu denken. Wir drehen also um. Und so landen wir letzten Endes auf der Strasse, auf der wir im Mai 2007 schon einmal von Kalamata nach Tyros unterwegs waren, damals sehr spät, wir kamen erst weit nach Sonnenuntergang dort an. Heute sind wir früher dran. Viele der Straßen sind hier neu, nicht in der Karte oder haben einen anderen Verlauf. Aber alle sind gut bis sehr gut.

Es ist einsam hier draussen, Kirchen und Gedenkstätten stehen alle paar Kilometer beziehungsweise an jeder Ecke.

Dann aber, inmitten fantastischer Felswände sehen wir karge Betonplastiken – das sollten wohl Brückenstützen werden, aber wozu? Ein paar hundert Meter klärt sich alles: Hier werden irgendwann Autos durch diese Stille brausen.

Kosmas

Die Fahrt hinauf nach Kosmas haben wir uns heute so richtig schön zurechtgelegt: Das Wetter ist herrlich, der aufgelassene Flughafen von Sparta ist schnell vergessen. Oben in Kosmas werden wir endlich ohne Regen im Freien vor der alten Kirche zu Mittag essen; im Mai sassen wir bei strömendem Regen in der Kneipe, zusammen mit anderen Gästen, wie die Heringe. Aber es war eben lecker …

In dieser guten Stimmung nähern wir uns dem Gebirge, das es nun zu erklimmen gilt.

Bis wir auf die Oldtimer-Truppe aus der französischen Schweiz am Fusse der Passstrasse treffen. Sie stehen da in langer Schlange, legen letzte Hand an, lassen die Motoren abkühlen, bevor sie die 800 Meter hochschnauben müssen. Wir überholen, frohlockend: Wir werden vor ihnen oben sein und uns unsere Plätze für’s Mittagessen sichern.

Dass da doch noch einer vor uns fährt, stört uns nicht – wir werden die ersten sein.

Oben werden wir schon am Ortseingang empfangen und eingewiesen, obwohl wir ja gar nicht dazu gehören: Das ganz Dorf ist bereits voller Oldtimer und deren (Mit-)Fahrer, einen Parkplatz gibt’s zu dem Zeitpunkt immerhin noch für uns.

Das Lokal ist fest in frankophoner Hand, kein freier Tisch, auch ohne die Nachzügler, die kurz nach uns eintreffen, denn sooo schnell ist ja auch das Senfle am Berg nicht.

Das war’s also wieder. Unser nettes Lokal ist überbelegt, produziert heute Massenverpflegung. Ich mache schnell ein paar Fotos, dann flüchten wir.

Durch immer wildere Schluchten und bei schönster Herbstsonne geht es nun hinunter nach Leonidi.


rechts unten im Bild grüsst das Kloster Elona

Leonidi

Das Städtchen werden wir uns morgen genauer ansehen. Zunächst gilt es, unsere Unterkunft im nächsten Ort zu finden. Wir werden nämlich erwartet. Zwei Künstler haben sich dort einquartiert und für uns reserviert. Eirini ist Kunstlehrerin an der Schule von Leonidi und Malerin, Michalis Ikonenmaler – kennen tun wir beide nur via Internet, Eirini schon seit vielen Jahren, heute wird es also endlich klappen, dass wir uns treffen.

Und hier treffen wir sie dann auch, telefonisch dirigiert und zunächst begrüsst von den Besitzern, beziehen wir unser Apartment …

… und geniessen diesen herrlichen Blick hinaus auf die Bucht von Leonidi.

Den Abend verbringen wir plaudernd und bei gutem Essen in der Stammkneipe an der Paralia. Es gibt ja viel zu erzählen und zu fragen, wenn man Menschen endlich trifft, mit denen man schon jahrelang in losem Kontakt ist. Eirini kommt von der Insel Andros, die sie uns natürlich wärmstens empfiehlt – was gibt es noch alles zu entdecken!

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* Rund Europa 2017 (Oktober), 9. Tag: Messene – Gythio (2)

Donnerstag, 19.10.2017, 19:48:39 :: Gythio, Hotel Aktaion
Mittwoch, 28.02.2018, 11:36:54 :: Galanado

Teil 1: Das Antike Messene

Nun also erst einmal Frühstück. Unser Lokal ist leer. Das sind wir gewohnt. Und das Frühstück ist reichlich und lecker. Das sind wir eher nicht gewohnt.

Jedenfalls geniessen wir noch einmal die Aussicht auf Messene und machen uns dann auf den Weg nach Gythio.

Der Weg führt uns zunächst nach Süden nach Messini, der Neuausgabe von Messene, vorbei am Flughafen nach Kalamata.

Die umtriebige Stadt durchqueren zügig und verlassen sie auf der Küstenstrasse ebenso …

… hinunter auf die Mani.

Auf der Mani

Nun geht es auf die Mani. Anfang Juni 2011 waren wir ab Kalamata dieselbe Strecke, allerdings bis zur Südspitze gefahren, dem südlichsten Festland-Punkt Europas; die Südspitze liegt übrigens südlicher als Tunis in Nordafrika – würde man nicht denken, oder? In diesem Beitrag gibt’s also mehr zur Mani.

Bis Agios Nikolaos geht es mit einer Ausnahme mehr oder weniger am Meer entlang. Agios Nikolaos hat nur insofern eine Bedeutung, als das der südlichste Punkt war, bis zu dem sich Lis vor vielen Jahren von Kalamata aus alleine vorgewagt hatte.

