Torfbrände in Russland

Dass jedes Jahr die Wälder brennen, das regt wohl niemanden auf; in Griechenland sind es häufig die Spekulanten, die Feuer legen lassen um endlich den Streifen für Hotels frei zu bekommen, auf La Palma reichten letztes Jahr ein paar Freudenböller um die Südspitze der Insel innerhalb einer Woche abzufackeln.

Alle Jahre wieder

Höppe, der die Abteilung für Georisiken leitet, warnte, dass langfristig extreme Wetterereignisse und Naturkatastrophen zunehmen und die von ihnen verursachten Schäden größer werden. Anhand der Datenbank der Munich Re, für die seit 30 Jahren Daten über extreme Wetterereignisse gesammelt werden, könne man erkennen, dass „in den letzten Jahren im Mittel drei Mal so viele schadenrelevante Naturereignisse auftraten wie noch vor 30 Jahren“. Insbesondere steige das Risiko für Hitzewellen, wie sie derzeit in Russland stattfindet, oder starke Niederschläge, vermutlich aber nicht für Tornados. Deutlich sei der Trend bei der Zunahme der tropischen Wirbelstürme und der Intensivierung in der Karibik.

Telepolis, s.u.

Jedes Jahr im Sommer kann man darüber lesen und schauerlich bewegt im Fernsehen zusehen, wie die verschwitzen Helden der Feuerwehr einen Kampf führen, den sie selten gewinnen können. Auch schon 2008 hatte ich darauf hingewiesen: Der Mensch geht mit der Umwelt um, als sei sie nicht das Nest, in dem er sitzt. Da helfen auch die schönsten und detailgenauesten Marskarten nichts: Dort wächst kein Vergissmeinnicht, kein Rosenkohl. Wir haben nur diese Erde um darauf zu wohnen. Machen wir uns nicht vor und lassen wir uns nichts vormachen: Der Mensch hat fast immer einen wesentlichen Anteil an den Miseren. Auch in Russland, wo jetzt die Torfflächen brennen, trägt der Mensch wesentliche Schuld: »Früher wurden die Flächen bewässert« sagt da einer, der’s noch erinnert.

»Gelöscht« wird steht woanders

Apropos »bewässert«: Die jährlich zunehmenden Überschwemmungskatastrophen wie jetzt wieder in Pakisten, auch sie sind weder gottgewollt noch unverhinderbar in ihren Ausmassen; der Mensch sorgt klein-klein und gross-gross dafür, dass es dazu kommt. Selbstverständlich stets in »nicht vorhersehbarem« Ausmass; das ist immer grösser »als zunächst angenommen«. Wie blind muss man sein, das zu Bier & Chips zu schlucken?

Zu den Torfbränden noch ein paar Gedanken. Vor einigen Jahren gab es im Juli/August ebenfalls eine Hitzewelle, die hier in Litauen, genauer: rund um Vilnius, den Torf entzündete. Es glostete überall, die Rauchschwaden hingen an die 14 Tage über Vilnius und dem Landkreis. Wir husteten uns zu, ob wir fahren sollten oder bleiben. Wir blieben, irgendwann kam dann der Regen, die einzige Feuerwehr, die helfen konnte. Auch in Litauen und den anderen baltischen Ländern verlanden Seen und Teiche, werden Gebiete trocken gelegt, gigantische neue Strassenzüge zerschneiden Wasserläufe, trennen Seeteile. Bauland ist das Argument, riesige Verteilzentren für Lebensmittel bzw. das, was die Industrie als solche definiert hat, die dann in die Pampa gesetzt werden.

Geht es den Menschen hier dadurch besser?

Nach mittlerweile fünfzehn Jahren Rückblick auf Litauens Entwicklung hat sich einiges verbessert. Aber der Schein trügt an vielen Stellen. Was an materiellem Konsum dazu kam, hat vieles, was wirklich besser war, verschwinden lassen; angefangen bei Brotwaren, Streichkäse… Wir vermissen vieles. Das Land wird mir Industrieschrott zugedeckt, es ist entsetzlich. Nie habe ich eine solche Anhäufung minderwertiger Güter gesehen wie hier. Und nie so viel Defektes, aufgebaut aus diesem Schrott, hinein gekippt in Länder, die gierig aufnehmen, was sie meinen zu brauchen.

Wir sägen an allen Ästen, auf denen wir sitzen, ängstlich darum besorgt unseren »Wohlstand« zu erhalten oder gar zu mehren. Genau dadurch werden wir ihn verlieren.

Und dass die USA…

ihre Umweltgesetzgebung in die Tonne getreten haben –
darüber habe ich noch gar nichts gesagt…

Links:

  • telepolis: Klimaerwärmung ist nicht mehr aufzuhalten :: Der Klimaexperte der Munich Re geht davon aus, dass extreme Wetterereignisse wie Hitzewellen oder Starkniederschläge auch in Deutschland weiter zunehmen und größere Schäden verursachen werden

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