Was schon bei privaten Emails…

…mehr als peinlich ist, das wird bei unbeholfenen Politikern zum Skandal: Das durch anhaltende Renitenz und microsoftschem Unvermögen provozierte Verteilen von Email-Adressen per »Carbon Copy«, auch »cc:« genannt.

Da erreicht einen eine Email, deren Umfang im Wesentlichen durch eben diesen »cc:«-Verteiler bestimmt ist. Und der ist natürlich dann auch meist der interessanteste Teil der Email: Wen alles kennt denn der Absender? Wem glaubte er denn, diese Mitteilung zukommen lassen zu müssen? Warum ist man selbst in diesem erlauchten Kreise? Warum fehlt denn da der oder die? Und wer ist anna2763467@gmx.xx ? Oder auch die natürlich nicht beantwortbare Antwort, wieso der Absender denn diesen oder jene kennt.

Kleiner Hinweis und dann ist’s gut: »Blindkopie« oder »Bcc« heisst das Feld für Massenmails…

Aber das ist natürlich noch nicht alles

Die Dusseligkeit und Ignoranz von Politikern (z.B. Was ist noch mal ein Browser?. Wen’s interessiert: 79.000 Referenzen bei GOOGLE) treibt ja an noch ganz anderen und weitaus komplexeren Stellen irrwitzige Blüten; was nicht verwundert, wenn das mit der Email schon nicht hinhaut.

Die nun sicher keiner linken Verschwörung verdächtigen ZEIT schildert in einem Artikel ein Schauspiel der Ohnmacht, das man sich auf gar keinen Fall entgehen lassen sollte und ruft wahrlich – ein Novum – zum Aufstand auf:

Dieses Versagen der Politik zeigt an, dass weit mehr auf dem Spiel steht als Konjunktur und Staatsfinanzen. Je länger die Finanzoligarchen die Regierungen derart vorführen, umso mehr verkommt die Demokratie zu einem Schauspiel der Ohnmacht, das die Bürger gefährlichen Populisten in die Arme treibt. Schuld daran ist jedoch auch die Trägheit der Vielen, die sich zwar ärgern, aber ihre demokratische Teilhabe allenfalls auf die nächste Wahl beschränken. „Die wichtigste Lehre der Krise sollte sein, dass wir Banken keinen politischen Einfluss mehr geben dürfen, wie müssen die Macht der Wall Street brechen“, fordert Krisenexperte Johnson. Damit sind die Regierungen allein offenkundig überfordert. Es wird Zeit sich einzumischen. Wer das versäumt, bekommt vermutlich schon bald die Krise, die er verdient.

ebenda, letzter Absatz

Wenn die Regierungen »allein offenkundig überfordert«, also dazu unfähig sind: Wer soll’s dann richten? Am Ende »das Volk« selbst? Die Bundeswehr im Inneneinsatz? Am Ende der Heilige Geist?

Nun ist das alles nicht neu, trotzdem hoffe ich auf nur verhaltenes Gähnen. Denn ich denke nicht, dass es nur Ohnmacht ist, was die Politiker weltweit daran hindert, die Banken zu entmachten, zu verstaatlichen oder was auch immer, um diese kalte Übernahme durch die Bankermafia rückgängig zu machen. Sie sind Teil des Systems, das diese Ungeheuerlichkeit ermöglicht hat; ob nun wegen schamhaft hinter »nicht-populistischem Sachverstand« versteckter Dummheit oder wegen aktiver Raff- oder Geltungssucht.

Von daher vermute ich mal, dass uns von überirdischen Kräften eher keine Hilfe zuteilwerden wird. »Wir« müssten da selber ran. Und das verhindern mit Sicherheit – die Politiker. Genau die, deren Ohnmacht im ZEIT-Artikel beklagt wird.

Also wie denn nun? Richtig wählen in NRW wäre immerhin ein Anfang…

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3 Antworten zu Was schon bei privaten Emails…

  1. Reinard sagt:

    Sag‘ ich doch: Der DGB hat ein Rad ab. Man mag daran verzweifeln, besser wird’s dadurch nicht.

  2. Reinard sagt:

    @Günther: Es gab mal Zeiten, da gab es ein reges Treiben in den und der Gewerkschaften. In den Betrieben wären Ansatzpunkte, die Gewerkschaften müssten sich einmischen. Das sind Organisationen, in denen direkte Demokratie möglich ist.

    In den Parteien, oweia, da hast Du recht. Die sind derart verstümmelt, dass ein kompletter Neuanfang das Einfachste wäre. Das müssen allerdings die Jungen tun, sorry. Rentner da an die Front zu schicken ist nicht zukunftsweisend. Einige »68-er« wären als Hinweisgeber vielleicht hier und da noch finden.

    Attac ist eine Organisation, in der man arbeiten kann; sie denkt globaler.

    Ansonsten: Informieren, mit anderen reden und streiten. Der Schub muss von »der Strasse« kommen. Die Etablierten verteidigen nur noch ihren temporären Restwohlstand.

  3. Günther Schäfer sagt:

    Es wird Zeit sich einzumischen, schreibt die ZEIT.
    Genau wie du, Reinard, frage ich mich: was soll ich nun machen, wenn ich mich einmischen möchte/soll.
    Die Wahlen sind Momentaufnahmen für die nächsten Jahre. Einmischen heißt doch, sich laufend zu kümmern. Nicht nur einmal in 4 Jahren durch eine Wahl. Und überdies weiß ich doch gar nicht, ob die Partei, die ich wähle, tatsächlich macht, was sie uns „glaubhaft“ versichert.

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