Und dann fahren wir auch noch fast vorbei, setzen uns aber etwas ausserhalb für eine Cola doch noch an den Strand – Gedenken muss sein. Dann geht es hoch in die Berge, vorbei an den vielen kleinen, zähen Olivenbäume, die hier zwischen den Felsen wurzeln.

Ziel ist nun erstmal die Morea-Ölmühle in der kleinen Siedlung nach Thalames, wo wir 2011 dieses köstliche frische Tropföl erworben hatten. Wir sind gespannt, was wir vorfinden werden.

Kein Öl

Und wir werden enttäuscht: Die Regale sind fast leer. Der umtriebige junge Mann hinter der Theke will uns einen Vortrag über die Vorzüge des Morea-Öls halten, wir winken ab. Was er denn noch da hat? Nichts für uns, die diesjährige Ernte hängt noch auf den Bäumen, im November vielleicht, im Dezember aber sicher wird es neues Tropföl geben. Die Mani ist rau, irgendwie erinnert sie mich immer an die Schwäbische Alb. Vielleicht kommen auch deshalb die Betreiber aus Ulm …

So lange können wir jedenfalls nicht warten. Nun also auf nach Itylo.

Nach einer längeren Strecke durch die Berge kommt man wieder ans Meer: Der erste Kontakt von oben wird mit einem grossartigen Blick hinab in die Bucht belohnt.

Gegenüber von Itylo am Steilhang liegt das Kastro Kalefás, eine Anlage mit fast vollständiger Mauer und Türmen. Sie wurde 1679 von den Ottomanen erbaut und abwechselnd von den Manioten und den Venezianern erobert und von den Osmanen zurück erobert.


By Vincenzo Coronellihttp://el.travelogues.gr/collection.php?view=351, Public Domain, Link

Die lassen wir uns fürs nächste mal …

1821 zog Petros Mavromichalis mit den vereinigten Clans der Mani in den Krieg gegen die Türken; der griechische Befreiungskampf startete nach anfänglichen und missglückten Versuchen im Norden Griechenlands letztendlich hier auf der Mani.

Unten bei Neo Itylo umfährt man sie und kommt zu einem Kleinod, das durch umfangreiche Restaurierung zu neuem Leben erwacht: Limeni, ein kleiner Fischerort, den wir schon im Mai empfohlen bekamen (und wo wir köstlich gespeist haben) und jetzt von der anderen Seite der Bucht nochmals inspizieren.

Dort steht auch der Pirgos Mavromichali, der bewehrte Wohnsitz der berühmten Familie Mavromichalis, etwas oberhalb am Hang. Heute ist er ein exquisit restauriertes Gebäude, in dem ein 4-Sterne-Hotel untergebracht ist.

Eine Städterundfahrt ist das hier nicht, alle Orte hier haben so um die fünfzig und weniger Einwohner. Aber geschichtsträchtig sind sie allemal. Endgültig geht es nun ins karge, wilde, fast leere Innere der Mani und hinüber nach Gythio, wir schneiden also den Südteil der Mani ab und fahren durch sanftes Gebirge hinüber an die Ostküste der Mani.

Buchempfehlung

Sommer 1952. Als Patrick Leigh Fermor 37-jährig über das Taygetos-Gebirge in das bitterschöne Land der Manioten bis an den südlichsten Zipfel der Peloponnes wandert, ist er in seiner Heimat bereits ein Kultautor.

„Es gibt kaum einen Fels oder Bach, zu dem es keine Schlacht und keinen Mythos gibt, kein Wunder, keinen Aberglauben, keine Geschichte … Meine Streifzüge durch Griechenland gelten den entlegensten Landstrichen, denn dort findet man, wonach ich suche.“

Gerade in der rauen, vom übrigen Griechenland durch den Taygetos abgeschnittenen Mani wittert Fermor Lebensformen und Bräuche, die direkt aus dem untergegangenen Byzanz oder dem mythischen Altertum zu kommen scheinen. So findet sich in der aus dem Stegreif gesungenen Totenklage, wenn die Sängerin sich die Haare rauft, Andromaches Trauer um Hektor wieder.

Patrick Leigh Fermor: Mani

Gythio

Das Städtchen ist langsam ein fester Standort für uns. Um diese Jahreszeit ist vom Tourismus nichts zu spüren, wir sind froh, dass wir noch draussen sitzen können und was zu trinken und vor allem zu essen bekommen.

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* Rund Europa 2017 (Oktober), 9. Tag: Das Antike Messene (1)


Das wiedererstandene Amphitheater, Blick bis zum Meer

Donnerstag, 19.10.2017, 19:48:39 :: Gythio, Hotel Aktaion
Sonntag, 04.02.2018, 15:30:28 :: Galanado
Freitag, 23.02.2018, 18:52:30 :: Galanado
Mittwoch, 28.02.2018, 00:21:35 :: Galanado

Unser Rundgang heute Morgen

Kurz vor neun Uhr sind wir auf dem Gelände. Ohne Frühstück, wohlgemerkt. Als Rentner zahlen wir die Hälfte, also 3€ jeder. Eigentlich könnte ich jetzt auf den Tag im Mai verweisen, ziemlich genau vor fünf Monaten. Da fanden wir uns hier noch früher ein, hatten Frühlingslicht, alles war grüner. Aber darüber ein anderes Mal, wenn ich den Frühling aufarbeite …

Im Gegensatz zu damals, als alles neu und irgendwie unfassbar war, weiss ich heute morgen, worauf ich mich konzentrieren möchte. Ich kann mich aber in diesem Gelände, trotz dieser Vielfalt an Eindrücken und Einzelheiten, nicht länger als zwei Stunden aufhalten, ohne Schatten – und ohne Frühstück. Also los.

