* Neues von der Insel.

Lis ist nun schon wieder 3 Wochen hier, hat das Trottgleis gefunden und ich bin vom Dasein des Strohwitwers erlöst. Das Wetter ist i.d.R. sonnig, wolkig und windig und für die Jahrszeit eher zu kühl, was mir natürlich enorm entgegenkommt.

Ich habe in der »Verlassenheitsphase« von acht Wochen gelernt, wie man sein Frühstück morgens schnell und rationell so zubereitet, dass alles rechtzeitig beieinander ist, man also nicht alle 30 Sekunden wieder aufstehen und in die Küche rennen muss und dass das Spiegelei sich von einem alten solchen aus dem Kühlschrank noch ohne Mühe und zu viel Phantasie unterscheiden lässt. Oder das Abendessen: Garten giessen, Rettiche ziehen und Salat pflücken, Olivenöl und einen Schuss Balsamico drüber. Fertig. Los. Kulturpraxis nenne ich das.

Abendbrot

Das ist jetzt alles vorbei. Es wird wieder gesittet gefrühstückt. Mit allem was der SPAR so hergibt.

Frühstück

Der bequem-lahme Rentnertrott ist damit natürlich auch vorbei: Es muss wieder gearbeitet werden. Lack ab, Farbe drauf…

Lack abkratzen

Und sonst?

Es gab ein eher müdes Beieinandertrinken in Puerto Naos mit Musik.

Musikband Puerto Naos

Wobei man schon vorzugsweise pure Lautstärke mit Musik gleichsetzen muss. Dann passt’s. Wobei ich auch bei dieser Gelegenheit die Erfahrung machen musste, dass das Zusammenlaufen und -kommen vieler Menschen noch keine Kommunikation erzwingt; und das nicht nur wegen des Gehörverlusts durch die Musik. Aber da werden die »Alteingesessenen« hier entweder nur nicken oder anderer Meinung sein. Jedenfalls: Kontakte finden nicht möglich.

Zum Beispiel La Bombilla,…

Bombilla 1

Bombilla 2

…das ist nun hingegen was Erfreuliches. Aber auch mit diesem Thema locke ich natürlich keine Insider hinter der Palme hervor. Jedenfalls: Die Abrissverfügungen, aus irgendwelchen dämlichen Gesetzen abgeleitet, nach denen in einem 100 Meter breiten Küstenstreifen keine Bauwerke stehen dürfen (keine »Hütten« der Einheimischen, Hotels natürlich schon [Bild anklicken]…),…

Hotel Pto Naos

…sind für diesen beschaulichen Winkel am Meer nördlich von Puerto Naos ausgesetzt; gar für die nächsten 10 Jahre, wie der Besitzer der minimalistischen Taverne

(in die wir jedes Wochenende mit Elga Abendessen gehen) uns am Ende der Unterschriftenaktion berichtete.

Bombilla 3

Bombilla 4

Die Aktion richtete sich gegen das bevorstehende Abreissen der letzten gemütlichen Plätze am wahrlich nicht überall verfügbaren Strand der Insel. Was in Griechenland nicht nur auf den Inseln selbstverständlich ist, dass es zumindest an jeder Stelle, an der das Wasser den Menschen nahe kommt,…

…eine Taverne, ein Kafenion oder wenigstens einen Tisch mit zwei Stühlen…

…und eine Oma gibt, die einem erfreut einen ellenikó aufbrüht oder ein 7-Up unterm Tisch hervorzaubert, während sie fleissig erzählt – all das, so weit noch vorhanden, muss an La Palmas Ufern verschwinden. Es ist wie in der EU: Guter, hausgemachter Ziegenkäse muss auch verschwinden, in Spanien und – diesmal auch – in Griechenland.

Kneipenfrei…

…sind mittlerweile die Bucht unterhalb der Leuchttürme bei Fuencaliente (das folgende Bild noch mit Fischrestaurant hinten unterm Felsen)…

…wo nun nur noch die Saline und das kleine (aber feine!) Museum im alten Leuchtturm Besucher anlocken.

Touristen Leuchttürme

Ansonsten: Tote Hose, verbrannte Erde, Steinhalde. Der schöne Kiesstrand verlassen, wo früher die Touristen sich die Stuhllehnen der Plastikstühle in dier Hand gaben. Hervorragenden Fisch gab’s da, Arrugadas und offenen Wein. Das genoss man nach dem sightseeing. Und heute? Man fährt eben weiter »nach Hause«, denn auch in Casas el Morron bei Las Indias sieht es trostlos aus, trotz oder wegen des Stehimbiss‘.

Stehimbiss

Ambiente hatte es wohl dort einstens schon:

Auch in El Charco/Zamora…

…will der Wunsch nach einem gemütlichen Abendessen am Meer nicht aufkommen. Der Grossimbiss ist eher dazu geeignet, die Blagen mit Cola und Fritten ruhig zu stellen.

El Remo

blieb bisher verschont. Und eben La Bombilla.

Dort kann man also relativ dicht am Wasser sitzen

und auch Sonnenuntergänge erleben.

Gepflegt, aber…

…hoch überm Wasser, sitzt man ganz im Norden in El Fajana. Die Brandung, die eindrucksvoll und laut aus den Weiten des Atlantik gegen die Felsen brandet, ist weit weg. Gefahrlos und fast wie Fernsehen. Breitwand. Tavernenfeeling will daher eben auch nicht aufkommen. Es ist eher wie zuhause…

Bleibt am Ende…

…eben nur noch, den Sonnenuntergang zuhause zu geniessen?

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1 Antwort zu * Neues von der Insel.

  1. Gabi sagt:

    Ein sehr stimmungsvoller Bericht und die Photos sind wunderschön 🙂

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