Arroganz und Ignoranz sind die beste Werbung für die AfD

2019-06-13 :: Stuttgart

Die herbstlichen Landtagswahlen in drei ostdeutschen Bundesländern drohen Umfragen zufolge zu einem Achtungserfolg der AfD zu werden. Doch anstatt sich mit den Gründen für die offensichtliche Unzufriedenheit mit der Politik der etablierten Parteien auseinanderzusetzen, zu denen im Osten auch die Linke gehört, übt sich der politisch-mediale Sektor schon jetzt einmal in vorzeitiger Wählerbeschimpfung. Anja Meier giftet in der taz über die „verächtliche Haltung“ der Ostdeutschen, die trotz unserer „schönen Steuermilliarden“ ihrer „kommoden Diktatur nachtrauern“, und Mark Schieritz fordert in der ZEIT sogar, man solle „den Osten ignorieren“ und sich auch ansonsten nicht von „abgehängten Regionen“ irgendwelche Themen aufzwingen lassen. Derlei triefende Arroganz und Ignoranz sagt einiges über das Demokratieverständnis der Hauptstadtjournalisten aus und ist schlussendlich die beste Werbung, die die AfD sich vorstellen kann.

Von Jens Berger.

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Giftgas im syrischen Duma: Wer war’s?

2010-06-12 :: Stuttgart

Noch ist unklar, ob Assads Truppen Giftgasbomben abwarfen oder ob IS-Rebellen die Bomben legten, damit die USA eingreifen.
— Weiterlesen infosperber.ch: Das Giftgas im syrischen Duma haben Medien fahrlässig abgehakt

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Klassentreffen in Wilhelmsdorf

Dienstag, 28.05.2019 :: Stuttgart

Vorbemerkung: Ich war die letzten vier Klassen im »Knabeninstitut (KI)«, einem traditionsreichen Internat in Wilhelmsdorf, das heute »nur noch« Gymnasium ist. Wir versuchen, uns jedes Jahr für zwei Tage dort zu treffen.

Ja, es war dann doch eine sehr überschaubare Runde. Andererseits: In kleiner Runde redet dann doch eher jede/r mal mit jedem/r …

Und so war es eben auch eine gemütliche und unterhaltsame Runde. Erstaunlich ist auch, dass trotz des nunmehr jährlichen Treffens doch immer wieder Erinnerungen auftauchen, die man so oder überhaupt nicht kannte.

Highlight war natürlich, dass zwei unserer Lehrer zu uns stiessen und unsere Erinnerungen zusätzlich auffrischten und erweiterten.

Mein persönliches Highlight …

… allerdings bedarf einiger Ausführungen. Alle erinnern sich an unsere Theateraufführung »Romulus der Grosse« unter der strengen Regie unseres Deutschlehrers, Herrn Lehr.

Aus diesem Anlass verfasste ich seinerzeit ein Erinnerungsalbum für ihn. Das war mir aber völlig entfallen, bis vor einigen Jahren, als mich Herr Lehr bei einem Klassentreffen darauf ansprach, es in höchsten Tönen lobte und zusagte, es mir zu zusenden.

Es passierte allerdings nichts. Ich hatte es fast wieder vergessen. Bis zu diesem Freitagnachmittag. Da holten Hans Wolf Adam und ich Herrn Lehr in Illmensee ab und ich fragte nach dem Album.

Da erfuhr ich von der Odyssee dieses Albums, das er nicht abschicken mochte beziehungsweise konnte, weil als einzige Werner Kittels Unterschrift fehlte und zudem niemand so genau wusste, wo ich mich denn gerade aufhielt – La Palma? Naxos? Deutschland?

Die Unterschrift lieferte Werner nach, daher ist seine die einzige eingeklebte Unterschrift. Mittlerweile war das Album auch bei Klaus Wiehl (Gack) gelandet, der es kopieren wollte. Ich liess mir von Herrn Lehr die Telefonnummer geben; ich würde anrufen und das Album dann hoffentlich irgendwann erhalten.

Zu meiner grössten Überraschung brachte aber Wolfgang Scheurer das Album mit und ich hielt in Händen, was ich zunächst überhaupt nicht wieder erkannte; erst beim Blättern war alles wieder gegenwärtig. Und nun habe ich es und bin platt, was ich da damals »verbrochen« habe. Ich danke Herrn Lehr, der es all die Jahre gehütet hat und mir zum Geschenk überliess.