Messene, ich hatte das schon erwähnt, ist für mich vielleicht die beeindruckendste Ausgrabung, auf der Peloponnes, wenn nich gar insgesamt. Ich möchte natürlich Mykene, Korinth etc., all den Stätten, die wir mittlerweile besucht haben, ihre Bedeutung und Schönheit nicht absprechen. Aber alleine die Lage hier …

Ich werde jetzt nicht jeden Stein, jede Säule und alle Gebäude aufführen und erklären, es folgen einfach Eindrücke mit mehr oder weniger mageren Erklärungen. Ich kann nur allen empfehlen sich hier ein, zwei Tage aufzuhalten.

Die Stadtanlage wurde 369 v. Chr. hier gewissermassen aus dem Boden gestampft. Eile war geboten, denn Messenien war den Spartanern vom thebanischen Feldherrn Epameinondas einfach weggenommen worden. Die Spartaner waren also sicher stocksauer und wollten sich den Landesteil bis zum Meer wieder zurück erobern, hatten sie doch im Peloponnesische Krieg 35 Jahren zuvor (431 v. Chr. bis 404 v. Chr.) Athen und den Attischen Seebund erfolgreich geschlagen. Und jetzt das.

Wo die Menschenmassen herkamen, die eine Akropolis mit Fluchtburg auf dem Ithomi, neun Kilometer Stadtmauer aus Riesenquadern und nicht, wie so häufig, aus Ziegeln hochgezogen, Häuser, Tempel und all das, was wie heute bestaunen, fertig stellten – keine Ahnung. Es werden wohl Sklaven gewesen sein, Bauern aus anderen Landesteilen, denen man Schutz vor Sparta versprach. Es gibt eine Quelle, die behauptet, die Festungsmauer sei in 85 Tagen hochgezogen worden. Aber das ist mit Sicherheit eine antike Ente.

Griechen, Römer und die Byzantiner haben sich hier wohl gefühlt. Davon zeugen einige Bauten, so auch eine byzantinische Kirche.

Nach nur ca. 770 Jahren begann dann schon der Abstieg und das Ende der Geschichte Messeniens und damit auch der Stadt: Um 395 n. Chr. fielen die Ostgoten marodierend über die Peloponnes her. Ab 600 n. Chr. kamen darüber hinaus slawische Stämme bis herunter in die Finger, wovon bis heute noch slawische Ortsnamen zeugen. Spätestens jetzt war also Schicht im Schacht. Und die Frage nach dem lupenreinen Griechentum stellt sich auch hier wieder, wenn man an die Diskussion über den Namen des derzeit von den Griechen hartnäckig FYROM genannten Mazedoniens denkt.

Nun also Bilder vom Herbst

Beginnen wir im Brunnen- und Marktbereich. Hier war ein Heiligtum, Brunnenanlagen, Bäder und eine Einkaufsmeile.


Hier wurde wohl sauniert …


… und hier wohl Getreide und Hülsenfrüchte abgemessen und verkauft

Wenden wir uns nun nach Süden, dann finden wir neben dem Asklepeion die Schatzkammer beziehungsweise das Gefängnis, in dem zu schmachten einem die Schönheit der Landschaft hier nicht näher gebracht hat. Auch an Flucht war nicht zu denken, der Deckel wiegt 1,5 Tonnen.


Eine ältere Aufnahme des Bereichs (Schautafel)

Zweifellos ist das Stadion, das langsam aber stetig wieder ersteht, der attraktivste Bereich.

Das Amphitheater

Noch ist nicht alles ausgegraben!

An einer Stelle wo wir noch im Frühjahr achtlos vorbei gegangen sind (teils wohl auch der Hitze geschuldet …) wird ein Heiligtum von Isis und Serapis freigelegt, ein Kult, der aus Ägypten hierher gelangte.

Wir wollen in ein paar Jahren noch einmal nachsehen, was noch alles hier wiederaufersteht.

Alle weiteren Fotos finden sich in der Galerie am Ende des Beitrags und im kommenden Beitrag vom Mai, den ich dann hier auch verlinke.

Ein kleiner Höhepunkt am Schluss

Als wir langsam Richtung Ausgang schlendern fällt und ein Menschengetümmel dort auf, Polizei, Herrn im Anzug und Sonnenbrillen. Einer spricht uns an: Ob es uns gefalle hier, woher und wohin. Lis stellt die Gegenfragen: Was hier los sei? Das sei der kirchliche Oberhirte aus Athen, der Erzbischof der Kirche neben unserem Lieblingscafé in Athen. Ja, und da fährt er dann an uns vorbei in seinem »Papamobil«, begleitet und bewacht von kirchlichem und weltlichem Personal.

Diejenigen, die nicht gebraucht werden, sind froh und ziehen sich in den Schatten zurück. Denn es ist auch im Oktober noch mehr oder weniger angenehm warm, je nachdem, was man an hat.

Der Parkplatz draussen steht voller Polizeiautos und die Mannschaften suchen sich schattigen Plätzchen unter den paar Bäumen dort.

Und wir fahren jetzt erst einmal frühstücken; das Museum, an dem wir vorbei fahren, hatten wir im Mai.

