Allergrösste Erbärmlichkeit…

…und Scheinheiligkeit offenbart sich im Zuge der Reaktionen (oder eben Nicht-Reaktionen), die der Jagd und dem »Erlegen« des Wikileaks-Sprechers durch die englische Gefälligkeitsjustiz; während Cammeron sich mit Gates in Afghanistan demonstrativ die Zeit vertreibt. Da freut sich die amerikanische Administration offen über Assages Festnahme. Da werden offizielle Forderung nach seiner Ermordung laut (von anonymen Morddrohungen ganz zu schweigen; und wodurch unterscheiden sich islamistische Fatwas von konservativ-amerikanischen Hinrichtungsforderungen?), da prostituiert sich die schwedische Regierung resp. Justiz gegenüber den USA ganz offen und missbraucht offenbar einfach-weibliche Rachegelüste von Anna und Sofia. Da repetiert der journalistische Mob artig die schein-besorgte Aussage, das Tun von Wikileaks gefährde internationale Beziehungen und Menschen, das Tun sei illegal – ein heller, aber bittere Lacher an dieser Stelle. Da demonstrieren Geldinstitute und Internetprovider ihre Unterwürfigkeit (oder eigentlich ihre Macht?). Und so weiter und so fort. Und noch immer gibt es nirgend woher Anzeichen für eine auch nur annähernd vermutbare Unrechtmässigkeit der Veröffentlichung oder der Gefährdung von Genannten; im Falle Watergate war es kein bisschen anders.

Während dessen kommen bei der Analyse täglich »Neuigkeiten« durch die eifrig (ebenfalls illegal?) berichtende Presse ans Tageslicht, bei denen man nur mit dem Kopf nicken kann: Haben wir alles schon gewusst oder doch wenigstens geahnt oder befürchtet – ein Irrenhaus, aufgestellt und betrieben von einer gedemütigten und wird gewordenen Grossmacht, deren Schlammwege durch sie selbst (mal wieder!) dokumentiert wurden.

In its landmark ruling in the Pentagon Papers case, the US Supreme Court said “only a free and unrestrained press can effectively expose deception in government”. The swirling storm around WikiLeaks today reinforces the need to defend the right of all media to reveal the truth.

Julian Assange

Aufatmen?

Da erhebt endlich ein australischer Offizieller die Stimme, da scheint sich nun doch endlich Widerstand zu gegen die amerikanisch-fundamentalistische Schaum-vor-dem-Mund-Mafia. Und ich bin sicher: Es gibt weltumspannend und auch in den USA Politiker, Journalisten und, ganz einfach, Menschen, die ihres Hirns noch soweit mächtig sind, dass sie erkennen, was hier geschieht: Die Beugung jeglichen Rechts durch eine zusehends weidwunde Exweltmacht, die zu allem bereit ist, um so lange wie möglich zu überleben. Die jeden Verrat, jede Lüge, jede Gewalt einzusetzen bereit ist, um so lange wie möglich am Ball zu bleiben. Emmanuel Todd lässt grüssen.

Ein Vorgeschmack

Dabei ist das alles nur die Ouverture. Das zeigt deutlich das gemeinsame geheime Vorgehen der USA mit China beim Klimagipfel in Kopenhagen, das auch seine Bestätigung in den »unverantwortlichen und illegalen« Cablegate-Veröffentlichungen erfährt. Australiens Regierungschefin Julia Gillard steht da offensichtlich mit ihrer Einschätzung im Widerspruch zu ihrem Aussenminister. Man sieht: In Sachen Menschenrechte ist sich die oberlehrerhafte westliche Wertegemeinschaft noch lang nicht einig. Und dass das offizielle, insbesondere konservative US-Amerika deren Mitglied nicht ist, das werden wir noch vorgeführt und zu spüren bekommen. In Sachen Klimaschutz haben sie uns als EU-Europa bereits deutlich vor die Tür gesetzt; und es kommt noch dicker, keine Sorge

‘You’re Either With Us, or You’re With WikiLeaks’ ★
(That’s the actual headline in The Washington Post, by the way). Marc Thiessen:

Some say attacking WikiLeaks would be fruitless. Really? In the past year, the Iranian nuclear system has been crippled by a computer worm called “Stuxnet,” which has attacked Iran’s industrial systems and the personal computers of Iranian nuclear scientists. To this day, no one has traced the origin of the worm. Imagine the impact on WikiLeaks’s ability to distribute additional classified information if its systems were suddenly and mysteriously infected by a worm that would fry the computer of anyone who downloaded the documents. WikiLeaks would probably have very few future visitors to its Web site.

Maybe we could have a curse or magic spell put on them, too. (Via Mat Honan.)

http://daringfireball.net/

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