Wir merken gar nicht…

…wie sich die Welt verändert. Oder wir wollen es nicht wissen.

Aber wer schon bemerkt hat, dass er/sie zum Kreis der Normalsterblichen gehört, wer Kinder im Schlepptau hat, der sollte sich für diese beiden Themen doch ein wenig Zeit nehmen.

Was wissen wir?

Diese Frage ist natürlich blöd, denn das wissen wir ja eben nicht, Kant hin, Kant her. Aber wie sich die Aktivitäten im Internet verschieben, das wurde untersucht und ist höchst betrachtenswert. Das kann man wissen. Und Schlüsse daraus ziehen. Denn es zeigt sich z.B. in dieser Untersuchung, dass das Weltwissen uns zunehmend verschlossen bleiben wird, dass wir Deutsch Sprechenden – selbst wenn wir unsere Englischkenntnisse hervor klauben – gar nicht mehr mitkriegen, was in der Welt läuft. Ok., wer Fachliteratur wie BILD und SPIEGEL liest oder in der ERSTEN REIHE sitzt, dem mag das vermittelte Trugbild der gegängelten und gehetzten Fachjournalisten ausreichen. Nur eins sollte er doch wissen:

Ich weiss nichts!

Zumindest nicht genügend, um meinen Platz und meine Situation auf der Erde aktuell und zukünftig richtig einschätzen zu können. Nur ein Beispiel:

In China waren 2008 erst 19% der Menschen online. Das waren aber schon mehr Menschen als in den USA und immerhin 17% aller Internetbenutzer. Betrachtet man dazu noch die dargestellte Dynamik der Änderungen von 2002 bis 2008 (also mal gerade sechs Jahre!), dann sollte man ins Grübeln kommen und über die Konsequenzen nachdenken.

Das zweite Thema betrifft die Tatsache, dass wir alle

Älter werden.

Irgendwann stellt man das ja fest: Die Zeit rast immer schneller, man blickt mehr zurück als nach vorne, Bedeutungen von Abläufen und Dingen verändern sich, die Knochen, die Zähne und überhaupt. Und dann weiss man irgendwann: Unsere Generation ist jetzt dran, wir sind die nächsten. Dazu kommt: Wir werden immer mehr! Und das ebenfalls weltweit. Darüber lässt sich doch schon heute nachdenken.

Aber spätestens dann, wenn man merkt, dass man da dazu gehört, reicht das nicht mehr. Dann muss man auch was tun. Nicht dass man seine gesamte Energie nun in das vorweg gedachte Endstadium unseres Erdenlebens steckt, aber doch einen Teil für die Zeit, die wir unselbstständig und zum Pflegefall werden, verwendet. Die Frage: »Wo und wie werde ich enden?« wird ja ihre Antwort finden, die aber nicht kennen. Aber beeinflussen können wir sie schon, ob durch einen Doppelten Rittberger bei 220 km/h auf der Autobahn, durch ausreichendend Tabak- und Alkoholkonsum oder durch Sich-Kümmern um einen menschenwürdigen Platz, wenn alles Davorliegende nicht geklappt hat. Und da die »Kleinen Fluchten« ins Seniorenstift nicht allen offen stehen, bedarf es eigentlich einer gesellschaftlich übergreifenden Lösung: Genügend menschenwürdige Unterkünfte mit genügend Personal, das menschenwürdige Arbeitsbedingungen vorfindet. Und wer das alles bezahlen soll, das muss auch geklärt werden. Nur so, wie das DIW sich das vorstellt, wird’s nicht gehen: Alle Lasten durchreichen bis zum »Kleinen Mann«, das f-u-n-k-t-i-o-n-i-e-r-t nicht!

Am Ende bliebe sonst nur Soylent Green. Und das wollen wir doch nicht, wir »Kleinen«…

So, das Problem…

…gibt es natürlich auch auf La Palma, um jetzt mal konkret zu werden. Und betroffen sind nicht nur die Residenten, bei denen das Geld unterm Zaun ums Anwesen hervorquillt, sondern auch ganz normale Aussteiger, Menschen, die ausgewandert sind, hier arbeiten und eben alt werden. Deutsche und Schweizer beispielsweise, die »nur« hier leben und arbeiten, werden im Extremfall abgeschoben inne Heimat, wo sie als Sozialfall im Standardset landen und dort ebenso verenden wie der zuhause gebliebene Standardrentner, durchgelegen, ungewendet und übermedikamentiert.

Die Frage, ob eine wenigstens vergleichbare Unterbringung hier auf der Insel den – wieder beispielsweise – deutschen Staat nicht kostengünstiger käme, die kann man ja mal diskutieren, zunächst auf der Insel und später vielleicht auch mit Organisationen und Behörden in den Ursprungsländern. Und vielleicht besinnt sich die EU ja auch darauf, dass das ein europäisches Problem ist, das man vielleicht nicht nach dem Klein-Klein-Verfahren sondern generell lösen sollte. Und zwar, bevor der Anteil der 80-Jährigen über 50% liegt.

Vielleicht melden sich ja ein paar Betroffene…

Links:

Zum Selbersuchen

Nur ein paar Anregungen, auswählen und lesen muss man selbst…

  • John Cowper Powys: Die Kunst des Älterwerdens: Das essayistishe Werk
  • Pat Thane: Das Alter. Eine Kulturgeschichte
  • Betty Friedan: Mythos Alter
  • Simone de Beauvoir: Das Alter
  • Frank Schirrmacher: Das Methusalem-Komplott
  • Markus Breitscheidel: Abgezockt und totgepflegt. Alltag in deutschen Pflegeheimen
  • Hannelore Schlaffer: Das Alter
  • Philip Roth: Das sterbende Tier
  • dito, Jedermann
  • Anreas Malessa: Wir jungen Alten. Die Abenteuer des Franz Rudolf Frührentner

Und zum Klicken:

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