Teil 2: Mavrommati – Gythio

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* Rund Europa 2017 (Oktober), 8. Tag: Pylos – Messene (Mavrommati)

Mittwoch, 18.10.2017, 16:24:57 :: Mavrommati/Ithome (Alt Messene), Rooms Lykourgos
Samstag, 03.02.2018, 14:47:46 :: Galanado

Eigentlich wollen wir hier nicht weg. Es ist wirklich sehr schön und gemütlich hier und zu sehen gäbe es noch viel, nicht nur das Spektakel am 20. Oktober in Pylos: Der Nord- und Nordostrand der Bucht von Navarino bietet neben alten Festungen und einer Höhle auch die Traumbucht

Ormos Voidokilia

Sie heisst übersetzt Ochsenbauchbucht, was ihrer kreisrunden Form geschuldet ist.

Zunächst fahren wir am Campingplatz vorbei, auf dem wir im Mai 2005 mit meiner Nichte und ihrer Ehepartnerin sassen. Sie waren auf dem Weg nach Finikunda, wo wir dann gemeinsam zwei Tage verbrachten – zwölf Jahre ist das her!

Mai 2005: Gemütliches Zusammensitzen und Blick auf Pylos

Das Sträßchen, das gegen Ende als Sandweg endet, führt im ersten Teil der Exkursion auf der schmalen Landzunge zwischen Bucht im Süden und Lagune im Norden nach Westen.

Da ist aber dann bald Schluss für’s Senfle, das war uns klar. Also zurück und um die Lagune herum zur wahren Traumbucht.

Quelle: peloponnes-urlaub.de

Das Denkmal für in der Schlacht von Navarino gefallene englische Matrosen steht auf dieser (der kleinsten) Insel Chelonaki (kleine Schildkröte), die mitten in der Bucht liegt und die ich bei der Rückfahrt gerade noch erhascht habe.

Die Traumbucht …

… erreichen wir dann nach einem grossen Bogen um die Lagune und einem wenige hundert Meter langen »Fussmarsch«.

Hier gönnen wir uns dann auch ein Bad, man kann einfach nicht widerstehen. Der Ausgang der Bucht wird zu beiden Seiten von mehr oder weniger gut erhaltenen Festungen auf den Hügeln bewacht.

Das fränkische Kastell (Palaiókastro)

Sie und die Höhle des Nestor sparen wir uns auf – vielleicht ein anderes Mal; wir sind ja erst zum zweiten Mal hier …

Auf dem Rückweg zum Senfle kommen uns zwei junge Frauen entgegen, die uns anlachen und direkt ansprechen: Ob uns der gelbe Twingo gehören würde, der ein paar hundert Meter weiter hinter dem Hügel steht?

– Ja, wieso?

Ja, der wäre doch auf Naxos gestanden, dort hätten sie ihn vor ein paar Tagen gesehen …

So viel zur Bekanntheit unseres Senfle.

Durch die Berge

Wir fahren nun den Rest des Tages durch eine liebliche Berglandschaft, fast ausnahmslos den ganzen Tag durch Olivenhaine. Endpunkt am Abend wird der kleine Ort Mavrommati, oberhalb der antiken Kultstätte von Messene sein. Es wird unterwegs nichts zu besichtigen geben. Meinen wir. Ein reine Fahrt durch »Wald und Feld«.

Zunächst müssen wir wieder die Strecke von gestern nehmen, vorbei am Palast des Nestor hinauf nach Chora, wieder vorbei an den Olivenbauern, die ihre reiche Olivenernte von den Bäumen holen. Erst weiter oben sind die Oliven noch nicht so weit. Was doch hundert, zweihundert Meter ausmachen.

Selbstverständlich treffen wir auch hier auf Gedenkkirchlein am Strassenrand und kleine Orte, wo wir uns immer fragen, wie die Menschen hier ihr Auskommen finden.

Milioti, einer der kleinen Orte auf dem Weg nach Aristomenis

Das sind die Transportmittel für’s Grosse in Aristomenis

Auch kleinste Kirchen tragen einen Namen

Ein mykenisches Tolosgrab im Olivenhain

Kurz hinter Aristomenis fordert uns ein Schild eine unerwartete Entscheidung ab. Sollen wir da hin? Natürlich »sollen« wir und so biegen wir ab und holpern auf der Sandpiste den Schildern nach, natürlich links und rechts Olivenbäume.

Und dann sehen wir es vor uns, kauernd und nichtsagend unter einem Schutzdach, leergeräumt aber eben ein alten antikes Grab, mitten unter Oliven. Hier fand ganz sicher kein König seine letzte Ruhe.

Das Tholosgrab von Aristomenis

Wie sahen dagegen die »grossen Brüder« in Mykene und Tyrins aus!

Tholosgräber von Mykene und Tyrins

Oben und links unten: Mykene, unten Mitte und rechts Tyrins

Diodia

Diodia, einer der vielen klein Orte auf dem Weg

Politisches Hauen und Stechen – mit Worten

In Sterna, südöstlich von Aristomenis, machen wir halt für einen Eleniko. An den Nebentischen links und rechts und über unsere Köpfe hinweg wird hart diskutiert, es geht natürlich um die gaaanz grosse Politik – Nea Dimokratia, PASOK, natürlich SYRIZA und nicht zuletzt Papandreou, der in den letzten Tagen ausgezeichnet wurde – alles fliegt durch die Luft. Und wir dazwischen mit unserem Kaffee.

