* Rund Europa 2017 (Oktober), 9. Tag: Messene – Gythio (2)

Donnerstag, 19.10.2017, 19:48:39 :: Gythio, Hotel Aktaion
Mittwoch, 28.02.2018, 11:36:54 :: Galanado

Teil 1: Das Antike Messene

Nun also erst einmal Frühstück. Unser Lokal ist leer. Das sind wir gewohnt. Und das Frühstück ist reichlich und lecker. Das sind wir eher nicht gewohnt.

Jedenfalls geniessen wir noch einmal die Aussicht auf Messene und machen uns dann auf den Weg nach Gythio.

Der Weg führt uns zunächst nach Süden nach Messini, der Neuausgabe von Messene, vorbei am Flughafen nach Kalamata.

Die umtriebige Stadt durchqueren zügig und verlassen sie auf der Küstenstrasse ebenso …

… hinunter auf die Mani.

Auf der Mani

Nun geht es auf die Mani. Anfang Juni 2011 waren wir ab Kalamata dieselbe Strecke, allerdings bis zur Südspitze gefahren, dem südlichsten Festland-Punkt Europas; die Südspitze liegt übrigens südlicher als Tunis in Nordafrika – würde man nicht denken, oder? In diesem Beitrag gibt’s also mehr zur Mani.

Bis Agios Nikolaos geht es mit einer Ausnahme mehr oder weniger am Meer entlang. Agios Nikolaos hat nur insofern eine Bedeutung, als das der südlichste Punkt war, bis zu dem sich Lis vor vielen Jahren von Kalamata aus alleine vorgewagt hatte.

Und dann fahren wir auch noch fast vorbei, setzen uns aber etwas ausserhalb für eine Cola doch noch an den Strand – Gedenken muss sein. Dann geht es hoch in die Berge, vorbei an den vielen kleinen, zähen Olivenbäume, die hier zwischen den Felsen wurzeln.

Ziel ist nun erstmal die Morea-Ölmühle in der kleinen Siedlung nach Thalames, wo wir 2011 dieses köstliche frische Tropföl erworben hatten. Wir sind gespannt, was wir vorfinden werden.

Kein Öl

Und wir werden enttäuscht: Die Regale sind fast leer. Der umtriebige junge Mann hinter der Theke will uns einen Vortrag über die Vorzüge des Morea-Öls halten, wir winken ab. Was er denn noch da hat? Nichts für uns, die diesjährige Ernte hängt noch auf den Bäumen, im November vielleicht, im Dezember aber sicher wird es neues Tropföl geben. Die Mani ist rau, irgendwie erinnert sie mich immer an die Schwäbische Alb. Vielleicht kommen auch deshalb die Betreiber aus Ulm …

So lange können wir jedenfalls nicht warten. Nun also auf nach Itylo.

Nach einer längeren Strecke durch die Berge kommt man wieder ans Meer: Der erste Kontakt von oben wird mit einem grossartigen Blick hinab in die Bucht belohnt.

Gegenüber von Itylo am Steilhang liegt das Kastro Kalefás, eine Anlage mit fast vollständiger Mauer und Türmen. Sie wurde 1679 von den Ottomanen erbaut und abwechselnd von den Manioten und den Venezianern erobert und von den Osmanen zurück erobert.


By Vincenzo Coronellihttp://el.travelogues.gr/collection.php?view=351, Public Domain, Link

Die lassen wir uns fürs nächste mal …

1821 zog Petros Mavromichalis mit den vereinigten Clans der Mani in den Krieg gegen die Türken; der griechische Befreiungskampf startete nach anfänglichen und missglückten Versuchen im Norden Griechenlands letztendlich hier auf der Mani.

Unten bei Neo Itylo umfährt man sie und kommt zu einem Kleinod, das durch umfangreiche Restaurierung zu neuem Leben erwacht: Limeni, ein kleiner Fischerort, den wir schon im Mai empfohlen bekamen (und wo wir köstlich gespeist haben) und jetzt von der anderen Seite der Bucht nochmals inspizieren.

Dort steht auch der Pirgos Mavromichali, der bewehrte Wohnsitz der berühmten Familie Mavromichalis, etwas oberhalb am Hang. Heute ist er ein exquisit restauriertes Gebäude, in dem ein 4-Sterne-Hotel untergebracht ist.

Eine Städterundfahrt ist das hier nicht, alle Orte hier haben so um die fünfzig und weniger Einwohner. Aber geschichtsträchtig sind sie allemal. Endgültig geht es nun ins karge, wilde, fast leere Innere der Mani und hinüber nach Gythio, wir schneiden also den Südteil der Mani ab und fahren durch sanftes Gebirge hinüber an die Ostküste der Mani.

Buchempfehlung

Sommer 1952. Als Patrick Leigh Fermor 37-jährig über das Taygetos-Gebirge in das bitterschöne Land der Manioten bis an den südlichsten Zipfel der Peloponnes wandert, ist er in seiner Heimat bereits ein Kultautor.

„Es gibt kaum einen Fels oder Bach, zu dem es keine Schlacht und keinen Mythos gibt, kein Wunder, keinen Aberglauben, keine Geschichte … Meine Streifzüge durch Griechenland gelten den entlegensten Landstrichen, denn dort findet man, wonach ich suche.“

Gerade in der rauen, vom übrigen Griechenland durch den Taygetos abgeschnittenen Mani wittert Fermor Lebensformen und Bräuche, die direkt aus dem untergegangenen Byzanz oder dem mythischen Altertum zu kommen scheinen. So findet sich in der aus dem Stegreif gesungenen Totenklage, wenn die Sängerin sich die Haare rauft, Andromaches Trauer um Hektor wieder.

Patrick Leigh Fermor: Mani

Gythio

Das Städtchen ist langsam ein fester Standort für uns. Um diese Jahreszeit ist vom Tourismus nichts zu spüren, wir sind froh, dass wir noch draussen sitzen können und was zu trinken und vor allem zu essen bekommen.

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* Rund Europa 2017 (Oktober), 9. Tag: Das Antike Messene (1)


Das wiedererstandene Amphitheater, Blick bis zum Meer

Donnerstag, 19.10.2017, 19:48:39 :: Gythio, Hotel Aktaion
Sonntag, 04.02.2018, 15:30:28 :: Galanado
Freitag, 23.02.2018, 18:52:30 :: Galanado
Mittwoch, 28.02.2018, 00:21:35 :: Galanado

Unser Rundgang heute Morgen

Kurz vor neun Uhr sind wir auf dem Gelände. Ohne Frühstück, wohlgemerkt. Als Rentner zahlen wir die Hälfte, also 3€ jeder. Eigentlich könnte ich jetzt auf den Tag im Mai verweisen, ziemlich genau vor fünf Monaten. Da fanden wir uns hier noch früher ein, hatten Frühlingslicht, alles war grüner. Aber darüber ein anderes Mal, wenn ich den Frühling aufarbeite …

Im Gegensatz zu damals, als alles neu und irgendwie unfassbar war, weiss ich heute morgen, worauf ich mich konzentrieren möchte. Ich kann mich aber in diesem Gelände, trotz dieser Vielfalt an Eindrücken und Einzelheiten, nicht länger als zwei Stunden aufhalten, ohne Schatten – und ohne Frühstück. Also los.

Messene, ich hatte das schon erwähnt, ist für mich vielleicht die beeindruckendste Ausgrabung, auf der Peloponnes, wenn nich gar insgesamt. Ich möchte natürlich Mykene, Korinth etc., all den Stätten, die wir mittlerweile besucht haben, ihre Bedeutung und Schönheit nicht absprechen. Aber alleine die Lage hier …

Ich werde jetzt nicht jeden Stein, jede Säule und alle Gebäude aufführen und erklären, es folgen einfach Eindrücke mit mehr oder weniger mageren Erklärungen. Ich kann nur allen empfehlen sich hier ein, zwei Tage aufzuhalten.

