* Griechische Geschichte…

…ist ja mehr als Klassische Heldensagen, für die Jugend »gereinigt« von Gustav Schwab. Wer es dichter am Stoff haben möchte, der sollte sich u.a. an Ernest Borneman und Das Patriarchat halten (was zwar reichlich, aber nur noch antiquarisch zu bekommen ist). Nicht nur die alten Römer trieben es toll.

Aber darüber wollte ich mich eigentlich…

…gar nicht weiter verbreiten. Es geht mir mehr um die aktuellere Geschichte, sagen wir ab »unserem Engagement« anlässlich des 2. Weltkriegs in Griechenland, das ja bis heute nicht annähert gesühnt ist; und wäre es nur durch Reparations- und Wiedergutmachungszahlungen. Zu nennen wären z.B. Kalavrita, das wir im Frühsommer 2007 besuchten.

Oder ich denke an Manolis Glezos, der am 30. Mai 1941 zusammen mit Apostolis Santas die Hakenkreuz-Flagge von der Akropolis herunter holte.

Manolis Glezos ist gebürtiger Naxiote aus Apiranthos im Nordosten der Insel. Er lebt heute zum Teil wohl wieder dort in seinem Heimatdorf. Mehrere Male haben wir ihn erlebt in der Zeit, als wir an den Staudämmen seines Basisdemokratie-Projekts mit gebaut haben; naja, Steine geschleppt eben, die Einheimischen konnten wir beim Mauerbau nicht ausstechen. Einmal, auf einer Wahlkampfveranstaltung stand dieser alte Mann auf dem Podest und hilt eine Rede wie ein echter Volkstribun; der er auch irgendwie ist. Obwohl unser Griechisch mässig ist: Wir verstanden ihn…

 

So entsteht langsam ein Bild…

…griechischer Geschichte, das sich mit dieser grössten Insel der Kykladen verbindet. Wiederum waren es Deutsche, die hier oben im Koronosmassiv ein Monopol für den Schmirgelabbau (PDF) hatten, der den armen Bauern und Hirten ein Auskommen – paradoxerweise z.T. bis heute – ermöglichte. Im 2. Weltkrieg kämpfen dann die griechischen Wiederständler hier gegen die deutschen Truppen.

Und damit sind wir in Moutsouna,…

…dem ehemaligen Verladehafen für den Schmirgel und nicht weit weg von Azalas und den wundervollen Bergdörfern, zum Beispiel Koronos. Aus diesen stammt die Familie Mandilaras.

Über den Grossvater ihrer vier Kinder, Dimitris Mandilaras (1917-2007), hat Astrid Scharlau, die mit dessen Sohn Nikos in Azalas lebt, ein Buch geschrieben: Zwei Türen hat das Leben: Erinnerungen von Dimitris Mandilaras, das sie in ihrem Weblog ausfühlich vorstellt.

Anders als sein Bruder Nikiforos überlebte er Krieg und Widerstand und hat Astrid über Jahre Rede und Antwort gestanden. All das ist in Astrids Buch eingeflossen. Und eben auch das Schicksal seines Bruders, Nikiforos Mandilaras den die Obristen auf dem Gewissen haben. Er war Rechtsanwalt und im Widerstand gegen die Junta. Er wurde tot am Strand von Rhodos angeschwemmt. Man hatte ihn auf der Flucht nach Kreta ermordet.

One of the first casualties in this initial wave of mass arrests was Nikiforos Mandilaras, the brilliant Athenian lawyer who had served as the principal defense attorney in the politically inspired Aspida (Shield) trial involving twenty-eight army officers accused of high treason.(1) His defense made a shambles of the charges which had been manufactured by the High Command of the Greek army. He exposed their fraudulent base and he paid for this humiliation of the army with his life. His body was found washed ashore on the island of Rhodes.

The Death of a Democracy: Greece and the American Conscience by Stephen Rousseas

Der Älteste ihrer beiden Buben trägt sein Namen. Und so treffen sich ganz persönliche Familiengeschichte und Weltgeschichte, auf einer kleine Insel im Zentrum der Kykladen.

Astrid erzählt auch im Internet…

…viel über Leben und Natur auf Naxos, so dass es sich lohnt, dort vorbeizuschauen. Und das Buch? Das sowieso.

Tja, und das kommt nun dabei heraus, wenn man so kramt, nach 25 Jahren Naxos…

Links:

  • Auch Alekos Panagoulis wurde ein Opfer der Obristen. Ihm hat die zornige Oriani Fallaci ein Denkmal gesetzt: Ein Mann von Oriani Fallaci. Leider nur noch antiquarisch. Was ich überhaupt nicht verstehen kann.

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