Blick weg von den Streitendenden, auf die ich lieber nicht die Linse richte

Die zur Unkenntlichkeit geschrumpfte PASOK und ihr einstiger Boss werden wieder hofiert, ebenso natürlich die ND, die den Anspruch erhebt, spätestens bei den nächsten Wahlen in Griechenland wieder die Geschäfte zu übernehmen – wie sehr sich die Geschicke der politischen Parteien doch überall gleichen …

Es geht, wie gesagt, hoch her, sehr laut und unter heftigem Gestikulieren. Ein Diskutant kann gut Englisch und fragt nach, woher wir kommen (Deutschland, aber jetzt Naxos), nickt anerkennend und entschuldigt sich – auch für die anderen. Wir erklären ihm, dass wir schon so weit verstehen, worum es geht. Der Dorffrieden scheint für den Moment wiederhergestellt, deshalb hält er uns einen fortführenden Vortrag: Auch in Deutschland gäbe es Armut, er höre und sehe viel Nachrichten, er wisse Bescheid. Aber grundsätzlich lässt er auf Deutschland nichts kommen.

Doch dann kommt der Bus und kann nicht um die Ecke biegen, das Senfle steht zu weit in der Kurve. Ich parke um, in die Nebenstrasse, alles in aller Ruhe, ohne Gehupe – griechisch eben.

Und am Ende zahlt ein anderer Diskutant unseren Kaffee …

High Tech und Oliven

Beim kleinen Dorf Trikorfo treffen wir auf ländlichen Zerfall, beste Solartechnik, auf Unmengen leckerer Oliven und natürlich auf ein Wegkirchlein.

Diesen riesigen Olivenbaum haben wir besonders bewundert. Ich kann mich keine grösseren erinnern.

Messene und Mavrommati

Als wäre heute nicht schon genügend passiert, kommt nun am Nachmittag zweifellos der Höhepunkt des Tages. Also, nicht überraschend. Wir sind ja deshalb hierher gefahren, weil wir wussten, was uns erwartet. Im Mai waren wir bereits hier in Messene, der Bericht darüber ist noch gar nicht geschrieben.

Das antike Messene ist für mich bisher der Superlativ der antiken Stätten auf der Peloponnes, weshalb ich mich mit diesem Ort intensiver beschäftigt habe.

Mavrommati liegt gleich oberhalb von Alt-Messene. Dort gibt es Bett und Futter für uns und alle Archäologen und am Abend herrliche Ausblicke. Aber ich greife schon wieder vor, weiss aber ehrlich sowieso nicht wo anfangen. Also der Reihe nach.

Die Festungsmauer

In der Bildmitte zieht die Festungsmauer

Hier etwas mehr aus der Nähe

Es beginnt also mit dem ersten Blick auf das lange Stück der alten Stadtmauer von Messene. Sie ist ca. 9 km lang, grosse Teile sind noch sehr gut erhalten, vieles mittlerweile auch erforscht, vermessen und beschrieben, kurz: Diese Stadtmauer gilt in der Fachwelt als eine der bedeutendsten Festungswerke der Antike überhaupt. Lassen wir also die Forscher selbst sprechen:

Die Befestigungsmauer der Stadt Messene, 369 v. Chr. auf thebanische Initiative als Hauptstadt des von Sparta befreiten Messenien gegründet, stellt aufgrund ihres exzellenten Erhaltungszustandes das imposanteste Bauwerk der Stadt dar. Durch ein Projekt der Freien Universität Berlin in Kooperation mit der TU Berlin, der RWTH Aachen und dem CNRS Frankreich wird nun eine umfassende Dokumentation und Auswertung des Monumentes selbst, unterstützender Befestigungswerke in der direkten Umgebung sowie der verwendeten Materialien und Steinbrüche vorgenommen. Die Stadtmauer Messenes erweist sich dabei zwar in Form und Technik nicht als in allen Partien einheitliches, aber dennoch als ein direkt nach der Stadtgründung in einem Zuge errichtetes Monument, bei dessen Bau sowohl ökonomische Prinzipien als auch starke repräsentative Absichten erkennbar sind. So ist die Stadtmauer nicht nur als höchst effizienter Wehrbau zu verstehen, der – als Antwort auf die Bedrohung vor allem durch Sparta – nach den neuesten Erkenntnissen der Fortifikatorik errichtet wurde, sondern auch als Symbol einer neu gewonnenen messenischen Identität.
[…]
Die rund 9 km lange Stadtmauer Messenes umfasst ein Gebiet von ungefähr 290 ha. Sie schließt den Gipfel des Berges Ithome mit ein, der zu einer eigenen Ringfestung ausgebaut ist. Über einen nordwestlichen Berggrat des Ithome verläuft sie zu einer kleinen Senke im Norden der Stadt hinab und zieht sich danach im Norden und Westen über die Gipfel und Grate der nächstgelegenen höheren Hügel (Abb. 3), bis sie am südwestlichsten Hügel zunächst nach Osten, dann nach Nordosten zum Stadion Messenes hin umbiegt. Hier wie im gesamten südlichen Verlauf orientiert sich der Mauerverlauf am nördlichen Rand einer kleinen Schlucht und steigt im Südosten zum sog. Lakonischen Tor bergan, das im Sattel zwischen dem Ithome und dem Nachbarberg Eua (heute Agios Vasilios) liegt. Südlich dieses Lakonischen Tores ist ein kleiner Bergrücken noch einmal gesondert befestigt. Vom Tor an steigt die Mauer dann entlang des südöstlichen Grates den Ithome empor. Auf diese Weise hat man offensichtlich die bestmögliche Verteidigungslinie um die Stadt gewählt.