Hier findet Ihr Euch also alle wieder, vereint auf zwei Albumseiten:

Ich weise nochmals darauf hin, dass man auf die Bilder klicken kann, damit sie vergrössert wiedergegeben werden.

Und hier alle Fotos, die wir gemacht haben:

Die Fotos, bitte klicken!

Für 2020 …

… werde ich erneut Endes diesen Jahres einen Anlauf nehmen, um ein Treffen vorzubereiten. Ich wünsche allen, die verhindert waren, vor allem gute Besserung und allen einen guten Sommer.

Lis und ich werden hoffentlich Ende Juni nach den Pfingstferien nach Norden starten können und irgendwann im Oktober wieder wohlbehalten in Naxos landen, um die letzten warmen Tage am und im Mittelmeer zu geniessen.

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RundEuropa 2019, 11. Tag :: Sreser – Baška Voda

Freitag, 26.04.2019, 14:21:36 :: Baška Voda, Pension Palac

Gestern Abend früh ins Bett, heute morgen früh raus. Das Meer spiegelglatt, leichter Wind, immer noch sehr dunstig, …

… die Sahara, die uns seit Anbeginn der Fahrt verfolgt und die ganz Europa mit rot-gelbem Staub gepudert hat, will immer noch nicht weichen.

Das ist schade, denn viele Fotos zeigen dadurch nicht, was wir sehen beziehungsweise ahnen.

Von der Familie sehen wir niemanden, nur die Besitzerin des Autos mit Odenwaldkreis-Kennzeichen neben uns putzt ihr Gefährt von innen und aussen säuberlichst und meint auf Nachfrage, dass sie schon seit ewigen Zeiten hierher kommen, jetzt bauen und hierher ziehen werden. Deutschland? Nicht unbedingt …

Und sie hat ja so recht: Hier ist es still, kein Verkehr, nur Vögel und derzeit tagsüber die Männer, die die Pension vorwärts bringen.

Wir kommen gegen 8:30 Uhr weg und fahren zurück über Ston auf die Hauptstrasse. Je nachdem, aus welcher Richtung man sich dieser riesigen Festigungsanlage nähert, erstaunt sie immer wieder auf neue Weise; angeblich ist es ja die längste Festungsmauer Europas, was plausibel wird, wenn man sie von verschiedenen Seiten gesehen hat.

Die Fähre Tripanj – Ploče wäre erst um 12 Uhr gegangen, ausserdem will ich das Delta der Neretwa zwischen Opuzen und der Neretwamündung durchqueren, das man normalerweise grosszügig auf der Umgehungsstrasse umfährt. Ich habe das in Google Earth bereits vor einiger Zeit ausbaldowert – jetzt soll es auch passieren.

Das klappt auch alles ganz gut. Die Fahrt wird eigentlich nur gestört durch relativ viel Verkehr, optisch vor allem – wie gestern auch – durch den ungehemmten Neubau von Hotels und Apartments, die niemals von einheimischen normalen Familien gestemmt werden können. Da fliesst wohl eine Menge Schwarzgeld, um die so gewaltige Landschaft zwischen Adria und den Gebirgsmassen zu einem Eldorado von kitschigen Hoteltürmen umzugestalten …

Habe ich schon erwähnt, dass die Blaue Iris, das Wahrzeichen Kroatiens, überall am Strassenrand blüht?

Das Delta der Neretva

Das Delta ist beschaulich, die wenigen kleinen Dörfer (meist nur 3-5 Häusern) sind meist malerisch unaufgeräumt – Reichtum findet hier nirgends statt trotz der wuchernden Obst- Kartoffel- und sonstiger Gärten und Felder.

An den Stränden am Ende des Deltas herrscht ebenfalls noch Ruhe, die ersten Buden und kleinen Restaurant beginnen mit Malern und Einrichten.

Baška Voda …

… finden wir hingegen in aufgewecktem Zustand: Unsere Pension Palac hat ein schönes Zimmer für uns, 20 € pro Person und Nacht, das ist völlig in Ordnung.

Ob uns der Zimmername wohl schadet?

Das Internet funktioniert wie immer hervorragend, so dass es sich lohnt, endlich aufzuarbeiten und zu Schreiben. Hierzu braucht es neben den Fotos, die geo-getagt sein wollen und an denen ich meist entlang schreibe, eben auch Recherche.

Nur an wenigen Abenden fanden wir ein dauerhaft funktionierendes Internet vor. Daher haben wir uns extra sowohl in Griechenland einen Vertrag mit mobilen Daten auch unter Roamingbedingungen abgeschlossen und in Albanien eine Prepaid-SIM mit 15-GB-Kontingent gekauft, mit der Zusicherung, sie sei international einsetzbar. Nichts da: Weder die griechische noch die albanische Variante funktioniert.

Google-Fotos

Bildergalerie in Google Fotos

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RundEuropa 2019, 5. Tag :: Zitsa – Sarandë

Samstag, 20.04.2019, 19:25:07 :: Sarandë, Hotel Edo
Sonntag, 28.04.2019, 21:56:47 :: Baška Voda, Palac

Letztes Frühstück in der Küche der Mutter von Kostas, natürlich mit frischem Gebäck aus der Bäckerei, Brot gekauft, ade gesagt …

Kinder kommen zum Vorsingen: Es ist Lazarustag, der Tag an dem Jesus den armen Lazarus geheilt hat. Da gelten die ehernen Regeln in Griechenland: Singen und Sammeln.

Sie haben Tischchen mit grünen Zweigen und einem Kreuz gebastelt, wie sehen das zur ersten Mal.

Fahrt nach Albanien

Eine sehr interessante Kirche finden wir im Dorf Ligopsa …

… von wo wir den fernen schneebedeckten Gebirgszüge sehen – irgendwie dorthin müssen wir.

Die Fahrt durch die Berge und über den Pass und Zoll gingen schnell und glatt. Die Bergwelt voller violetter Blüten, herrlich! Der Epirus blüht, wie uns scheint, vorzugsweise in violett.

Albanien – St. Nikolaus-Kirche in Mesopotam

Wir sind überrascht: Die St. Nikolaus-Kirche in Mesopotam, die wir immer wieder besucht haben (siehe zum Beispiel hier), irgendwie aus Angst, sie könnte eines Tages eingefallen sein, ist renoviert und nun endlich offen, ein Wächter schliesst uns auf, 100 Leke (0,80 €) pro Person möchte er pro Person, wir haben aber keine Leke, geben ihm 10 €, er freut sich riesig und bedankt sich tausend mal. Die Kirche stammt vermutlich aus dem 13. Jahrhundert und wund nach 2 Erdbeben renoviert, war aber die letzten Jahre in einem jammervollen Zustand. Ich dachte, sie sei älter. Aber es stand schon davor dort eine ältere. Die Fresken, die wir bewundern stammen grösstenteils aus dem 18. Jahrhundert.

Mit uns besichtigt ein Ehepaar die Kirche, er gebürtig aus Ludwigsburg, vorne steht ihr gewichtiger Camper. Wir unterhalten uns lange. Ursula und Hermann Rall sind wahre Weltenbummler, sie machen alles mit diesem Camper, auch per Schiff nach Amerika etc …

Links:

Wohin jetzt?

Die Bistriza führt mehr als ausreichend Wasser, in Deutschland kann man den Wasserreichtum hier nur träumen …

Eigentlich sollten wir jetzt, wie mit Jörg Dauscher verabredet, nach Lukovë weiter fahren. Wir beschließen aber während der Fahrt bis zum entscheidenden Abzweig, doch erst mal in Sarandë hängen zu bleiben. Die Hotelbesitzerin vom Hotel Edo freut sich, ich hatte ihr letzten August versprochen, dass wir im Frühjahr vorbei schauen, denn sie wunderte sich damals, warum ich alleine reisen würde, ohne Lis.

Sarandë, fast wie Heimat

Wir essen nach einer langen Ruhepause unser erstes Eis in diesem Jahr unten an der Paralia. Jörg Dauscher benachrichtige ich, dass er noch einen Tag warten muss. Er hat bereits Zimmer für zwei Nächte für uns in Lukovë gebucht.

Bei Ülle in Durrës frage ich an wegen des Treffens dort am 24./25.4.. Ok., jetzt muss ich was erklären:

Am Sonntag vor unserer Abfahrt aus Naxos bekam ich eine Email aus Estland. Ülle Purga aus Saaremaa, wo wir schon zwei mal, zuletzt 2012, zu Gast waren, hat hier im Blog gelesen, dass wir ungefähr zur selben Zeit wie sie in Albanien sind, da könnte man sich doch zu einem Tee und einem Plausch treffen? Ich sage natürlich zu. Und wer nun genauer wissen will, wer Ülle Purga ist, den verweise ich auf Google und/oder Facebook :-).

Also jetzt ist endlich alles geregelt und perfekt, das Internet funktioniert auch, ich kann etwas arbeiten, ehe wir zum Essen ins »La Banana«, einem kleinen Familienlokal zwischen mageren Bananenstauden, gehen und später auf dem Heimweg den Vollmond über Sarandë bewundern dürfen.

Sarandë wird langsam zu einem Moloch. Noch ist es nicht ganz so weit aber noch zwei, drei Jahre und es wird keine familiengeführten Kneipen mehr an oder in der Nähe der Promenade geben. Es wird dann Tourismus »wie überall« sein – schade, der Charme schwindet mit dem Tourismus.

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RundEuropa 2019, 4. Tag: Zitsa (Ruhetag)

Freitag, 19.04.2019, 10:34:00 :: Zitsa, The Bakery of Zitsa (Facebook) und bei Tripadvisor

Was tut man, wenn man eingeladen ist, so lange zu bleiben, wie man möchte? Man bleibt eben einen Tag länger. Zum Frühstück versorgen wir uns zunächst mit leckeren, duftigen Κουλουράκια (Sesamkringeln), einen pur, einen mit Käse.

Danach gehen wir hoffnungsvoll zum Kafenion – das hat noch zu …

So machen wir einen kleinen Rundgang durchs Dorf, …

… und begegegnen beim Rathaus zum ersten Mal Lord Byron und seinem Loblied auf Zitsa:

                          XLVIII

Monastic Zitza! from thy shady brow,
Thou small, but favour’d spot of holy ground!
Where’er we gaze, around, above, below,
What rainbow tints, what magic charms are found!
Rock, river, forest, mountain, all abound,
And bluest skies that harmonize the whole:
Beneath, the distant torrent’s rushing sound
Tells where the volumed cataract doth roll
Between those hanging rocks, that shock yet please the soul.

George Gordon, Lord Byron: Childe Harold’s Pilgrimage, Canto II

Danach bekommen wir auch unseren Cappuccino, seltsamerweise sind wir die einzigen, die hier sitzen; das letzte mal im Juni 2013 hatten wir hier eingehende Gespräche mit Senioren, die bei Behr in Feuerbach gearbeitet haben, also in unmittelbarer Nachbarschaft zu unserer ehemaligen Arbeitsstätte.

Am Nachmittag wandeln wir wieder auf Byrons Spuren: Oben am Berg liegt nicht nur das Restaurant und Café Monastir von Kostas Bruder sondern auch das Kloster Profits Ilias, fast verlassen.

Nur ein bellender Hund tritt uns entgegen und zwingt uns zur Umkehr. Kostas erklärt uns am Abend, dass dort noch ein Mönch wohnt. der etwas Englisch kann; der Hund hätte uns nicht schrecken müssen, ihn aufzusuchen.

Und wir lernen, dass Lord Byron dort vom 12. auf 13. Oktober 1809 genächtigt hat. Nun, wir haben unser Bett bereits und begeben uns auf den Rückweg zum Café Monastir von Kostas Bruder, das mittlerweile geöffnet hat und geniessen – nein, tun wir nicht, denn der Saharastaub trübt mittlerweile alles ein, auch die ansonsten wundervolle Sicht über die Berge und Hügel des Epirus, die Byron schon besungen hat.

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RundEuropa 2019, 3. Tag: Agia Kyriaki – Dodona – Ioannina – Zitsa

Donnerstag, 18.04.2019, 22:43:17 :: Zitsa
Sonntag, 28.04.2019, 10:54:35 :: Baška Voda

Von Agia Kyriaki nach Dodoni

Von Dodona nach Ioannina und Zitsa

Es wird ein Tag der Überraschungen und Höhepunkte dieser Reise.

Lange vor unserem kleinen Frühstück sieht Lis den Vollmond untergehen, den sie kurz für die aufgehende Sonne an der falschen Stelle hält.

Klicken, um das Bild nach Sonnenaufgang zu sehen!

Wie ich später am Tag feststelle, blieb meine Weste hier im Schrank hängen und Lis kleines Kissen irgendwo im Bett liegen; mal sehen, ob uns die Wirtsleute das auf unsere Bitte nachschicken …

Zuerst fahren wir hinunter an den Strand von Lithnos. Der ist noch völlig verlassen, eine reine Sommerbadebucht mit Campingplatz und einem Restaurant, …

… die kleine Straße hinunter ist recht gut, aber sehr steil, besonders für das Senfle auf dem Rückweg eine Herausforderung, die das gute Teil aber meistert.

Es führt auf der anderen Seite des Strandes eine Straße vom Campingeplatz nach oben, aber dazu müssten wir mit dem Auto über den Sandstrand, was mir zu kritisch erscheint.

Es geht nun durch die Berge und einige Dörfer nach Dodona. Auffallend viele Proskinitaria, die kleinen Wegkirchlein Griechenlands, begegnen uns. Hier eine kleine Auswahl:

Grosse Überraschung: Ein Stochenpaar im Epirus, mit unzähligen Spatzen als Untermietern.

Klick!

Wir müssen unbedingt tanken, aber die erste Tankstelle nimmt keine Karte, griechische Verordnungen gelten auch hier oben nicht. Cash ist das einzig garantierte Zahlungsmittel – auch auf unserem weiteren Wege. An und für sich ein gutes Zeichen für den Widerstand gegen die Abschaffung des Bargeldes. Erst die Tankstelle kurz vor dem letzten steilen Anstieg zur Autobahn, in Paramythia, nimmt die Tankstelle die Kreditkarte. In diesem umtriebigen Ort holt Lis auch Geld am Automaten der Piräusbank während ich, draußen neben dem Senfle wartend, von einem älteren Passanten freudig mit »Guten Morgen!« begrüßt werde; viele Gastarbeiter kamen aus dem Epirus zu uns nach Deutschland und sind als Rentner zurück in die Heimat.

Dann geht es wirklich bergauf. Wir sehe hoch über uns, eigentlich unerreichbar, die Autobahn nach Ioannina. Aber wir erreichen sie tatsächlich …

… und erreichen nach kurzer Fahrt und im Angesicht schneebedeckter Bergriesen

Dodona

Dodona ist mit Delfi das bedeutendste Heiligtum des antiken Griechenlands.

Dodona (auch Dōdōnē, griechisch Δωδώνη Dodoni) war ein antikes griechisches Heiligtum und Orakel. Es galt als ältestes Orakel Griechenlands und war nach Delphi das bedeutendste überregionale Orakel der griechischen Welt.
Der mit dem Orakel verbundene Zeuskult scheint sich aus einem älteren Kult entwickelt zu haben, von dem sich in späterer Zeit unerklärliche Riten der Priesterschaft erhalten hatten. So wurde aus dem Rauschen einer dem Zeus heiligen Eiche geweissagt. Zusätzlich wurde der Flug von Tauben interpretiert und später mit Hilfe von Losen Anfragen beantwortet.
Die Geschichte des Ortes ist eng mit der Geschichte der Landschaft Epirus verbunden.

Quelle: Wikipedia

Bei der Ankunft überrascht uns ein riesiger Parkplatz voller Busse und lärmender Schülergruppen, die es zum Restaurant auf einer kleinen Anhöhe zieht, was uns entgegen kommt, das Gelände wird dann wohl schön leer sein.

Ein Glückstag: heute sind alle Museumseintritte kostenlos, „europäischer Tag des Monuments“, wie uns später eine Wärterin in der Zitadelle von Ioannina erklärt. Daher wohl auch die vielen Schulklassen.

Uns erwartet ein imposantes Amphitheater und die restlichen Trümmer von Tempeln aller relevanten antiken Gottheiten, die Stoa und nicht zuletzt die Reste einer frühchristlichen Kirche.

Die Restaurationsarbeiten an allen Ecken und Enden dauern an, die Bauhütte und die ganze Umgebung ist noch voller wohl sortierter und gekennzeichneter Trümmerreste, die wohl irgendwann wieder ihren angestammten Platz finden werden.

Weiter geht es ein kurzes Stück über die Autobahn und unter den Bergen hindurch nach

Ioannina, …

… das uns zunächst mit einem scheußlichen Regenguss empfängt. Aber es ist ja April und es bessert sich wieder.

Ioannina haben wir verschiedentlich besucht (zum Beispiel hier 2016 und hier 2011 kurz zum ersten mal. Aber so richtig Zeit genommen haben wir uns erst heute. Die Geschichte ist hochinteressant: Erinnerungen an Tepelene tauchen auf, natürlich auch Ismail Kadares Roman Der Schandkasten und nicht zuletzt Lord Byron, der einem in Messolongi, in Aitoliko, in Zitsa, in Tepelene und eben auch hier begegnet; er war Gast des Ali Pascha, dem hier auf der Insel fein säuberlich der Kopf abgenommen und nach Istanbul in den Schandkasten transportiert wurde. Geschichte(n) noch und noch – Europäische Geschichte, der entlang man beginnt, vieles zu verstehen.

