* Rund Europa 2008 – 3. Etappe: Avellino – Pompej – Cassino

Freitag, 3. Oktober 2008, 23:01 in Cassino/Italien :: Ich bin hinterher. Aitoliko – Igoumenitsa – Bari – Avellino fehlen noch 🙁


Der Vesuv vor blauem Himmel mit Engelswölkchen, ein Traum. Eben. Ein Traum. Nada, nix, niente. Wie vor drei Jahren dichte Wolken. Und die haben uns diesmal beim Gang durch die Ruinen von Pompei auch noch mehrfach durchnässt. Auf Deutsch: Der Sommer ist endgültig rum, wir adaptieren uns an’s deutsche Wetter und freuen uns auf La Palma. Aber die nächsten Tage ist noch Landschaft und Kultur angesagt.

Der Tag fing auch schon…

…so an, dass es nichts werden konnte: Das Frühstück bei frischer Luft wurde uns im **** Hotel Viva! verweigert; Lis packte 2 Minibrötchen mit Schinken & Käse ein, weil ich mich weigerte, unter diesen Umständen zu frühstücken, da bin ich eigen. Wäre ich des Italienischen mächtig, hätte sich das Servierfräulein allenfalls bis zum Abend von meiner Standpauke erholt.

Mit leerem Magen versuchten ich dann aus dieser Baustellenstadt so heraus zu finden, dass wir eine Chance hatten, Pompei zu erreichen. Das wollten wir nämlich unbedingt besichtigen.

Zu Italien – speziell Süditalien…

…reifen in mir noch Gedanken, die die richtige Ausdrucksweise finden müssen. Jedenfalls: »Albanien ist überall« wäre zu einfach. Aber warum Italien in der EU ist und Albanien nicht, das erschliesst sich nach dieser zweiten Fahrt durch Kampanien etc. noch weniger als vor drei Jahren.

Italien ist ein Land im Untergang, im Übergang vom geordneten Staatswesen zum entropischen Endzustand oder Chaos. Der Untergang Roms muss ähnlich vonstatten gegangen sein.

Wer denkt, das neapolitanische Müllproblem sei ein Lacher und der Gardrobiere Berlusconi ein unbedeutender Betriebsunfall, der irrt. Italien ist so, jedenfalls da unten und für den, der sehen will und nicht nur die Autostrada durchdonnert.

Wir fuhren gestern und heute durch wundervolle Landschaften, geprägt durch erhabene Bergwelten, durch von der herbstlichen Feldarbeit wundervoll gezeichnete Hügel. Wir fuhren durch pittoreske Orte, durch arme Dörfer, meist hoch am Berg klebend oder auf seiner Spitze tronend. Wir sahen Staufer- und Normannenburgen, fetten und übertriebenen Barock und noch übertriebeneren Klassizismus. Wir haben uns per GPS durchgeschlängelt, weil aussagekräftige Schilder immer dann fehlen, wenn man eine Entscheidung treffen muss. Oder sie sind so winzig oder verborgen, dass man sie schlicht übersieht. Alles bestaunenswert, erfreulich, akzeptabel, hinnehmbar.

Aber alles so verkommen, mir Müll und Unrat garniert, dass einem die Spucke wegbleibt. Das ist erschütternd. Wir dachten wirklich, Albanien sei Spitzenreiter in dieser Disziplin, aber der italienische Süden ist »besser«.

Wer von Griechenland nach Italien kommt.

…den ereilt der Schock. Die Agressivität der Autofahrer, die Regellosigkeit, die Rücksichslosigkeit, die Hinfälligkeit, der Müll – es ist trostlos. Und für jemanden, der das politische Geschehen in diesem Land im Hinterkopf hat, gleich doppelt.

Pompei haben wir gefunden…

…und gehörig bestaunt – trotz Regen. Nach einigen Irrfahrten und Nachfragen an Tankstellen und herumstehenden Herren fanden wir den Parkplatz direkt vor dem Eingang, wurden durch konkurrierende Einweiser auf einen Parkplatz eingewiesen, zahlen dafür 5€ und bekamen auf gewinnende Art auf einem Blättchen und vom rührenden Einweiser mitgeteilt, wo unser Auto steht, wo der Eingang zu den Trümmern ist und das das dort sein Lokal sei und dass wir die Toilette dort gerne benutzen dürfen, kein Problem. Auch zu Trinken und zu Essen hätte er in guter Qualität.

Na also. So eingewiesen und nach Verzehr eines Happens verbrannter Broschettos, hinuntergespühlt mit je einem Capucchino und einem Lemmon-Soda, das Ganze für lächerliche 18€, machten wir uns auf den Weg. Das Eintrittsgeld von je 11€ (Ermässigung erst ab 65) zahlten wir knirschend und schon waren wir drin.

Das Gelände ist riesig…

…und so hinderte uns nicht nur der Regen, uns die ganze Stadt anzusehen. Aber auch der begrenzte Eindruck nach einem Spaziergang auf der Hauptachse ist gewaltig, der Touristenstrom international und der Jahreszeit entsprechend sicher reduziert; nicht auszudenken, wie es hier zur Ferien- und Hauptreisezeit aussieht.

Fortsetzung und Bilder folgen.

Reisestatistik

Tagesleistung: 193km 05:44h 04:23h 128km/h 33,6km/h 19,0km/h

(darin ist die Zeit in Pompei enthalten enthalten.)

GPS Track Logs 2008-10-03 Avellino-Cassino.kml

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