Silke Müth: Fortifikationskunst und Repräsentation an der Stadtmauer von Messene[1]

Im Vorgrund quer verlaufend das grosse Mauerstück, im Hintergrund an der Gabelung das Arkadische Tor

Eingezeichnet ist hier grob der Verlauf der Festungsmauer, 9 km lang

Wie aber ist unser direkter Eindruck?

Knapp 2.400 Jahre liegen zwischen dem Bau dieser Mauer und dem heutigen Anblick. Beeindruckend, wie in wohl sehr kurzer Zeit die gewaltigen Steine gebrochen, bearbeitet, transportiert und aufeinander gesetzt wurden.

Aber die Geschichte müsst ihr anderswo nachlesen.

Das Arkadische Tor

Wir fahren zunächst die paar hundert Meter weiter zum Arkadischen Tor, das am besten erhalten ist und auch als eine der Kulissen für jährliche kulturelle Feste hier in Alt Messene dient.

Quelle: Webseite Messana Hotel

Man muss sich immer wieder in Erinnerung rufen, dass hier in Messene immer noch gegraben, begutachtet und restauriert wird; die w.o. im zitierten Artikel geschilderten Arbeiten stammen aus 2004-2010.

Es reicht jetzt. Die grosse archäologische Schau in Wiederholung und mit einer besonderen Überraschung, die kommt erst morgen früh. Wir fahren hinunter nach Mavrommati. Unsere Hotel hat geschlossen, so ziehen wir eben nebenan ein, 45€ o.Fr.

Das Abendessen nehmen wir in derselben Kneipe wie im Mai ein, 40€ mit eingelegten Feigen und anderen Extras. Sie machen aber morgens erst gegen 10 Uhr auf, also kein Frühstück 🙁

Und unten, zwischen den Zypressen …

… und Oliven liegt das alte Messene

Links:

[1] Neue Forschungen zu antiken Stadtbefestigungen im östlichen Mittelmeerraum und im Vorderen Orient
Konstruktion – Funktion – Semantik
Herausgegeben von
Janet Lorentzen, Felix Pirson, Peter Schneider und Ulrike Wulf-Rheidt
BYZAS 10
Veröffentlichungen des Deutschen Archäologischen Instituts Istanbul
© 2010 Ege Yayınları ISBN 978-605-5607-05-0

Google-Fotos

Google Fotos: Gialova – Voidokilia


 

 

Google Fotos: Gialova – Messene

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* Rund Europa 2017 (Oktober), 7. Tag: Gialova – Nestor – Pylos (2)

Dienstag, 17.10.2017, 22:13:13 :: Zoë Resort
Sonntag, 28.01.2018, 22:39:29 :: Galanado
Montag, 29.01.2018, 23:03:16 :: Galanado

Zurück zu Teil 1: Gialova – Nestorpalast

Vorbemerkung: Ich bin verschiedentlich wieder darauf angesprochen worden, dass die Fotos so lange brauchen, bis sie geladen sind. Das ist normal. Ich stelle die Bilder in einer Qualität zur Verfügung, die auf allen Geräten bestmögliche Qualität liefert, auch zum Beispiel auf iPads mit Retinadisplay. Das hat seinen Preis. Und der heisst Zeit. Bei der Gelegenheit auch wieder der Hinweis, dass ein Klick auf ein Bild es vergrössert anzeigt. Auch eine automatische Diaschau ist dann möglich.

Viel Spass!

*


Im Hintergrund die Bucht von Pylos

Bei diesem Blick über die friedliche Bucht von Pylos denkt man nicht an Krieg. Aber es ist auch die Bucht von Navarino


Ein seltenes Exemplar: Dreifache Wegkirche (Ikonostase, Proskinitaria)

Als wir uns am Nachmittag aufmachen nach Pylos und zur Festung, dann sind sie da: Die Gedanken, die um die Schlacht kreisen: In dieser Bucht drängten sich die Segler, voller Kanonen, Kugel und Schiesspulver, um sich gegenseitig auf dem Grund der Bucht zu versenken.


Quelle für beide Bilder: Wikipedia

In drei Tagen feiert man das Ereignis zum 190. mal: Die Seeschlacht fand am 20. Oktober 1827 in dieser Bucht statt. Grossbritanien, Frankreich und Russland besiegten die Osmanisch-ägyptische Flotte und entsprechend geschmückt ist die Stadt bereits, als wir durchfahren zur Festung, der unser Interesse gilt.

Die Wimpel und Fahnen sind natürlich die der Beteiligten – Griechenland hat sich da etwas dazwischen geschmuggelt – aber welche ist welche? Hier eine kleine Hilfe. Na?

Russland ist die untere. Wer hat’s gewusst?

Wir überlegen, ob wir noch drei Tage hier bleiben sollen, um die Feier zu erleben, lassen es aber sein. Griechenland selbst ist gar nicht erpicht darauf, diesen Tag zu feiern, obwohl wahrscheinlich der griechische Freiheitskampf (1821-1837) durch diese Schlacht erst erfolgreich war.

Deshalb hier ein paar Links:

Und was von YouTube:

 

 

Die Schlacht von Navarino war die letzte große Seeschlacht ausschließlich mit Segelschiffen. Sie brachte für Griechenland die endgültige Freiheit vom Osmanischen Reich – und einen Bayrischen König. Und das Bier, nicht zu vergessen.

Neben Gefallenen und Wracks lagen eine Menge Kanonen am Grund, der griechische König liess sie zum Teil heben:

Mit der ägyptisch-türkischen Flotte war eine große Anzahl bronzener Kanonen untergegangen. Ein Großteil davon wurde unter dem griechischen König Otto gehoben und als Recyclingmaterial in Europa verkauft, wobei etliche davon nach Bayern gelangten und für den Guss des Obelisken am Karolinenplatz in München, der Bavaria und der Tilly-Statue in der Feldherrnhalle verwendet wurden.

Wikipedia

Das Neo Kastro

Neo Kastro, erbaut von den Osmanen 1573 auf dem südliche Hügel vor der Stadt mit einer herrlichen Aussicht auf den Ausgang der Bucht …

…wirkt verlassen, als wir vor dem Eingang parken. Und so ist es auch – wir sind die Einzigen, ausser dem Wachpersonal im Museum. Das finden wir ja selten bei derartigen Stätten und können daraus eigentlich nur schliessen, dass es nicht sonderlich interessant oder gar wichtig ist.

Im weiten Gelände steht nach einigem verrostetem Kriegsgeschirr die Moschee, die nach der Vertreibung der Osmanen in eine orthodoxe Kirche verwandelt wurde. Man trifft das ja sehr häufig und es erinnert mich an die hochgotische Moschee im türkischen Teil von Nikosia auf Zypern: Dieses Hin und Her der Religionsfanatiker. Egoman, wie ich den derzeitigen türkischen Alleinherrscher nur nenne, möchte ja wohl auch die Hagia Sophia in Konstantinopel (so nennen die Griechen diese Stadt, die derzeit ja Istanbul heisst) als Moschee reaktivieren; es lohnt, den Wikipediaartikel zu lesen, um den Wahn des Hin und Hers zu begreifen.

Weiter oben am Berg dann die eigentliche Zitadelle.

Im Archäologischen Museum, das sehr neu, modern und auch sachlich pädagogisch – für uns zunächst erstaunlich – auf dem neuesten Stand ist, finden wir Schönes und Wunderschönes.

Ein weiteres Museum auf dem Gelände und die Freilichtaustellung beschäftigt sich ausschliesslich mit »Unter-Wasser-Archäologie« und widmet sich den Schiffswracks, Amphoren etc.

Bei Sonnenuntergang verlassen wir die Festung und denken an die letzten Bilder im Museum und darauf dass wir das morgen früh in natura sehen werden.

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* Rund Europa 2017 (Oktober), 7. Tag: Gialova – Nestor – Pylos (1)

Dienstag, 17.10.2017, 22:13:13 :: Zoë Resort
Mittwoch, 22.11.2017, 16:23:33 :: Galanado
Sonntag, 28.01.2018, 22:29:33 :: Galanado

Am Morgen holen wir den Besuch im Palast des Nestor nach. Zuvor aber das Frühstück im Freien, unter den grossen Bäumen, den Blick über den Stand nach Süden über die Bucht. Soll man sie als »Bucht von Pylos« denken oder »Bucht von Navarino«?

Sich zu trennen, wieder ins Auto zu steigen, ist gar nicht so einfach. Auf dem Weg zum Senfle hinten im Hof kommen wir immer an diesen übervollen Olivenbäumen vorbei und selbst Bananen werden hier wohl reifen.

Entlang der Strasse hoch zum Palast ist die Olivenernte in vollem Gange. Vorsichtiges Fahren, besonders in den Kurven, empfiehlt sich sehr. Zuweilen hängen Jacken an den Ästen, statt Warnzeichen …

Dann taucht das große, alles überspannende Dach auf.

Der Palast des Nestor

In dieser Form existiert diese Ausgrabungsstätte erst seit einigen Jahren. Erst 2011 bis 2015 entstand diese elegante Überdachung. Deshalb haben wir im Mai 2005 und auch später immer nur mit dem Kopf genickt, wenn wir am Wegweiser zur »Badewanne des Nestor« vorbei fuhren.

Es sind schon wieder zu viele Besucher da, die Busse auf dem Parkplatz sprechen eine deutliche Sprache. Aber ich stehe es durch. Die Überdachung und die Präsentation sind sehr gelungen. Obwohl man alles nur von oben betrachtet (oder gerade deshalb!) ist der Eindruck sehr gut und nachhaltig.

Der erste Gang durchs Museum macht neugierig – so viel wurde hier ausgegraben. Auf eine Broschüre warten sie noch, gesteht uns die junge Frau an der Auskunft betreten. So fotografieren wir eben munter drauflos.

Erstaunlich sind die Dimensionen, die man in der heutigen Realität ganz schlecht nachempfinden kann, insbesondere wenn man dazu die digitalen Rekonstruktionen auf den Schautafeln betrachtet. Jeden Mauerrest am Boden lässt man dann in Gedanken wachsen, wenn man über die Brücken geht und nach unten blickt.

Die Badewanne …

… ist ein besonderes Stück, wohl zu Anfang der Ausgrabungen das highlight des Palastes, denn sie war, wie schon erwähnt, auf den Wegweisern jahrelang der einzige Hinweis.

Wir traben hinter einer Führung her, Franzosen oder Belgier wohl, immer in einem Abstand, so dass Aufnahmen möglich werden. Nachzügler, die dasselbe denken, hindern.

Nach einem letzen Blick auf die Bucht von Pylos/Navarino (so geht’s vielleicht) und das Hinterland voller Oliven fahren wir zurück zum Hotel.

Die Mittagszeit bis zum Nachmittag verbringen wird am Strand und mit schlechtem Internet.

Am späteren Nachmittag machen wir uns auf zur osmanischen Festung von Pylos, wo wir auch eine hervorragend aufgemachte Ausstellung vorfinden.