Ende des 18. Jahrhunderts wurde Tepedelenli Ali Pascha Gouverneur von Epirus. Er kümmerte sich wenig um die Direktiven der Hohen Pforte und baute sich einen autonomen Machtbereich auf. Dabei stützte er sich auf albanische Kämpfer seines Stammes und auf griechische Aufständische, die mit der osmanischen Herrschaft unzufrieden waren. Er paktierte gleichfalls mit Frankreich und Großbritannien, die an seinem Hof in Ioannina Konsulate unterhielten. Ab 1807 herrschte er, den man auch Löwe von Janina nannte, von Ioannina aus, faktisch unabhängig über große Teile Albaniens und Griechenlands. Der englische Dichter Lord Byron, der 1809 einige Zeit Gast am Hof Ali Paschas war, hinterließ eine farbenprächtige Schilderung des damaligen Lebens in Ioannina, einer blühenden Stadt mit 35.000 Einwohnern. Im Oktober 1820 entsandte Sultan Mahmud II. Truppen gegen den abtrünnigen Pascha. Ioannina wurde über 15 Monate belagert, bis man Ali Pascha im Februar 1822 mit einer List aus seiner Festung locken konnte und ermorden ließ. Am 20. August 1869 wurde Ioannina von einem Großbrand heimgesucht: 1300 Geschäfte und Lager sowie 300 Häuser wurden im Handelsviertel zerstört.

Quelle: Wikipedia

Aber zuerst im Café an der Mauer. Danach beginnt der Marsch zur Zitadelle mit Moscheen, Museen, einem Schatzhaus und Kirchen, zuletzt finden wir auch den Museuumsshop wegen Literatur.


Klicken!

Später verfinstert sich der Himmel ernsthaft, ein paar Tropfen fallen, es wird windig und frisch. Wir wagen dennoch schnell einen Abstecher zur Moschee an der anderen Ecke der Festung; deren Turm sei im Winter zum Teil heruntergebrachten, erzählen uns die jungen Damen im Museumsshop, die mir auch ausführlich die Vor- und Nachteile bestimmter Bücher und Fotobände erläutern.

Nach diesem Schnelldurchlauf freuen wir uns auf’s Auto, die Wirbelsäulen fordern Entlastung.

Und es wird Zeit, um zum heutigen Endpunkt zu fahren: Weiter hinauf nach

Zitsa …

… wo uns ein herzlicher Empfang durch Anna und Kostas und seine Mutter erwartet (wir gehören zur Familie, meint Kostas!).

Und ein Grafitti neben unserem »angestammten« Parkplatz erinnert uns daran, dass viele Menschen sich hier gegen die Verwüstung des Epirus durch geplante Ölbohrungen zu wehren versuchen. Zu wenigem, wie Kostas später resigniert erläutert.

Wir werden einen Tag länger bleiben, das klärt sich schnell. Anna ist hochschwanger, jeden Tag steht die Fahrt nach Ioannina in die Klinik an – Hebammen gibt es auf den Dörfern nicht.

Für Vassiliki haben wir ein Köfferchen von Playmobil mit einer Küche mitgebracht. Sie ist erkältet, daher waren sie mit den Eltern am frühen Abend in Ioannina beim Arzt. Aber jetzt stürzt sie sich auf die Teile und Teilchen der Küche, selbst der Toast, für den man fast eine Pinzette braucht, ist enorm wichtig – keine Wunder, wo der Vater doch Bäcker ist …

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RundEuropa 2019, 2. Tag: Aitoliko – Nekromanteion – Agia Kyriaki (Parga)

Mittwoch, 17.04.2019, 18:47:31 :: Agia Kyriaki (Parga)

Morgens nach dem Frühstück kommt F., wir unterhalten uns sehr lange über Familie und was alles passiert ist in den vergangenen Jahren. D., ihr Mann, ist schwer angeschlagen, Wirbelsäule und rechtes Knie. Die OP an der Wirbelsäule kostet ca. 20.000€.

Beide Söhne und F. arbeiten in den Oliven: Schneiden, Holz häckseln den Schnitt als Dünger, verteilen ihn, mähen, spritzen die Bäume mit biologischem Insektenvernichtungsmittel – es ist viel harte Arbeit.

