* Jetzt dreh‘ ich dann durch…

und zieh‘ in ein abgeschiedenes Tal im Allgäu. Oder im Erzgebirge. Normalerweise haben wir ja himmlische Ruhe hier. Allenfalls rumpelt mal ein Bananenlastwägelchen den Hang hoch. Jetzt haben wir aber seit zwei Tagen wieder diesen Bagger, der seit letztem Jahr versucht, diesen kleinen Vulkankegel unterhalb unseres Grundstücks zu schleifen. Diese Arbeit hat er nun also seit gestern wieder aufgenommen. Auf der Terrasse versteht man wieder weder sein eigenes Wort noch die Musik aus dem Zimmer. Und der Diesel in der Nase hat auch nichts Frühlingshaftes. Denn die Sonne tut ja jetzt wieder was sie soll. Scheinen. Wärmen.

Also umziehen?

Schauen wir uns mal dieses Protokoll an, das im Internet in dieversen Versionen herumschwirrt:


12. August

Heute haben wir unser neues Haus bezogen, im sonnenverwöhnten Allgäu. Es ist herrlich hier. Die Berge sind majestätisch anzuschauen. Ich kann es kaum erwarten, sie schneebedeckt zu sehen.

Ich liebe diesen Ort.

14. Oktober

Das Allgäu ist das herrlichste Plätzchen auf Erden. Das Herbstlaub leuchtet in allen Farben von gelb über orange bis feuerrot.

Ich habe einen Spaziergang in unserer herrlichen Bergwelt gemacht und dabei einen Hirsch gesehen. Die Tiere sind wunderbar anmutig. Es sind die schönsten Tiere auf Gottes weiter Flur, gar keine Frage.

Ich fühle mich wie im Paradies.

Ich liebe diese Gegend.

11. November

Bald geht die Hirschjagd los. Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, das man so anbetungswürdige Geschöpfe einfach abknallen kann.

Hoffentlich schneit es bald.

Ich liebe das Allgäu.

2. Dezember

Letzte Nacht hat es geschneit. Beim Aufstehen war alles in weiße Watte gehüllt. Wie auf einer Ansichtskarte.

Wir sind raus gegangen, um den Schnee in der Einfahrt wegzuräumen und wir haben eine Schneeballschlacht gemacht. Ich habe gewonnen.

Als der Schneepflug vorbei kann, durften wir die Einfahrt noch einmal räumen.

Eine wunderbare Gegend, dieses Allgäu.

12. Dezember

Letzte Nacht wieder Schnee. Wunderbar.

Der Schneepflugfahrer hat allerlei Schabernack im Sinn und pflügt unsere Einfahrt randvoll.

Ich liebe diesen Ort.

19. Dezember

Letzte Nacht noch mehr Schnee.

Ich konnte nicht zur Arbeit. Der Weg war schulterhoch mit Schnee zugepackt.

Ich bin vom Schaufeln fix und fertig.

Scheiß Schneepflug.

22. Dezember

Die ganze Nacht fällt diese weiße Scheiße vom Himmel. An beiden Händen Wasserblasen von dem ewigen Geschaufel.

Ich weiß es hundertprozentig: Der Schneepflug versteckt sich gleich um die Ecke und lauert, bis ich den Weg freigeschaufelt habe.

Arschloch.

25. Dezember

Fröhliche Weihnachtsbescherung. Schneescheiße so weit das Auge reicht.

Wenn ich diese Missgeburt von Schneepflugfahrer erwische, haue ich ihm die Schnapsnase platt.

Warum streuen die eigentlich kein Salz. Auf der Rutschbahn bricht man sich ja alle Knochen.

27. Dezember

Letzte Nacht wieder Schneescheiße, was sonst.

Ich bin seit drei Tagen eingesperrt und gehe nur nach draußen, wenn der Schneepflug vorbei dröhnt. Einfahrt freischaufeln.

Ich kann nirgendwo hin. Das Auto liegt unter einem Schneegebirge.

Der Wetterfritze meint, diese Nacht kriegen wir noch einmal 25 cm von diesem Dreck. Weißt du wie viel Schaufelladungen das sind, 25 cm!!??

28. Dezember

Der Klippschüler von der Wettervorhersage hat sich vertan. Es waren 80 cm.

Wenn es so weiter geht, sind wir im Spätsommer einigermaßen schneefrei.

Der Schneepflug ist auf der Straße stecken geblieben. Der Granatendepp von Fahrer kommt an und will sich meine Schaufel ausleihen. Ich habe ihm höflich beigebracht, dass mir sechs davon kaputt gegangen sind, weil ich ständig den Schnee wegschippe, den er mir in die Einfahrt schmeißt. Anschließend habe ich meine letzte Schaufel auf seiner hübschen Pudelmütze zerschlagen.

4. Januar

Überraschung. Ich konnte heute mein Auto raus fahren. Ich bin in den Supermarkt, Vorräte kaufen.

Auf der Rückfahrt rennt mir doch ein Rindvieh von Hirsch über den Weg und voll ins Auto. 1000 € Schaden. Dieses herumhüpfende Viehzeug gehört abgeknallt. Ich
dachte, das hätten die Jäger im November schon erledigt.

3. Mai

War mit dem Auto in der Werkstatt. Ob du es glaubst oder nicht, die Karre ist total durchgerostet. Das kommt von der ewigen Salzerei hier.

10. Mai

Die Möbelpacker sind da.

Es gibt Menschen, die sich im Vollbesitz ihrer geistigen Kräfte befinden.

Und es gibt Menschen, die sich freiwillig im Allgäu befinden.

Wir ziehen zurück nach La Palma.

Herzliche Grüße aus dem Allgäu.


Ich denke…

…wir bleiben und warten, dass der aufhört mit seinem Bagger…

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1 Antwort zu * Jetzt dreh‘ ich dann durch…

  1. Günther Schäfer sagt:

    Ich kann die obigen Impressionen nachempfinden.
    Deshalb — bleibt wo ihr seid, dort schneit es wohl kaum einmal.

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