Die Stadtanlage wurde 369 v. Chr. hier gewissermassen aus dem Boden gestampft. Eile war geboten, denn Messenien war den Spartanern vom thebanischen Feldherrn Epameinondas einfach weggenommen worden. Die Spartaner waren also sicher stocksauer und wollten sich den Landesteil bis zum Meer wieder zurück erobern, hatten sie doch im Peloponnesische Krieg 35 Jahren zuvor (431 v. Chr. bis 404 v. Chr.) Athen und den Attischen Seebund erfolgreich geschlagen. Und jetzt das.

Wo die Menschenmassen herkamen, die eine Akropolis mit Fluchtburg auf dem Ithomi, neun Kilometer Stadtmauer aus Riesenquadern und nicht, wie so häufig, aus Ziegeln hochgezogen, Häuser, Tempel und all das, was wie heute bestaunen, fertig stellten – keine Ahnung. Es werden wohl Sklaven gewesen sein, Bauern aus anderen Landesteilen, denen man Schutz vor Sparta versprach. Es gibt eine Quelle, die behauptet, die Festungsmauer sei in 85 Tagen hochgezogen worden. Aber das ist mit Sicherheit eine antike Ente.

Griechen, Römer und die Byzantiner haben sich hier wohl gefühlt. Davon zeugen einige Bauten, so auch eine byzantinische Kirche.

Nach nur ca. 770 Jahren begann dann schon der Abstieg und das Ende der Geschichte Messeniens und damit auch der Stadt: Um 395 n. Chr. fielen die Ostgoten marodierend über die Peloponnes her. Ab 600 n. Chr. kamen darüber hinaus slawische Stämme bis herunter in die Finger, wovon bis heute noch slawische Ortsnamen zeugen. Spätestens jetzt war also Schicht im Schacht. Und die Frage nach dem lupenreinen Griechentum stellt sich auch hier wieder, wenn man an die Diskussion über den Namen des derzeit von den Griechen hartnäckig FYROM genannten Mazedoniens denkt.

Nun also Bilder vom Herbst

Beginnen wir im Brunnen- und Marktbereich. Hier war ein Heiligtum, Brunnenanlagen, Bäder und eine Einkaufsmeile.


Hier wurde wohl sauniert …


… und hier wohl Getreide und Hülsenfrüchte abgemessen und verkauft

Wenden wir uns nun nach Süden, dann finden wir neben dem Asklepeion die Schatzkammer beziehungsweise das Gefängnis, in dem zu schmachten einem die Schönheit der Landschaft hier nicht näher gebracht hat. Auch an Flucht war nicht zu denken, der Deckel wiegt 1,5 Tonnen.


Eine ältere Aufnahme des Bereichs (Schautafel)

Zweifellos ist das Stadion, das langsam aber stetig wieder ersteht, der attraktivste Bereich.

Das Amphitheater

Noch ist nicht alles ausgegraben!

An einer Stelle wo wir noch im Frühjahr achtlos vorbei gegangen sind (teils wohl auch der Hitze geschuldet …) wird ein Heiligtum von Isis und Serapis freigelegt, ein Kult, der aus Ägypten hierher gelangte.

Wir wollen in ein paar Jahren noch einmal nachsehen, was noch alles hier wiederaufersteht.

Alle weiteren Fotos finden sich in der Galerie am Ende des Beitrags und im kommenden Beitrag vom Mai, den ich dann hier auch verlinke.

Ein kleiner Höhepunkt am Schluss

Als wir langsam Richtung Ausgang schlendern fällt und ein Menschengetümmel dort auf, Polizei, Herrn im Anzug und Sonnenbrillen. Einer spricht uns an: Ob es uns gefalle hier, woher und wohin. Lis stellt die Gegenfragen: Was hier los sei? Das sei der kirchliche Oberhirte aus Athen, der Erzbischof der Kirche neben unserem Lieblingscafé in Athen. Ja, und da fährt er dann an uns vorbei in seinem »Papamobil«, begleitet und bewacht von kirchlichem und weltlichem Personal.

Diejenigen, die nicht gebraucht werden, sind froh und ziehen sich in den Schatten zurück. Denn es ist auch im Oktober noch mehr oder weniger angenehm warm, je nachdem, was man an hat.

Der Parkplatz draussen steht voller Polizeiautos und die Mannschaften suchen sich schattigen Plätzchen unter den paar Bäumen dort.

Und wir fahren jetzt erst einmal frühstücken; das Museum, an dem wir vorbei fahren, hatten wir im Mai.

Teil 2: Mavrommati – Gythio

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* Rund Europa 2017 (Oktober), 8. Tag: Pylos – Messene (Mavrommati)

Mittwoch, 18.10.2017, 16:24:57 :: Mavrommati/Ithome (Alt Messene), Rooms Lykourgos
Samstag, 03.02.2018, 14:47:46 :: Galanado

Eigentlich wollen wir hier nicht weg. Es ist wirklich sehr schön und gemütlich hier und zu sehen gäbe es noch viel, nicht nur das Spektakel am 20. Oktober in Pylos: Der Nord- und Nordostrand der Bucht von Navarino bietet neben alten Festungen und einer Höhle auch die Traumbucht

Ormos Voidokilia

Sie heisst übersetzt Ochsenbauchbucht, was ihrer kreisrunden Form geschuldet ist.

Zunächst fahren wir am Campingplatz vorbei, auf dem wir im Mai 2005 mit meiner Nichte und ihrer Ehepartnerin sassen. Sie waren auf dem Weg nach Finikunda, wo wir dann gemeinsam zwei Tage verbrachten – zwölf Jahre ist das her!

Mai 2005: Gemütliches Zusammensitzen und Blick auf Pylos

Das Sträßchen, das gegen Ende als Sandweg endet, führt im ersten Teil der Exkursion auf der schmalen Landzunge zwischen Bucht im Süden und Lagune im Norden nach Westen.

Da ist aber dann bald Schluss für’s Senfle, das war uns klar. Also zurück und um die Lagune herum zur wahren Traumbucht.

Quelle: peloponnes-urlaub.de

Das Denkmal für in der Schlacht von Navarino gefallene englische Matrosen steht auf dieser (der kleinsten) Insel Chelonaki (kleine Schildkröte), die mitten in der Bucht liegt und die ich bei der Rückfahrt gerade noch erhascht habe.

Die Traumbucht …

… erreichen wir dann nach einem grossen Bogen um die Lagune und einem wenige hundert Meter langen »Fussmarsch«.

Hier gönnen wir uns dann auch ein Bad, man kann einfach nicht widerstehen. Der Ausgang der Bucht wird zu beiden Seiten von mehr oder weniger gut erhaltenen Festungen auf den Hügeln bewacht.

Das fränkische Kastell (Palaiókastro)

Sie und die Höhle des Nestor sparen wir uns auf – vielleicht ein anderes Mal; wir sind ja erst zum zweiten Mal hier …

Auf dem Rückweg zum Senfle kommen uns zwei junge Frauen entgegen, die uns anlachen und direkt ansprechen: Ob uns der gelbe Twingo gehören würde, der ein paar hundert Meter weiter hinter dem Hügel steht?

– Ja, wieso?

Ja, der wäre doch auf Naxos gestanden, dort hätten sie ihn vor ein paar Tagen gesehen …

So viel zur Bekanntheit unseres Senfle.

Durch die Berge

Wir fahren nun den Rest des Tages durch eine liebliche Berglandschaft, fast ausnahmslos den ganzen Tag durch Olivenhaine. Endpunkt am Abend wird der kleine Ort Mavrommati, oberhalb der antiken Kultstätte von Messene sein. Es wird unterwegs nichts zu besichtigen geben. Meinen wir. Ein reine Fahrt durch »Wald und Feld«.

Zunächst müssen wir wieder die Strecke von gestern nehmen, vorbei am Palast des Nestor hinauf nach Chora, wieder vorbei an den Olivenbauern, die ihre reiche Olivenernte von den Bäumen holen. Erst weiter oben sind die Oliven noch nicht so weit. Was doch hundert, zweihundert Meter ausmachen.

Selbstverständlich treffen wir auch hier auf Gedenkkirchlein am Strassenrand und kleine Orte, wo wir uns immer fragen, wie die Menschen hier ihr Auskommen finden.

Milioti, einer der kleinen Orte auf dem Weg nach Aristomenis

Das sind die Transportmittel für’s Grosse in Aristomenis

Auch kleinste Kirchen tragen einen Namen

Ein mykenisches Tolosgrab im Olivenhain

Kurz hinter Aristomenis fordert uns ein Schild eine unerwartete Entscheidung ab. Sollen wir da hin? Natürlich »sollen« wir und so biegen wir ab und holpern auf der Sandpiste den Schildern nach, natürlich links und rechts Olivenbäume.

Und dann sehen wir es vor uns, kauernd und nichtsagend unter einem Schutzdach, leergeräumt aber eben ein alten antikes Grab, mitten unter Oliven. Hier fand ganz sicher kein König seine letzte Ruhe.

Das Tholosgrab von Aristomenis

Wie sahen dagegen die »grossen Brüder« in Mykene und Tyrins aus!

Tholosgräber von Mykene und Tyrins

Oben und links unten: Mykene, unten Mitte und rechts Tyrins

Diodia

Diodia, einer der vielen klein Orte auf dem Weg

Politisches Hauen und Stechen – mit Worten

In Sterna, südöstlich von Aristomenis, machen wir halt für einen Eleniko. An den Nebentischen links und rechts und über unsere Köpfe hinweg wird hart diskutiert, es geht natürlich um die gaaanz grosse Politik – Nea Dimokratia, PASOK, natürlich SYRIZA und nicht zuletzt Papandreou, der in den letzten Tagen ausgezeichnet wurde – alles fliegt durch die Luft. Und wir dazwischen mit unserem Kaffee.

Blick weg von den Streitendenden, auf die ich lieber nicht die Linse richte

Die zur Unkenntlichkeit geschrumpfte PASOK und ihr einstiger Boss werden wieder hofiert, ebenso natürlich die ND, die den Anspruch erhebt, spätestens bei den nächsten Wahlen in Griechenland wieder die Geschäfte zu übernehmen – wie sehr sich die Geschicke der politischen Parteien doch überall gleichen …

Es geht, wie gesagt, hoch her, sehr laut und unter heftigem Gestikulieren. Ein Diskutant kann gut Englisch und fragt nach, woher wir kommen (Deutschland, aber jetzt Naxos), nickt anerkennend und entschuldigt sich – auch für die anderen. Wir erklären ihm, dass wir schon so weit verstehen, worum es geht. Der Dorffrieden scheint für den Moment wiederhergestellt, deshalb hält er uns einen fortführenden Vortrag: Auch in Deutschland gäbe es Armut, er höre und sehe viel Nachrichten, er wisse Bescheid. Aber grundsätzlich lässt er auf Deutschland nichts kommen.

Doch dann kommt der Bus und kann nicht um die Ecke biegen, das Senfle steht zu weit in der Kurve. Ich parke um, in die Nebenstrasse, alles in aller Ruhe, ohne Gehupe – griechisch eben.

Und am Ende zahlt ein anderer Diskutant unseren Kaffee …

High Tech und Oliven

Beim kleinen Dorf Trikorfo treffen wir auf ländlichen Zerfall, beste Solartechnik, auf Unmengen leckerer Oliven und natürlich auf ein Wegkirchlein.

Diesen riesigen Olivenbaum haben wir besonders bewundert. Ich kann mich keine grösseren erinnern.

Messene und Mavrommati

Als wäre heute nicht schon genügend passiert, kommt nun am Nachmittag zweifellos der Höhepunkt des Tages. Also, nicht überraschend. Wir sind ja deshalb hierher gefahren, weil wir wussten, was uns erwartet. Im Mai waren wir bereits hier in Messene, der Bericht darüber ist noch gar nicht geschrieben.

Das antike Messene ist für mich bisher der Superlativ der antiken Stätten auf der Peloponnes, weshalb ich mich mit diesem Ort intensiver beschäftigt habe.

Mavrommati liegt gleich oberhalb von Alt-Messene. Dort gibt es Bett und Futter für uns und alle Archäologen und am Abend herrliche Ausblicke. Aber ich greife schon wieder vor, weiss aber ehrlich sowieso nicht wo anfangen. Also der Reihe nach.

Die Festungsmauer

In der Bildmitte zieht die Festungsmauer

Hier etwas mehr aus der Nähe

Es beginnt also mit dem ersten Blick auf das lange Stück der alten Stadtmauer von Messene. Sie ist ca. 9 km lang, grosse Teile sind noch sehr gut erhalten, vieles mittlerweile auch erforscht, vermessen und beschrieben, kurz: Diese Stadtmauer gilt in der Fachwelt als eine der bedeutendsten Festungswerke der Antike überhaupt. Lassen wir also die Forscher selbst sprechen:

Die Befestigungsmauer der Stadt Messene, 369 v. Chr. auf thebanische Initiative als Hauptstadt des von Sparta befreiten Messenien gegründet, stellt aufgrund ihres exzellenten Erhaltungszustandes das imposanteste Bauwerk der Stadt dar. Durch ein Projekt der Freien Universität Berlin in Kooperation mit der TU Berlin, der RWTH Aachen und dem CNRS Frankreich wird nun eine umfassende Dokumentation und Auswertung des Monumentes selbst, unterstützender Befestigungswerke in der direkten Umgebung sowie der verwendeten Materialien und Steinbrüche vorgenommen. Die Stadtmauer Messenes erweist sich dabei zwar in Form und Technik nicht als in allen Partien einheitliches, aber dennoch als ein direkt nach der Stadtgründung in einem Zuge errichtetes Monument, bei dessen Bau sowohl ökonomische Prinzipien als auch starke repräsentative Absichten erkennbar sind. So ist die Stadtmauer nicht nur als höchst effizienter Wehrbau zu verstehen, der – als Antwort auf die Bedrohung vor allem durch Sparta – nach den neuesten Erkenntnissen der Fortifikatorik errichtet wurde, sondern auch als Symbol einer neu gewonnenen messenischen Identität.
[…]
Die rund 9 km lange Stadtmauer Messenes umfasst ein Gebiet von ungefähr 290 ha. Sie schließt den Gipfel des Berges Ithome mit ein, der zu einer eigenen Ringfestung ausgebaut ist. Über einen nordwestlichen Berggrat des Ithome verläuft sie zu einer kleinen Senke im Norden der Stadt hinab und zieht sich danach im Norden und Westen über die Gipfel und Grate der nächstgelegenen höheren Hügel (Abb. 3), bis sie am südwestlichsten Hügel zunächst nach Osten, dann nach Nordosten zum Stadion Messenes hin umbiegt. Hier wie im gesamten südlichen Verlauf orientiert sich der Mauerverlauf am nördlichen Rand einer kleinen Schlucht und steigt im Südosten zum sog. Lakonischen Tor bergan, das im Sattel zwischen dem Ithome und dem Nachbarberg Eua (heute Agios Vasilios) liegt. Südlich dieses Lakonischen Tores ist ein kleiner Bergrücken noch einmal gesondert befestigt. Vom Tor an steigt die Mauer dann entlang des südöstlichen Grates den Ithome empor. Auf diese Weise hat man offensichtlich die bestmögliche Verteidigungslinie um die Stadt gewählt.

Silke Müth: Fortifikationskunst und Repräsentation an der Stadtmauer von Messene[1]

Im Vorgrund quer verlaufend das grosse Mauerstück, im Hintergrund an der Gabelung das Arkadische Tor

Eingezeichnet ist hier grob der Verlauf der Festungsmauer, 9 km lang

Wie aber ist unser direkter Eindruck?

Knapp 2.400 Jahre liegen zwischen dem Bau dieser Mauer und dem heutigen Anblick. Beeindruckend, wie in wohl sehr kurzer Zeit die gewaltigen Steine gebrochen, bearbeitet, transportiert und aufeinander gesetzt wurden.

Aber die Geschichte müsst ihr anderswo nachlesen.

Das Arkadische Tor

Wir fahren zunächst die paar hundert Meter weiter zum Arkadischen Tor, das am besten erhalten ist und auch als eine der Kulissen für jährliche kulturelle Feste hier in Alt Messene dient.

Quelle: Webseite Messana Hotel

Man muss sich immer wieder in Erinnerung rufen, dass hier in Messene immer noch gegraben, begutachtet und restauriert wird; die w.o. im zitierten Artikel geschilderten Arbeiten stammen aus 2004-2010.

Es reicht jetzt. Die grosse archäologische Schau in Wiederholung und mit einer besonderen Überraschung, die kommt erst morgen früh. Wir fahren hinunter nach Mavrommati. Unsere Hotel hat geschlossen, so ziehen wir eben nebenan ein, 45€ o.Fr.

Das Abendessen nehmen wir in derselben Kneipe wie im Mai ein, 40€ mit eingelegten Feigen und anderen Extras. Sie machen aber morgens erst gegen 10 Uhr auf, also kein Frühstück 🙁

Und unten, zwischen den Zypressen …

… und Oliven liegt das alte Messene

Links:

[1] Neue Forschungen zu antiken Stadtbefestigungen im östlichen Mittelmeerraum und im Vorderen Orient
Konstruktion – Funktion – Semantik
Herausgegeben von
Janet Lorentzen, Felix Pirson, Peter Schneider und Ulrike Wulf-Rheidt
BYZAS 10
Veröffentlichungen des Deutschen Archäologischen Instituts Istanbul
© 2010 Ege Yayınları ISBN 978-605-5607-05-0

Google-Fotos

Google Fotos: Gialova – Voidokilia


 

 

Google Fotos: Gialova – Messene

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* Rund Europa 2017 (Oktober), 7. Tag: Gialova – Nestor – Pylos (2)

Dienstag, 17.10.2017, 22:13:13 :: Zoë Resort
Sonntag, 28.01.2018, 22:39:29 :: Galanado
Montag, 29.01.2018, 23:03:16 :: Galanado

Zurück zu Teil 1: Gialova – Nestorpalast

Vorbemerkung: Ich bin verschiedentlich wieder darauf angesprochen worden, dass die Fotos so lange brauchen, bis sie geladen sind. Das ist normal. Ich stelle die Bilder in einer Qualität zur Verfügung, die auf allen Geräten bestmögliche Qualität liefert, auch zum Beispiel auf iPads mit Retinadisplay. Das hat seinen Preis. Und der heisst Zeit. Bei der Gelegenheit auch wieder der Hinweis, dass ein Klick auf ein Bild es vergrössert anzeigt. Auch eine automatische Diaschau ist dann möglich.

Viel Spass!

*


Im Hintergrund die Bucht von Pylos

Bei diesem Blick über die friedliche Bucht von Pylos denkt man nicht an Krieg. Aber es ist auch die Bucht von Navarino


Ein seltenes Exemplar: Dreifache Wegkirche (Ikonostase, Proskinitaria)

Als wir uns am Nachmittag aufmachen nach Pylos und zur Festung, dann sind sie da: Die Gedanken, die um die Schlacht kreisen: In dieser Bucht drängten sich die Segler, voller Kanonen, Kugel und Schiesspulver, um sich gegenseitig auf dem Grund der Bucht zu versenken.


Quelle für beide Bilder: Wikipedia

In drei Tagen feiert man das Ereignis zum 190. mal: Die Seeschlacht fand am 20. Oktober 1827 in dieser Bucht statt. Grossbritanien, Frankreich und Russland besiegten die Osmanisch-ägyptische Flotte und entsprechend geschmückt ist die Stadt bereits, als wir durchfahren zur Festung, der unser Interesse gilt.

Die Wimpel und Fahnen sind natürlich die der Beteiligten – Griechenland hat sich da etwas dazwischen geschmuggelt – aber welche ist welche? Hier eine kleine Hilfe. Na?

Russland ist die untere. Wer hat’s gewusst?

Wir überlegen, ob wir noch drei Tage hier bleiben sollen, um die Feier zu erleben, lassen es aber sein. Griechenland selbst ist gar nicht erpicht darauf, diesen Tag zu feiern, obwohl wahrscheinlich der griechische Freiheitskampf (1821-1837) durch diese Schlacht erst erfolgreich war.

Deshalb hier ein paar Links:

Und was von YouTube:

 

 

Die Schlacht von Navarino war die letzte große Seeschlacht ausschließlich mit Segelschiffen. Sie brachte für Griechenland die endgültige Freiheit vom Osmanischen Reich – und einen Bayrischen König. Und das Bier, nicht zu vergessen.

Neben Gefallenen und Wracks lagen eine Menge Kanonen am Grund, der griechische König liess sie zum Teil heben:

Mit der ägyptisch-türkischen Flotte war eine große Anzahl bronzener Kanonen untergegangen. Ein Großteil davon wurde unter dem griechischen König Otto gehoben und als Recyclingmaterial in Europa verkauft, wobei etliche davon nach Bayern gelangten und für den Guss des Obelisken am Karolinenplatz in München, der Bavaria und der Tilly-Statue in der Feldherrnhalle verwendet wurden.

Wikipedia

Das Neo Kastro

Neo Kastro, erbaut von den Osmanen 1573 auf dem südliche Hügel vor der Stadt mit einer herrlichen Aussicht auf den Ausgang der Bucht …

…wirkt verlassen, als wir vor dem Eingang parken. Und so ist es auch – wir sind die Einzigen, ausser dem Wachpersonal im Museum. Das finden wir ja selten bei derartigen Stätten und können daraus eigentlich nur schliessen, dass es nicht sonderlich interessant oder gar wichtig ist.

Im weiten Gelände steht nach einigem verrostetem Kriegsgeschirr die Moschee, die nach der Vertreibung der Osmanen in eine orthodoxe Kirche verwandelt wurde. Man trifft das ja sehr häufig und es erinnert mich an die hochgotische Moschee im türkischen Teil von Nikosia auf Zypern: Dieses Hin und Her der Religionsfanatiker. Egoman, wie ich den derzeitigen türkischen Alleinherrscher nur nenne, möchte ja wohl auch die Hagia Sophia in Konstantinopel (so nennen die Griechen diese Stadt, die derzeit ja Istanbul heisst) als Moschee reaktivieren; es lohnt, den Wikipediaartikel zu lesen, um den Wahn des Hin und Hers zu begreifen.

Weiter oben am Berg dann die eigentliche Zitadelle.

Im Archäologischen Museum, das sehr neu, modern und auch sachlich pädagogisch – für uns zunächst erstaunlich – auf dem neuesten Stand ist, finden wir Schönes und Wunderschönes.

Ein weiteres Museum auf dem Gelände und die Freilichtaustellung beschäftigt sich ausschliesslich mit »Unter-Wasser-Archäologie« und widmet sich den Schiffswracks, Amphoren etc.

Bei Sonnenuntergang verlassen wir die Festung und denken an die letzten Bilder im Museum und darauf dass wir das morgen früh in natura sehen werden.

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* Rund Europa 2017 (Oktober), 7. Tag: Gialova – Nestor – Pylos (1)

Dienstag, 17.10.2017, 22:13:13 :: Zoë Resort
Mittwoch, 22.11.2017, 16:23:33 :: Galanado
Sonntag, 28.01.2018, 22:29:33 :: Galanado

Am Morgen holen wir den Besuch im Palast des Nestor nach. Zuvor aber das Frühstück im Freien, unter den grossen Bäumen, den Blick über den Stand nach Süden über die Bucht. Soll man sie als »Bucht von Pylos« denken oder »Bucht von Navarino«?

Sich zu trennen, wieder ins Auto zu steigen, ist gar nicht so einfach. Auf dem Weg zum Senfle hinten im Hof kommen wir immer an diesen übervollen Olivenbäumen vorbei und selbst Bananen werden hier wohl reifen.

Entlang der Strasse hoch zum Palast ist die Olivenernte in vollem Gange. Vorsichtiges Fahren, besonders in den Kurven, empfiehlt sich sehr. Zuweilen hängen Jacken an den Ästen, statt Warnzeichen …

Dann taucht das große, alles überspannende Dach auf.

Der Palast des Nestor

In dieser Form existiert diese Ausgrabungsstätte erst seit einigen Jahren. Erst 2011 bis 2015 entstand diese elegante Überdachung. Deshalb haben wir im Mai 2005 und auch später immer nur mit dem Kopf genickt, wenn wir am Wegweiser zur »Badewanne des Nestor« vorbei fuhren.

Es sind schon wieder zu viele Besucher da, die Busse auf dem Parkplatz sprechen eine deutliche Sprache. Aber ich stehe es durch. Die Überdachung und die Präsentation sind sehr gelungen. Obwohl man alles nur von oben betrachtet (oder gerade deshalb!) ist der Eindruck sehr gut und nachhaltig.

Der erste Gang durchs Museum macht neugierig – so viel wurde hier ausgegraben. Auf eine Broschüre warten sie noch, gesteht uns die junge Frau an der Auskunft betreten. So fotografieren wir eben munter drauflos.

Erstaunlich sind die Dimensionen, die man in der heutigen Realität ganz schlecht nachempfinden kann, insbesondere wenn man dazu die digitalen Rekonstruktionen auf den Schautafeln betrachtet. Jeden Mauerrest am Boden lässt man dann in Gedanken wachsen, wenn man über die Brücken geht und nach unten blickt.

Die Badewanne …

… ist ein besonderes Stück, wohl zu Anfang der Ausgrabungen das highlight des Palastes, denn sie war, wie schon erwähnt, auf den Wegweisern jahrelang der einzige Hinweis.

Wir traben hinter einer Führung her, Franzosen oder Belgier wohl, immer in einem Abstand, so dass Aufnahmen möglich werden. Nachzügler, die dasselbe denken, hindern.

Nach einem letzen Blick auf die Bucht von Pylos/Navarino (so geht’s vielleicht) und das Hinterland voller Oliven fahren wir zurück zum Hotel.

Die Mittagszeit bis zum Nachmittag verbringen wird am Strand und mit schlechtem Internet.

Am späteren Nachmittag machen wir uns auf zur osmanischen Festung von Pylos, wo wir auch eine hervorragend aufgemachte Ausstellung vorfinden.

Google-Bilder

(Fortsetzung in 7. Tag: Gialova – Pylos, Teil 2)

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* Rund Europa 2017 (Oktober), 6. Tag: Archaia Pisa-Pylos

Montag, 16.10.2017, 19:27:41 :: Gialova/Pylos, Hotel Resort Zoe

Gestern Abend hole ich mir die letzten Nachrichten. Erleichtert bin ich nicht: In Niedersachsen hat die SPD die Stellung gehalten, die CDU leicht verloren. Und in Österreich sind die Rechten endgültig auf dem Vormarsch. Schönes Europa. Die ganze ehemalige k.u.k.-Ecke scheint sich gegen Brüssel im nationalen Separatismus einzuigeln.

Aber nicht deshalb habe ich die Nacht schlecht geschlafen. Als wir dann so gegen halb zehn in Archaia Pisa viel zu spät loskommen und uns nach Olympia hinunter zu begeben habe ich schon so eine Ahnung…

Und als ich dann auf den Parkplatz fahre, die Busse und die Menschenmassen sehe, da bin ich mir schnell sicher, dass ich heute wieder an diesem Kelch, ein viertes oder fünftes Mal, vorbei gehe, Kultur und Interesse an Altertümern hin oder her.

Und so gebe ich Gas. Wir grüssen noch schnell zurück, als eine Busladung Schwaben mit Hallo an uns vorbei zieht – sie seien aus Stuttgart, wir sollen Ludwigsburg grüssen – und fahren durch die wasser- und seenreiche Ebene gemütlich hoch in die Berge, am Hang der kommenden Bergrücken nach Süden. Das Sträußchen ist gesäumt von Olivenbäume, deren Äste tief herabhängen, schwer tragen sie an den reichlich reifenden Oliven. Es ist eine kleine Sorte, denn zuweilen wird schon geerntet.

Der Palast des Nestor ist das nächste Ziel auf dem Weg nach Pylos.

Im Bergdorf Mouzaki machen wir nach einer teils halsbrecherischen Fahrt auf geröllfeldartigen Strassenabschnitten halt für einen Kaffee.

Die Taverne führt eine blutjunge Mutter, hübsch aber sicher hier nicht glücklich mit ihrem ca. zweijährige Blondschöpfchen, auf das weniger die Mutter als die Gäste aufpassen…

Einer der Männer am Nebentisch erkundigt sich nach einiger Zeit wie üblich danach, woher wir kommen.

Naxos, antworte ich. Kennt er offenbar nicht, er murmelt was von »Epiroti«, was nahelegt, dass er Naxos in Nordgriechenland verortet. Sein Mitsitzer am Tisch, aus seiner Mimik und dem verständnisvollen Wiederholen des Wortes »Naxos« zu schliessen, hingegen schon. Ja, unsere griechischen Inselfreunde mögen schon recht haben: Wir kennen ihr Land oft besser als sie selbst.

Der Palast ist heute geschlossen

Als wir auf den Parkplatz unseres archäologischen Ziels rollen, ahne ich es schon: Der Palast ist eines jener Altertümer, die nicht so häufig besucht werden wie Olympia: Montag ist Ruhetag; »Δευτέρα« sagt der Arbeiter nur, der aus dem Gelänge kommend das Tor wieder hinter sich schliesst und nur die Schultern zuckt. Einen weiteren Reinfall ertrage ich heute nicht mehr. Wir suchen jetzt eine angenehme Bleibe, obwohl es erst kurz nach zwölf ist.

An der Nordseite der Buch von Pylos in Gialova finden wir direkt am Strand das Hotel Resort Zoe, das wir mit Emphase empfehlen können. Lis nimmt hier direkt ein Apartment mit zwei getrennten Zimmern. So ist die Nachruhe beider gesichert.


Wir kommen uns vor wie auf La Palma

Der Strand ist wie gesagt vor der Tür, ein grosses Schwimmbecken auf dem Gelände, ebenso ein sehr gepflegtes Restaurant. Alles perfekt. Morgen werden wir Nestors Palast nachholen und uns Pylos ansehen. Vor exakt 190 Jahren, genau am 20. Oktober 1827, fand in der Bucht vor uns,

wo wir hier am Strand liegen und die Beine nach Süden strecken, die entscheidende Schlacht von Navarino statt, nicht zu verwechseln mit der Seeschlacht von Lepanto. Die war 16.. weiter nördlich in der Bucht vor Patras beim heutigen Nafplio. Die extrem verlustreiche Schlacht hier in der Bucht bedeutete das Ende der osmanischen Herrschaft in Griechenland und machte klar, wer fürderhin in Griechenland das Sagen haben würde: Gross Britannien, Frankreich und Russland.

Auch Deutschland beziehungsweise Bayern wurde früher Nutzniesser:

Mit der ägyptisch-türkischen Flotte war eine große Anzahl bronzener Kanonen untergegangen. Ein Großteil davon wurde unter dem griechischen König Otto gehoben und als Recyclingmaterial in Europa verkauft, wobei etliche davon nach Bayern gelangten und für den Guss des Obelisken am Karolinenplatz in München, der Bavaria und der Tilly-Statue in der Feldherrnhalle verwendet wurden.

Wikipedia

Tauchen mit Atemgerät ist auch heute noch bei schwerer Strafe verboten – die gesunkene türkisch-ägyptische Flotte liegt noch immer da unten am Grund.

Wir geniessen indes den Abend.

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* Rund Europa 2017 (Oktober), 5. Tag: Tripoli – Archea Pisa

Sonntag, 15.10.2017, 22:20:22 :: Archea Pisa, Hotel Bacchus Ξενοδοχείο
Donnerstag, 16.11.2017, 22:21:39 :: Galanado

Mittwoch, 22.11.2017, 12:52:45 :: Galanado

Es ist Sonntag Morgen und ich denke, wir haben heute wieder Glück mit dem Wetter.


Blick über Tripoli aus dem Hotelfenster

Heute wollen wir uns mehr oder weniger quer nach Westen durch Arkadien schlängeln. Da ist viel Gebirge und daher sieht das auf der Karte nicht sehr direkt aus. Erreichen wollen wir Archea Pisa, oberhalb von Archea Olympia, das wir dann gleich morgen früh endlich gemeinsam besichtigen wollen.

Einwurf. Arkadien! Wem fällt da nicht Theo Lingen ein, als er »noch Prinz war in Arkadien«? Wohl eher den Älteren unter uns. Diese unglaubliche Interpretation von Theo Lingen in Orpheus in der Unterwelt von Jacques Offenbach aus dem Jahre 1978 ist es jedenfalls wert, hier auf Zuschauer zu warten.

Archea Pisa kennen und lieben wir: Wir waren dort schon einmal im Juni 2011 auf dem Weg nach Naxos. Das Hotel hat ein kleines Schwimmbecken und vom Hotel sind es dann nur ein paar Minuten hinunter zu den Trümmern. Lis hat sie vor vielen Jahren schon einmal besichtigt, gemeinsam sind wir immer wieder dran vorbei gefahren – zu voll, zu heiss. Diesmal wird es also endlich klappen, Mitte Oktober wird der Touristenansturm sich in den Grenzen halten, die ich akzeptiere.

Der Weg durch die Arkadischen Berge

Das ist eine herbstliche Fahrt, es geht auf über tausend Meter hoch. Da ist richtig Herbst, viele Bäume präsentieren sich stolz in feurigem Gelb, seltener in Rot. Aber es ist immer angenehm warm.


So sieht ein Höhen- und Geschwindigkeitsprofil aus

Langadia

Das bedeutendste Dorf auf dieser Strecke ist sicher Langadia

Lagkadia is the hometown of a number of fighters of the 1821 Greek War of Independence, such as the family of Deligiannis and Theophilopoulos.
It is also the hometown of craftsmen and builders whose reputation made it as far as Spetses, Hydra, and Ermionida, where the locals invited them to built their houses. It does not come as a surprise that these masters decorated their village with particular care and art, since at the time it was their means of advertisement.
Even today, the people of Lagkadia are reputed for their art and still make from stone-maved decorative mosaics to Byzantine roofs.

Quelle

Die Freiheitskämpfer werden hier hoch geehrt

Einschub: Während ich diesen Beitrag fertigstelle, hat sich der Aufstand der Studenten von 1973 an der Technischen Universität zum 44. mal gejährt. Warum ich das erwähne? Manolis Glezos, ebenfalls ein Freiheitskämpfer, der mit 95 Jahren immer noch unter uns lebt und aus Apiranthos auf Naxos stammt, hat die während des Aufstands ermordeten Studenten auf seine Weise geehrt: Mit zwei roten Rosen, gebeugt im strömenden Regen und doch aufrecht, mit erhobener Faust. Man schluckt unwillkürlich zwei, drei mal trocken. Authentische Persönlichkeiten sind ja rar heutzutage …


Quelle: KeepTalkingGreek

Es ist viel los hier, es ist ja Sonntag. Nicht nur sind die Dorfbewohner unterwegs und bevölkern die Strassencafés – das ist ja normal. Was die Durchgangsstrasse immer wieder kurz zur Hölle macht sind die Gruppen von Motorradfahrern, die hier einrücken oder eben nur durchknattern.

Irgendwann beruhigt sich alles wieder. Die Biker sitzen in der Stammtaverne und wir lassen uns nach längerem Bummel durch die Geschäfte und einem erheblichen Einkauf eines Teppichs und diverser Mitbringsel im open air Café nieder. Teppichknüpferei, Weberei und Pezverarbeitung sind Spezialitäten hier, selbstverständlich auch Holzverarbeitung und lokale Köstlichkeiten. Meist aber zu süss …

Neben der imposante Kirche und vielen fast schnuckeligen alten Häusern sieht man aber auch, dass vieles zerfällt, ein Phänomen, dass in allen griechischen Orten immer wieder traurige Realität ist.

Die Jungen verlassen ihre Heimat in Ermangelung einer Perspektive, das Haus der Eltern bleibt irgendwann alleine zurück. Und dann die Krise, sie sorgt für den Rest. Geschäfte, die aufgegeben wurden, sind ein trauriger Anblick in jedem Ort, selbst dort, wo der Tourismus tobt wie zum Beispiel in Delfi.

Weiterhin herbstlich und ein Genuss ist die restliche Strecke hinab nach Archea Pisa. Wir geniessen die weiten Blicke auf die nächsten Bergketten und irgendwann auch das Meer, wir überqueren Flüsse, die immer noch (oder schon wieder, denn es hat hier schon geregnet) reichlich Wasser führen, wie an vielen Orten spriesst auch hier das Alpenveilchen, überhaupt wird es wieder frühlingshafter mit dem Abstieg.

Hier der Erymanthos, Nebenfluss des Alfios und Grenzfluss zwischen den Regionen Arkadien und Elis auf der Westseite der Peloponnes, der Landschaft, in der eben dann Olympia liegt. Hier wurde ich endlich wegen des Namens fündig; einen Wikipediaartikel gibt es nicht. Am Alfion wiederum liegt Olympia.

Nach 127 km und 3 ¼ Stunden sind wir am Ziel und landen mitten in einer typisch griechischen Tauffeier, als deren Nutzniesser wir uns der heutigen Speisekarte gerne beugen. Zunächst gilt es allerdings, einen Parkplatz zu finden, damit wir unser Gepäck nicht hunderte von Metern zum Hotel tragen müssen. Aber auch das gelingt nach einigem Warten und Hin und Her.

Archea Pisa

Nach dem Bezug unseres grossen Dreibettzimmers und einem genussreichen Bad im Schwimmbecken direkt neben der lärmenden und plappernden Taufgemeinde, die aber mittlerweile schon beginnt, aufzubrechen …

… widmen wir uns dem Spanferkel, das uns reichlich auf den Tisch gestellt wird. Das ist keine Nouvelle Cuisine mit einem Tropfen Balsamico am Tellerrand sondern deftigste und unheimlich schmackhafte griechische Kost.

So kann der Abend kommen, der mit Bilderordnen und Vorbereitungen für morgen früh wieder viel zu schnell vergeht. Aber Olympia kann jedenfalls kommen.


Quelle: Wikipedia

Links:

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* Rund Europa 2017 (Oktober), 4. Tag: Tripoli

Samstag, 14.10.2017, 15:24:41 :: Tripoli, Hotel Arkadia

Das opulente Frühstücksbüfet hat uns heute früh weniger beschäftigt als die Frage, ob wir heute am Samstagmorgen eine Werkstatt finden würden, die uns nach Inspektion sagen können würde, was das Senfle denn nun hat, nachdem es ja gestern zu unserm Entsetzen begonnen hatte, schrille Töne von sich zu geben.

Zugegeben, es ist jetzt 16 Jahre alt, das Senfle, wurde von uns wahrlich nicht geschont seit wir es im Mai 2010 gebraucht erworben haben. Über 170.000 (einhundertsiebzigtausend) Kilometer hat dieser Twingo uns durch Europa getragen, auf den jämmerlichsten Schotterpisten und auf Autobahnen – es war, kurz gesagt, abzusehen, dass was Grösseres kommen würde. Aber warum ausgerechnet an einem »Freitag, den Dreizehnten«?

Nachdem wir auf der Bank Geld geholt und die iPhones mit Geld bei COSMOTE aufgeladen haben um dann endlich beim Deutschen ADAC eine Werkstatt genannt zu bekommen, fahren wir mit böser Ahnung stadtauswärts zur genannten Adresse, nachdem niemand ans Telefon gegangen ist. Nach etwas suchen finde ich auch die kleine Werkstadt für die Franzosen. Aber ein dickes Vorhängeschloss verheisst wohl, das eben Wochenende ist. Auch in Griechenland.

Also zurück zum Hotel; wir finden uns innerlich schon ab, dass es wohl Montag werden wird… Später versuche ich’s noch einmal mit einem Anruf – und es wird abgehoben!

English?
– Οχι, μονο Ελληνικά!

Das kann heiter werden. Als wir dort wieder vorfahren, steht ein freundlich lächelnder und des Englischen mächtiger junger Mann parat, hört sich alles an und übersetzt; der Chef hat ihn wohl extra herbei gebeten. Wir unterhalten uns über Naxos und über die Gegend von Agios Prokopios, die er sehr schätzt. In der Zwischenzeit ist das Senfle bereits jeweils links und rechts angehoben worden und die Vorderräder werden mit ordentlich viel Gas auf Hochtouren gebracht. Es scheint alles geklärt, unser Übersetzer verabschiedet sich mit einem gewinnenden Lächeln.

Ja, das sind die Kugellager

– auf beiden Seiten. Wir lernen, dass das die τα ρουλεμάν sind und dass sie ausgewechselt gehören. Wann? Heute? Ja, wenn wir wollen, das geht. Der Chef bestellt die Teile telefonisch, nachdem wir in der Zulassung die nötigen Daten gefunden haben und holt die Kugellager nach kurzer Zeit. Das Senfle steht mittlerweile auf der Hebebühne.

Der Mechaniker baut die Räder ab und inspiziert. Die Bremsen müssten auch gemacht werden, meint der Chef. Und die Manschetten an den Antriebswellen sind nach einem Jahr auch schon wieder hinüber – der Radkasten ist voller Fett. Und wenig später zeigt er mir das erhebliche Spiel der Räder – es sind die Gelenkköpfe. Und das Getriebeöl? Sei nicht mehr ok. Alles wird in kurzer Zeit telefonisch bestellt, vorbeigebracht beziehungsweise herbei geschafft.

All das erledigt der Mechaniker innerhalb von vier Stunden, die wir im Büro bei Versorgung mit Getränken und Knabberkram durch die Frau des Chefs bei funktionierendem Internet bei irgendwie stetig steigender guter Laune verbringen.

Die Chefin schmeisst den Laden hier organisatorisch. Sie haben drei Kinder, wir klagen gemeinsam über das miserable griechische Schulsystem, die hohen Kosten für die unvermeidlichen abendlichen Nachhilfestunden, ohne die kein Kind die Universitätsreife erlangen könnte. Urlaub? Kennt sie seit über 20 Jahren nicht, die Kinder und die Werkstatt, es reicht allenfalls mal für zwei, drei Tage nach Kalamata oder auf die Mani. Sie befindet, dass wir Griechenland besser kennen als sie…

Als nach einer Probefahrt durch den Chef alles klar ist bezahlen wir eine Rechnung, die in Deutschland gut und gerne doppelt so hoch ausgefallen wäre, verabschieden uns sehr dankbar und bleiben nun eben einen Tag länger in Tripoli.

Der Held des Tages

Falls also je jemand in Tripoli mit einem französischem PKW…

Tripoli

Die Stadt macht einen deprimierenden Eindruck mit all den geschlossene Geschäften. Aber dazu meinte die Frau des Werkstattchefs, dass es Tripoli noch relativ gut gehe, im Gegensatz zu Athen oder Thessaloniki. Und da hat sie sicher recht.

Wir werden also morgen früh weiterfahren, hinüber Richtung Olympia.

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* Rund Europa 2017 (Oktober), 3. Tag: Mykene – Tripoli (2)

Freitag, 13.10.2017, 15:21:47 :: Tripoli, Hotel Arkadia
Mittwoch, 15.11.2017, 19:25:49 :: Galanado


Hier landen wir am Abend, froh, Tripoli erreicht zu haben.

Ja, es ist Freitag, der Dreizehnte. Aber uns ist das auch jetzt immer noch nicht gegenwärtig. Wir fahren wieder nach Süden, vorbei an Mykene und biegen wenig später nach links ab, hinauf in die Berge.

Das Heraion von Argos

Eeines der wichtigsten Heiligtümer der Chefgöttin Hera, Gattin und Schwester des Zeus, liegt hier am Ende des Weges. Es gibt natürlich noch weitere. Hier aber nun ein kleiner Parkplatz, ein kleines Wärterhaus, kein Eintritt.

Zunächst steigen wir den Berg hinauf, pralle Sonne, keine Bäume, unter denen man Schutz suchen könnte. Ruinen kann man zunächst nur erahnen. Ein kleine Gruppe von Besuchern kommt uns von oben entgegen, also wird da schon was sein.

Erste Mauern liegen am Weg. Und es werden mehr, aber der Verfall ist weit fortgeschritten, eigentlich sind da nur noch die Grundmauern, die einen ahnen lassen, welche Ausmasse dieses Heiligtum hatte, das an diesem Abhang zweimal errichtet wurde.

Und dann der Ausblick hinab auf die sich dehnenden Olivenhaine bis zu den dahinter liegenden Bergen und hinüber zum Argolischen Golf.

Nach so viel Altertümern haben wir nun Tripoli als letztes Ziel. Die Stadt liegt auf 700 Meter, wir müssen also ins Gebirge.

Argos mit seiner alles überragender Festung umfahren wir unfreiwillig sehr weiträumig, weil ich mal wieder der Ansicht bin, ich würde den Weg besser kennen als das GPS-Programm auf dem iPhone.

Nach kurzem Kontakt mit dem Argolischen Golf geht’s also bergauf.

Durch’s Gebirge

Je weiter wir nach oben kommen, umso fantastischer wird der Ausblick auf den Golf.

Kurz nachdem wir die Passhöhe überschritten haben tritt dann ein, was uns abends über den blöden »Freitag, den dreizehnten« nachdenken lassen wird.

Das Senfle fängt an zu »jammern«

Es quietscht und wummert, je nach Geschwindigkeit. Mit und ohne Gang. Mit und ohne Motor. Nur, wenn ich stehen bleibe ist das Geräusch weg. Es muss also wohl mit den Rädern, den Lagern oder der Vorderradbremse zusammen hängen. Was also tun so hoch am Berg? Weiterfahren? ADAC?

Ich entscheide mich für sehr langsames Weiterfahren. Und so erreichen wir tatsächlich wohlbehalten Tripoli und dort das Hotel, das uns unsere Freundin empfohlen hat.

Den Abend feiern wir unser Wiedersehen mit ihr, die wir einst auf Naxos kennen gelernt, in Kalamata vor vielen Jahren zuletzt besucht haben.

Die Sorge indes bleibt bei aller Wiedersehensfreude: Wie geht’s weiter morgen früh? Dann ist Samstag. Werden wir eine Werkstatt finden? Und dann?

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* Rund Europa 2017 (Oktober), 3. Tag: Mykene – Tripoli (1)

Freitag, 13.10.2017, 15:21:47 :: Tripoli, Hotel Arkadia
Montag, 13.11.2017, 19:40:59 :: Galanado

Nemea – Klionai (Heraklestempel)

Als wir am Morgen vor dem Frühstück ein paar Längen schwimmen und uns an den nun offenen Kakteenblüten und anderen kleinen Dingen freuen, wissen wir eigentlich zweierlei:

  1. wollen wir zunächst die am ersten Tag versäumten Stätten Kleonai und Nemea ansehen und
  2. wollen wir am Abend in Tripoli sein und unserer Freundin endlich wiedersehen

Dass wir einen Freitag, den dreizehnten haben, ist uns nicht bewusst…

Nemea

Also fahren wir wieder nach Norden, zunächst nach Nemea. Ende August 2011 waren wir hier am späten Nachmittag suchend umher gefahren und hatten in der Ferne auch die Säulen gesehen aber keinen Zugang gefunden.


Das war Im August 2011 am späten Nachmittag

Heute wollen wir es noch einmal versuchen.


Einschub: Je länger man sich mit einer Sache beschäftig, desto komplizierter wird sie, wenn man ehrlich ist. So geht es mir auch mit der Peloponnes. Die enorme Ansammlung antiker Stätten, Städte, Festungen, Heiligtümer,Tempel – weit über zwanzig Stätten listet alleine Wikipedia auf, es erschlägt einen. Die Zusammenhänge zu erfassen erfordert dazu hin noch die Kenntnis der Mythologie etc. – es ist schier unendlich. Aber eben auch interessant für den, der’s mag. Es stellt sich dann immer wieder die Frage, wie man verfahren soll: Liest man sich vorher zuhause gründlich ein, notiert, was man besuchen will, fährt das dann ab, besichtigt, was man aufgrund der Lektüre erwartet und hakt es ab? Oder orientiert man sich grob, lässt sich vor Ort überraschen, bestaunt, was man nicht erwartet hat und liest hinterher nach, was man versäumt hat? Die Mischung würde es wohl machen, aber die gelingt fast nie.

Welche Überraschung also heute! Das erste Schild schickt uns erst einmal in das antike Stadion. Eingezäunt, mit Wärterhäuschen und Eintritt für Rentner (meist 6 oder 8€ zusammen, je nach Bedeutung offenbar), der dann auch für das Hauptgelände gilt.

Sehr häufig sind es amerikanische Archäologen, die in Griechenland buddeln

Erste Station: Das war die »Umkleidekabine« der Athleten

Die Nemeischen Spiele wurden hier, jeweils ein Jahr vor und nach den Olympischen Spielen, abgehalten.

Und so heute, nach vollständiger Restauration, wieder: Alle vier Jahre wird hier in alter Tradition unter internationalen »Athleten« gewetteifert, zuletzt 2016 und also im Juni 2020 wieder.

Das Stadion umrunden und durchschreiten wir mit einer gewissen Ehrfurcht: Vieles lässt einen ahnen, wie es wohl zugegangen ist, vor zweieinhalb tausend Jahren; 40.000 Zuschauer sollen hier – meist stehend – Platz gefunden haben.

Wir verlassen das ca. 200 Meter lange Stadion durch den seitlichen Tunnel, durch den einst die Athleten einmarschiert sind. Der fast 40 Meter lange, völlig verschüttete Durchlass barg ein grausiges Geheimnis, als die Archäologen aus Berkley sich hier durchgruben:


© Museum von Nemea

Ein Bewohner der Gegend hatte sich in diesem Tunnel vor den seinerzeit einfallenden Slawen versteckt, wurde aber wohl gefunden und so schwer verletzt, dass er hier starb. Seine Gebeine mit der schweren Kopfverletzung wurden identifiziert.

Heute ist der Tunnel gut restauriert.

Ja, welche Völkerscharen eroberten sich diese Halbinsel in den Jahrhunderten und Jahrtausenden: Achaier, Dorer, Makedonier, Römer, Venezianer, Osmanen, Slawische Stämme, Franken, Engländer, Franzosen, Russen (Wenn man dieZeit der Befreiungskriege im 19. Jahrhundert mitzählt) – die Aufzählung ist dennoch nicht vollständig.

Wir überqueren die Strasse, parken, passieren den schön bepflanzten Eingangsbereich…

… und landen zunächst vor einem recht neuen Museum, gefolgt vom mehr als gut besuchten und ausladenden Gelände mit den markanten Resten des Zeustempels von Nemea – das hat sich also in den letzten Jahren seit 2011 hier getan; erst da wurden die Hauptausgrabungen beendet.

Die Steine für diese Bauten stammen zum allergrössten Teil aus dem Steinbruch an der Autobahn von vorgestern Abend.


Kunst- oder Geschichtsunterricht im Schatten antiker Säulen

Wenn man in den Schatten eines überdachten Teils der Ausgrabung flüchtet, dann landet man im ehemaligen Waschraum der Athleten…

… mit hervorragender Kanalisation, wie man sie manchem heutigen Griechischen Dorf wünschen würde.

Das Herakleion: Der Heraklestempel bei Kleonai


Verwirrung? Herakles ist griechisch, Herkules ist römisch/lateinisch

Die Ebene von Nemea ist seit der Antike bekanntes Weinbaugebiet; von hier kommen griechische Qualitätsrotweine. Dass das so sein muss, sieht und vor alles riecht man. Wir passieren nun zum wiederholten Mal die Grosskeltereien, denen der schwere Duft des entsafteten Tresters entströmt um zum Heraklion zu gelangen, das inmitten der ausgedehnten Weinfelder liegt.

Hier wird von über 30 Weingütern der Nemea-Rotwein erzeugt. Vom Ort aus führen die Wanderwege ‚Wege des Weins‘ (griechisch dromi tou Krasiou Δρόμοι του Κρασιού) in die Weinberge.

Wikipedia


Wie weit man auf diesen Wegen kommt, wenn man auf Weinproben steht, weiss ich nicht…

Heraklestempel existieren in grosser Zahl im Mittelmeerraum – wo Griechen sich eben niederliessen. Einer steht aus gutem Grund eben hier. Gegen den gerade verlassenen Zeustempel in Nemea ist er allerdings eher enttäuschend, die letzte Steine liegen, von Grass überwuchert, mitten in den Weinfeldern.

Lediglich die Grundplatte ist noch so erhalten, dass man eine Vorstellung davon bekommen kann, was hier einmal stand. Wenn man bedenkt, dass Herakles, der als erste seiner zwölf Arbeiten in diesem Landstrich den nemeischen Löwen überwältigt hat, hier verehrt wurde, hätte er mehr verdient. Es sieht so aus, als habe man sich der Tempelteile für andere, spätere Bauten bedient, wie so häufig.

Und zum Abschluss…

…schauen wir uns noch den Lauf der Athleten durch alle drei Teile des Heiligtums an.

Passage into History Full trailer from imagina pictures on Vimeo.

Weiter zum Heiligtum der Hera

Dazu müssen wir wieder nach Süden, vorbei an Mykene, Richtung Argos.

Weiter zu Teil 2

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