D. bringt uns noch einen Eimer Oliven vorbei, der zusammen mit dem grossen Beutel voller Zitronen im Senfle verschwindet; immer wieder sind alle erstaunt, was da reingeht.

Für das Hotel bezahlen wir 55 €, einschliesslich aller Cappuccinos. Und dann geht es weiter nach Norden.

Wir überqueren nach kurzer Fahrt den wasserreichsten Fluss Griechenlands, den Acheloos. Er bildet das riesige fruchtbare Delta, in dem auch unsere Freunde aus Aitoliko ihre ca. 700 Olivenbäume pflegen, ein Paradiesgarten, rau, weit, ja endlos …

Acheloos (griechisch Αχελώος) ist der Name des wasserreichsten Flusses in Griechenland. Er ist 217 km lang und damit der zweitlängste Fluss in Griechenland nach dem Aliakmonas. Der Acheloos durchfließt die Regionen Epirus, Thessalien und Westgriechenland.

Quelle: Wikipedia

Lesinio

Astakos

Vonitsa

In Vonitsa müssen wir Halt machen. Es war unsere erste Reise mit dem Auto nach Griechenland, als wir hier übernachteten und es war der Ausgangspunkt unserer Reise ins Märchenland Albanien, nach Butrint.

Wer sich umschaut, wird auch die Festung von Vonitsa bemerken, die wuchtig auf dem Hügel liegt, noch immer unbesucht …

Nach dem obligatorischen Capp … geht’s durch den Unterwasser-Tunnel von Prevesa zum nächste Ziel, das

Nekromanteion bei Mesopotam

Es ist die einzige wirkliche Attraktion heute. Aber der Zugang zur Unterwelt ist schliesslich für einen Tag auch ausreichend. Das Nekromanteion gilt nach manchen Quellen tatsächlich als eines der mystischen Tore zum Hades. Wir sind also gespannt und hinterher sehr beeindruckt.

8 € zahlen wir zwei Rentner. Der Herr an der Kasse kann etwas Deutsch, nichts besonderes zunächst …

Unter den Ruinen einer im 18. Jahrhundert erbauten Kirche Johannes des Täufers und dem benachbarten Friedhof entdeckte der griechische Archäologe Sotirios Dakaris 1958 bis zu 3,35 m dicke Mauern, die einen 22 m² großen unterirdischen Raum umschlossen. Diese Strukturen interpretierte er als das Zentrum des Totenorakels von Ephyra, das von Homer und Herodot erwähnt worden war, dessen genaue Lage aber bis dahin unbekannt gewesen war.

Hier ging es angeblich …

… in den Hades

Alle Bilder hier in Google Fotos.

Am Ende des Rundgangs erstehe ich Literatur für 6 €. Der Hüter des Hades hat schon alles abgeschlossen, macht aber dazu wieder auf. Später, als auch das französische Ehepaar das Gelände verlassen und er endgültig geschlossen hat und an uns vorbei zu seinem neben uns parkenden Auto geht, verabschiedet er sich nach einem Blick auf unser Nummernschild mit einem freudigen »Bietigheim-Bissingen!« – Gastarbeiter überall, und daher das Deutsch …

Später Ammoudia, der als besonders schön gepriesesene Badeort unten an der Mündung des Acheron am Meer kann man hingegen vergessen, ein reiner, jetzt noch toter als toter, Touristenort.

Das Delta durchfahren wir in Richtung Parga.

Aber schon auf dem Weg hinunter nach Parga finden wir in Agia Kyriaki diese nette Pension Aliki und beziehen zwei große Zimmer mit allem Drumunddran für 35 €.

Die freundliche Wirtin fragt noch, ob Sie uns die Heizung anstellen soll, was ich Angesicht der gerade herrschenden Temperaturen fast entrüstet verneine. Am späten Abend und erst recht am nächsten Morgen dann verstehe ich die Frage aber gut.

Zum Abendessen fahren wir ihr Anraten weiter hinunter und landen versehentlich im Lichnos Panorama und nicht im empfohlenen Limnos ihres Bruders. Mittelmässiges, nicht preiswertes Essen wird uns als einzigen Gästen serviert – schade.

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RundEuropa 2019, 1. Tag: Naxos – Aitoliko

Dienstag, 16.04.2019, 23:04:54 :: Aitoliko, Hotel Alexandra

Es fängt ja alles nicht so gut an. In der Nacht von Montag auf Dienstag brennt in Paris Notre Dame ab.

» Rhein-Zeitung

Notre-Dame in Flammen – Macron verspricht Wiederaufbau

16.04.2019, 05:52

Paris (dpa). Nach dem schweren Brand in der Pariser Kathedrale von Notre-Dame will Frankreich das berühmte Wahrzeichen wieder instandsetzen. „Wir werden Notre-Dame wieder aufbauen“, sagte Staatschef Emmanuel Macron. Das Feuer verwüstete den Sakralbau, der Dachstuhl stand lichterloh in Flammen. Am frühen Morgen erklärte die Feuerwehr den Brand für „unter Kontrolle und teilweise gelöscht“, wie die französischen Medien berichteten. Die Pariser Staatsanwaltschaft ermittelt, bislang wird dabei die Spur eines Unfalls verfolgt. Das Feuer sorgte weltweit für Entsetzen.

Zudem haben wir wegen der Wetterlage den Abreisetag extra von Montag auf Dienstag verschoben. Ab da sollte es hier und in Aitoliko wolken- und vor alle regenfrei sein.

Wir verlassen Galanado und die Insel allerdings bei Gedonner und Regen, die Wettervorhersage hat mal wieder völlig versagt.

Auch die Überfahrt ist – besonders vor der Passage zwischen Kea und Kithnos, wo der Wind so richtig ungebremst durchpfeifen kann – sehr ruppig, ich spüre zum ersten Mal auf einem Schiff meinen Magen.

Piräus allerdings empfängt uns dann mit Sonnenschein.

Die Fahrt über die Autobahn nach Rio und dann nach Aitoliko verläuft glatt, ist aber teuer (26 € Maut), dafür aber mit sehr wenig Verkehr.

Von der Autobahn wissen wir ja seit letztem Jahr, dass sie fertig ist. Ansonsten lässt sich von ihr nichts wirklich Spannendes berichten: Rechts immer der Golf von Korinthen …

Andererseits erleben wir das Ergebnis des weiteren Ausbaus der Autobahn nach Messolongi und weiter Richtung Arta: Die seither von uns genutzten schmalen Strassen finden wir nicht mehr …

Bei der Überfahrt von Rio nach Andirio bewundern wir allerdings wieder diese filigrane Brücke hinüber aufs Festland.

Und dann lagern bei Messolongi neben der Strasse auf mehreren Kilometern seltsame Teile.

Erst, als wir schon fast vorbei sind, wird uns klar: Das sind die Einzelteile für neue Windkraftanlagen; die Berge recht von uns bieten sich in der Tat an.

Aitoliko

Im Hotel Alexandra haben unsere Freunde uns schon angemeldet. Leider können sie nicht mit uns zu Abend essen, da sie in Messolongi zur Physiotherapie sind, wie sich am nächsten Morgen herausstellt.

Zunächst geniessen wir den Sonnenuntergang vor dem Hotel bei einem – richtig! – Cappuccino …

… und gehen dann alleine essen, hungrig wie wir sind und speisen hervorragend. Dabei lernen wir zum ersten Mal einen neuen Trick zum Steuersparen kennen: Auf dem Essensbon erscheinen nur 12€ für Wein und Vorspeisen. Es scheint jetzt wohl Usus, nur noch die Hälfte zu bonieren, der Rest ist steuerfrei. Jedenfalls passiert uns das an den Folgetagen noch mehrmals.

Google-Fotos

Links:

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Wir starten am 16. April

Sonntag, 14.04.2019, 11:12:06 :: Galanado

Es ist entschieden: Wir fahren am Dienstag, 16. April mit dem Morgenschiff und werden abends in Etoliko sein, wie schon vielfach gelobt: Ein überaus interessante kleine Stadt, von wo aus wir dann nach Ioannina und Zitsa weiterreisen. Ioannina wollen wir uns diesmal genauer ansehen und in Zitsa freuen wir uns auf unsere Freunde Anna und Kostas.

Das Wetter scheint sich beruhigt zu haben, Regen ist nicht mehr zu erwarten, zumindest in den nächsten Tagen nicht.

Es geht dann weiter nach Albanien, wo wir endlich Jörg Dauscher treffen und persönlich kennenlernen werden.

Ach ja …

… ausgerechnet vor knapp zwei Wochen hat die Miezi noch Junge geworfen – drei davon gedeihen prächtig.

Bis dann!

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