Google-Bilder

(Fortsetzung in 7. Tag: Gialova – Pylos, Teil 2)

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* Rund Europa 2017 (Oktober), 6. Tag: Archaia Pisa-Pylos

Montag, 16.10.2017, 19:27:41 :: Gialova/Pylos, Hotel Resort Zoe

Gestern Abend hole ich mir die letzten Nachrichten. Erleichtert bin ich nicht: In Niedersachsen hat die SPD die Stellung gehalten, die CDU leicht verloren. Und in Österreich sind die Rechten endgültig auf dem Vormarsch. Schönes Europa. Die ganze ehemalige k.u.k.-Ecke scheint sich gegen Brüssel im nationalen Separatismus einzuigeln.

Aber nicht deshalb habe ich die Nacht schlecht geschlafen. Als wir dann so gegen halb zehn in Archaia Pisa viel zu spät loskommen und uns nach Olympia hinunter zu begeben habe ich schon so eine Ahnung…

Und als ich dann auf den Parkplatz fahre, die Busse und die Menschenmassen sehe, da bin ich mir schnell sicher, dass ich heute wieder an diesem Kelch, ein viertes oder fünftes Mal, vorbei gehe, Kultur und Interesse an Altertümern hin oder her.

Und so gebe ich Gas. Wir grüssen noch schnell zurück, als eine Busladung Schwaben mit Hallo an uns vorbei zieht – sie seien aus Stuttgart, wir sollen Ludwigsburg grüssen – und fahren durch die wasser- und seenreiche Ebene gemütlich hoch in die Berge, am Hang der kommenden Bergrücken nach Süden. Das Sträußchen ist gesäumt von Olivenbäume, deren Äste tief herabhängen, schwer tragen sie an den reichlich reifenden Oliven. Es ist eine kleine Sorte, denn zuweilen wird schon geerntet.

Der Palast des Nestor ist das nächste Ziel auf dem Weg nach Pylos.

Im Bergdorf Mouzaki machen wir nach einer teils halsbrecherischen Fahrt auf geröllfeldartigen Strassenabschnitten halt für einen Kaffee.

Die Taverne führt eine blutjunge Mutter, hübsch aber sicher hier nicht glücklich mit ihrem ca. zweijährige Blondschöpfchen, auf das weniger die Mutter als die Gäste aufpassen…

Einer der Männer am Nebentisch erkundigt sich nach einiger Zeit wie üblich danach, woher wir kommen.

Naxos, antworte ich. Kennt er offenbar nicht, er murmelt was von »Epiroti«, was nahelegt, dass er Naxos in Nordgriechenland verortet. Sein Mitsitzer am Tisch, aus seiner Mimik und dem verständnisvollen Wiederholen des Wortes »Naxos« zu schliessen, hingegen schon. Ja, unsere griechischen Inselfreunde mögen schon recht haben: Wir kennen ihr Land oft besser als sie selbst.

Der Palast ist heute geschlossen

Als wir auf den Parkplatz unseres archäologischen Ziels rollen, ahne ich es schon: Der Palast ist eines jener Altertümer, die nicht so häufig besucht werden wie Olympia: Montag ist Ruhetag; »Δευτέρα« sagt der Arbeiter nur, der aus dem Gelänge kommend das Tor wieder hinter sich schliesst und nur die Schultern zuckt. Einen weiteren Reinfall ertrage ich heute nicht mehr. Wir suchen jetzt eine angenehme Bleibe, obwohl es erst kurz nach zwölf ist.

An der Nordseite der Buch von Pylos in Gialova finden wir direkt am Strand das Hotel Resort Zoe, das wir mit Emphase empfehlen können. Lis nimmt hier direkt ein Apartment mit zwei getrennten Zimmern. So ist die Nachruhe beider gesichert.


Wir kommen uns vor wie auf La Palma

Der Strand ist wie gesagt vor der Tür, ein grosses Schwimmbecken auf dem Gelände, ebenso ein sehr gepflegtes Restaurant. Alles perfekt. Morgen werden wir Nestors Palast nachholen und uns Pylos ansehen. Vor exakt 190 Jahren, genau am 20. Oktober 1827, fand in der Bucht vor uns,

wo wir hier am Strand liegen und die Beine nach Süden strecken, die entscheidende Schlacht von Navarino statt, nicht zu verwechseln mit der Seeschlacht von Lepanto. Die war 16.. weiter nördlich in der Bucht vor Patras beim heutigen Nafplio. Die extrem verlustreiche Schlacht hier in der Bucht bedeutete das Ende der osmanischen Herrschaft in Griechenland und machte klar, wer fürderhin in Griechenland das Sagen haben würde: Gross Britannien, Frankreich und Russland.

Auch Deutschland beziehungsweise Bayern wurde früher Nutzniesser:

Mit der ägyptisch-türkischen Flotte war eine große Anzahl bronzener Kanonen untergegangen. Ein Großteil davon wurde unter dem griechischen König Otto gehoben und als Recyclingmaterial in Europa verkauft, wobei etliche davon nach Bayern gelangten und für den Guss des Obelisken am Karolinenplatz in München, der Bavaria und der Tilly-Statue in der Feldherrnhalle verwendet wurden.

Wikipedia

Tauchen mit Atemgerät ist auch heute noch bei schwerer Strafe verboten – die gesunkene türkisch-ägyptische Flotte liegt noch immer da unten am Grund.

Wir geniessen indes den Abend.

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