Anderer Menschen Worte…

…beschreiben meine Wut derzeit am ehesten, meine Fassungslosigkeit und meinen Schmerz über den verwahrlosten Zustand unserer Gesellschaft und Zivilisation. Und nicht zuletzt über die masslose Verblödung, die kampf- und widerstandslos über ein Volk gekommen ist, das – gebranntes Kind zweier selbst verschuldeter Weltkriege – wieder untertaucht in Dumpfheit, wieder mitmischt in Kriegen, die es nichts angehen, sich selbst wieder zum Sklaven macht, nachdem es den richtigen Weg einmal kannte und ihn begann zu gehen. Und das zuletzt alles auch noch mit den Wahlergebnissen des vergangenen Sonntags dokumentiert. Nach allem, was war und noch ist.

  Jenseits eurer … Heime steht die Welt im Flammen, und ihr entflammt für Unterwäsche! Jenseits euerer …Häuser entfaltet sich Tag für Tag Geschichte – Kriege, Bomben, Massaker –, und ihr seid blind für das alles. Nun, lange werdet ihr nicht mehr blind sein! Ihr könnt so dumm sein, wie ihr wollt, ihr könnt, wie ihr es am … Abend getan habt, leidenschaftlich euren Wunsch signalisieren, dumm sein zu wollen, aber am Ende wird euch die Geschichte einholen. Geschichte ist nämlich nicht der Hintergrund – Geschichte ist die Bühne! Und ihr steht auf der Bühne! Oh, wie abscheulich ist eure erschreckende Unkenntnis eurer eigenen Gegenwart! …

  Welcher Zeit glaubt ihr eigentlich anzugehören? Könnt ihr darauf antworten? Wisst ihr es? Habt ihr einen Begriff davon, dass ihr überhaupt irgendeiner Zeit angehört?

Philip Roth, Empörung, Hanser 2008, Seite 192

Wir bezahlen umsichtige und und gleichviel spezialisierte Wissenschaftler aller Disziplinen, die uns haarklein unseren persönlichen, gesellschaftlichen und den Zustand der Welt schildern, mit Fakten versorgen und aufzurütteln versuchen, die alles aufschreiben und veröffentlichen.

Und die einzigen, die diese Kenntnisse nutzen, sind Politiker und deren Herren – um sie gegen die zu richten, die es angeht, die danach trachten müssten, es anzuwenden, umzusetzen.

Links:

P.S.

Ein anonymer Kommentator meinte jüngst ich solle die Menschen dort abholen, wo sie seien und nicht dort, wo ich sie haben will. Ich will niemanden »irgendwo« haben. Ich bin kein Weltverbesserer. Ich teile meine Gedanken, zuweilen auch meine Gefühle mit. Und weise per Link auf m.E. Wesentliches hin. Das mag nicht für jeden üblich oder nachvollziehbar sein. Dazu nur kurz und knapp: Niemand muss es lesen. Keiner soll sich darüber ärgern.

Aber über Reaktionen und Kommentare freue ich mich natürlich – am meisten über nicht anonyme…

Technorati Tags: , , , , ,

Dieser Beitrag wurde unter Bücher, Lesen, Deutschland, Kultur + Gesellschaft veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar