Wir haben ein Problem…

…das Günther Öttinger, Ministerpräsident von Baden-Württemberg, fettnapf- und trittsicher in der ihm eigenen Form im Januar vor zwei Jahren so prägnant und zugleich auffordernd auf den Punkt gebracht hat:

In einer Wohlstandsgesellschaft gibt es weniger Dynamik als in den Aufbaujahren nach dem Krieg. Wir sind in der unglaublich schönen Lage, nur von Freunden umgeben zu sein. Das Blöde ist, es kommt kein Krieg mehr. Früher, bei der Rente oder der Staatsverschuldung haben Kriege Veränderungen gebracht. Heute, ohne Notsituation, muss man das aus eigener Kraft schaffen.

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Mittlerweile ist da meines Erachtens eine Lösung in Sicht, auch wenn sich Herr Jung als Verteidigungsminister noch sträubt. Dabei bietet sich die Situation in Afghanistan doch geradezu an, Dynamik ins Geschehen zu bringen. Nachdem nun eben wieder drei Soldaten dort in Folge eines terroristischen Angriffs während des Spazierenfahrens in einer Wassergrabenlandschaft ihr Leben verloren haben – sie wurden nicht getötet und sind nicht gefallen – bietet sich im Sinne der Öttingerschen Vorstellungen doch geradezu an, »Veränderungen« auf weitere Teile der Bevölkerung auszudehnen.

Von Freunden umgeben…

Zum einen ist es ja »das Blöde«, dass wir ja überschüssiges und zugleich anwachsendes Prekariat haben, anderseits fängt gerade die Urlaubszeit an. Es ist Sommer; Sand, Sonne und einladende Wassergräben, »in unglaublich schöner Lage«. Was liegt also näher, als deutsche Urlauber mit »ein wenig Dynamik« nach Afghanistan zum Brückenbauen, Brunnenbohren und eben zu sightseeing-Touren (und so Veränderungen ins Land) zu bringen? Denn Deutschland oder Hindukusch: Das ist dasselbe. Die Reiseführer der Bundeswehr verteidigen nebenbei beides, hier wie dort. Und vor allem, und das Herrn Öttinger ins Stammbuch geschrieben: sightseeing ist kein Krieg! Oder andersrum, ist ja egal. Jedenfalls müssten wir es nicht »aus eigener Kraft« schaffen. Wir liessen schaffen. So wie hier auch. Ist doch prima. Und Fernsehen könnte ausfallen, man ist vor Ort.

…und den Russen eine Nase gedreht

Wir hätten damit auch den Russen gezeigt, wie man Probleme löst. Die zogen ja seinerzeit nach zehn Jahren unverricheter Dinge wieder ab aus Afghanistan; die in der Heimat hatten da rein gar nichts von. Beziehungsweise nur die Probleme wie damals, als die Jungs nach der Wiedereinverleibung aus der DDR wieder nach Hause kamen: Wohin mit ihnen? Eben dieses Problem käme bei meinem Vorschlag gar nicht erst auf. Vorausgesetzt, wir liessen das Programm noch ein paar Sommer laufen. Wir sind erst acht Jahre dort, also noch genügend Zeit. Ausserdem: Jetzt ham wir Krise hier, die Arbeitslosenzahlen werden steigen, auf offiziell über fünf Millionen meinen manche, das Geld wird auch immer weniger. Also, was soll’s: up, up and away



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Ein Kommentar zu Wir haben ein Problem…

  1. Anke und Silke sagt:

    Schöne Satire, Du hast mich heute noch um diese Uhrzeit ( nach einem sch… Dienst) zum Lachen gebracht!

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