* Rund Europa 2008, 2. Etappe – 6. Tag: Baia Mare – Sibiu (2008-08-30)

Montag, 1. September 2008, 0:11 :: in Vraca/Bulgarien
Donnerstag, 4. September 2008, 10:25 :: in Gotse Delchev

Die ruhigen Tage in diesem Hotel hier in Gotse Delchev nutze ich zum Vervollständigen der Reiseberichte. Wir sitzen hier den ganzen Tag im Freien, das grosse Sonnendach bringt genügend Schatten für den Laptop, Steckdose über mir, WLAN überall (auch wenn es zuweilen lahmt) – nur nicht auf dem Zimmer 🙂

Aber wie das Mädel an der Rezeption, die einzige, die Englisch spricht, gequält lächelte: »Etwas besseres bekommen Sie wahrscheinlich in ganz Bulgarien nicht.« Sie will i.Ü. nächstes Jahr nach England zum Studieren.

Dieser sechste Reisetag ist schon wieder weit weg – die Fotos, GoogleEarth, die Karte und die Sprachaufzeichnungen müssen her…

Baia Mare verliessen wir nach dem gestrigen Wolkenbruch bei schönstem Wetter: Alles wieder klar und sonnig.

Baia Mare am Morgen

Die Fahrt nach Cluj-Napoca…

… (das ist Klausenburg auf »siebenbürgerisch«) führt zunächst über flaches Agrarland, später gewunden durch bergiges Land mit viel agrarischem Baumbestand und wenige Ansiedlungen.







Panorama (8.3 MB)

Zuweilen aber sind die Hügel verdorrt und braun gebrannt, Wasser fehlt allenthalben. Die Ausblicke auf noch Bergigeres: Nur Landschaft, sonst nichts – bis man auf den Fluss Someş trifft, dem die Strasse Richtung Quelle und Cluj folgt.







Panorama (9.6 MB)

Zuvor jedoch kommt man durch Dej (Desch), wo heftig geheiratet wird und die säugende Wölfin mit Romulus und Remus daran erinnern, dass wir in Romania sind; Rumänisch ist ja in der Tat mit dem Italienischen sehr verwandt. Italienische Autonummern sind hier übrigens überall, zusammen mit französischen, in der Überzahl – neben den rumänischen, versteht sich 😉 –– wir mit unserem schwäbischen »LB« sind ziemlich verloren.

Dej/Desch Heiraten

Dej/Desch Strassenzug

Dej/Desch Romulus und Remus

Kurz vor Cluj…

…finden wir dann aber den Standort mit den (ehemaligen) deutschen Nokia-Arbeitsplätzen. Und, 20 km weiter, auch die Menschen, die dort arbeiten – und wohnen.

Nokia-Schild

Wohnsilos

Wohnsilos mit iPhone

Cluj ist ein aufstrebender Industrie- und high tech-Standort mit all den Merkmalen, die Industrialisierung in einer teils sehr heruntergekommenen, ehemals sicher prachtvollen siebenbürgischen Metropole mit sich bringen: Dreck, Chaos, Staub. Aber man will ja nicht alles mies machen: Ich kann auch adrett…













Wir fliehen, was einigermassen schwer ist: Die verfügbaren Strassen und ihre Qualität führen zu fürcherlichen Verkehrsknäueln, Gestank und Stau bis wir wieder draussen sind.

Irgendwann weiter südlich…

…bei Ocna Mureş trifft man dann auf den Fluss Mureş. Man durchfährt Dörfer, fast alle auch mit deutschen Namen, teilweise sogar mit zweisprachigen Ortsschildern: Turda/Törnenburg, Ocna Mureş/Mierenschall, Aiuzd/Strassburg, Alba Iulia/Karlsburg, Sebeş/Mühlbach – und so fort, bis eben nach Sibiu/Hermannstadt, letztjährige Europäische Kulturhauptstadt (nächstes Jahr: Vilnius!). Zu den Dörfern: So »deutsch« wie die Namen schauen sie auch aus. Aber ob man sich im südlichen Polen, in der Slowakei oder in Tschechien befindet, dazu muss man sehr genau hinsehen.









Neben konventionellem Kirchenbau findet man aber auch derartige neue Konstruktionen (zwischen Aiud und Alba Iulia).

Neue Kirche

Siebiu…

…haben wir ja schon vor zwei Jahren besucht. Erstaunt waren wir, was wir damals alles nicht gesehen hatten. Ok., es war heiss damals, Sibiu was nicht unser Tagesziel – und es kommt darauf an, von welcher Seite man sich nähert!

Einschub:

Überhaupt, die Reiserichtungen. Es ist erstaunlich, wie unterschiedlich ein Land erscheint, je nachdem, ob man es von West nach Ost oder von Nord nach Süd durchreist. Banal, klar, aber bewusst wird es erst, wenn man’s tut 🙂

Also Sibiu. Ursprünglich wollten wir ja nur kurz halten, schau’n, was trinken und weiter. Aber als wir sahen, was wir sahen,…















…als wir sassen und feststellten, dass wir auch hungrig waren und nachdem uns das freundliche Mädel, das dauernd von ihrem Chef angeraunzt wurde, weiter zu arbeiten und sich weniger um die Gäste zu kümmern, als sie uns also erklärt hatte, dass die Küche überlastet sei und eine Pizza resp. Spaghetti mindestens 30 Minuten dauern würden (»wollen Sie wirklich?«), da wurde uns zusehens klarer, dass wir hier wohl nächtigen würden.

Kurz und knapp: Essen kam, Chef maulte weiter, Essen war gut. Und übernachten wollten noch viele andere auch. Hotelplätze belegt oder knapp und teuer. Daher fuhren wir dann doch aus der Stadt raus und landeten dann ca. 15 km südlich in einem Motel am Kreisverkehr. Die Nacht war erstaunlich ruhig, das Frühstück ebenso erstaunlich geniessbar. Rumänisches Frühstück gibt es, glaube ich nämlich, nicht, es sei denn, Bier und Zigaretten wären die Hauptkomponenten…

Reisestatistik

Tagesleistung: 336km 05:53h 01:19h 109km/h 57km/h 46,6km/h

GPS Track Logs 2008-08-30 BaiaMare-Sibiu.kml

Technorati Tags: , , , , , ,

Dieser Beitrag wurde unter Foto, KMZ-Dateien, Reisen, RO, Rund Europa 2008 veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.