Über die Krise des Journalismus…

…und seine Ursachen schreibt F!XMBR einen sehr ehlichen Artikel. Mal wieder. Der Frust war mal wieder Oberkante. Was ich verstehe.

Die Krise des Journalismus begann nicht erst mit dem Massenphänomen Internet – sie begann damit, als Kaufleute und Controller die Macht in den Medienunternehmen übernommen haben.

und

Kaufleute und Controller haben das Sagen übernommen – die sagenumwogende Vierte Gewalt hat sich der Macht des Geldes unterworfen. Was heute den freien Autoren passiert, ist bereits seit Jahren im TV-Geschäft gang und gäbe.

sind nur zwei wesentlich Aussagen daraus. Aber das Problem liegt natürlich noch mal eine Schicht tiefer und ist auch älter. Denn die Pfennigfuchser haben ja nicht aus Jux und Dollerei »die Macht« übernommen und den unschuldigen Journalismus verdrängt. Die Logik geht anders.

John Swinton, der Doyen der amerikanischen Presse und einstige Redaktionsleiter der „New York Times“:

Bis zum heutigen Tag gibt es so etwas wie eine unabhängige Presse in der Weltgeschichte nicht. Sie wissen es und ich weiß es. Es gibt niemanden unter Ihnen, der es wagt, seine ehrliche Meinung zu schreiben, und wenn er es tut, weiß er im Voraus, dass sie nicht im Druck erscheint. Ich werde jede Woche dafür bezahlt, meine ehrliche Meinung aus der Zeitung herauszuhalten, bei der ich angestellt bin. Andere von Ihnen werden ähnlich bezahlt für ähnliche Dinge, und jeder von Ihnen, der so dumm wäre, seine ehrliche Meinung zu schreiben, stünde sofort auf der Straße und müsste sich nach einem neuen Job umsehen. Wenn ich meine ehrliche Meinung in einer Ausgabe meiner Zeitung veröffentlichen würde, wäre ich meine Stellung innerhalb von 24 Stunden los. Es ist das Geschäft der Journalisten, die Wahrheit zu zerstören, unumwunden zu lügen, zu pervertieren, zu verleumden, die Füße des Mammon zu lecken und das Land zu verkaufen für ihr tägliches Brot. Sie wissen es und ich weiß, was es für eine Verrücktheit ist, auf eine unabhängige Presse anzustoßen. Wir sind die Werkzeuge und Vasallen der reichen Männer hinter der Szene. Wir sind die Hampelmänner, sie ziehen die Strippen und wir tanzen. Unsere Talente, unser Fähigkeiten und unser ganzes Leben sind Eigentum anderer Menschen. Wir sind intellektuelle Prostituierte.

zitiert nach telepolis

Swinton sagte das vor dem New Yorker Presseclub, im Jahre 1880… Aktueller geht’s nimmer. Bringen wir’s auf den Punkt: Wo der lupenreine Kapitalist sein Finger reinsteckt, da ist eben der Wurm drin. Und wer Macht hat, der nutzt sie auch. Und zwar für sich. Und Geld und Macht, naja, wem sag‘ ich das. Jedenfalls lässt sich von denen keiner und auf die Dauer straffrei ans Bein pinkeln. Journalisten sind das Produktionsmittel um Meinung herzustellen. Und zwar nicht irgendeine – aber ich wiederhole mich.

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