Wer lange genug…

…auf dieser Erde seiner Wege gegangen ist, der hat – so er nicht ständig den Kopf in den Sand steckt – sicher auch schon fest gestellt, dass man nicht primitiv genug denken, das Schlimmste unterstellen darf um die Realität richtig einzuschätzen.

Beispiel gefällig?

Telepolis berichtet, dass Amazon dazu ein Paradebeispiel abeliefert hat. Bekanntlich hatte der Speicherdienst von Amazon WikiLeaks von seinen Speichern geworfen; natürlich hatte niemand aus der US-Politikerkaste darauf aufmerksam gemacht, dass das doch eine heroische Tat wäre. Und so taten sie es aus freien Stücken, allenfalls mit einem bedauernd tieferhängenden Mundwinkel…

Aber wenn man aus irgendetwas Geld machen kann, dann fallen bei einem anständigen Kapitalisten alle Masken und Bedenken.

Dass paypal nach nur wenigen Tagen die Spendengelder für WikiLeak wieder frei gegeben hat, registrieren wir mal gnädig.

Was noch auffiel…

…sind zwei Nachrichten bei tagesschau.de die zeigen, wie sich die Redaktionen dort eine ausgewogene, ordentliche und umfängliche Berichterstattung vorstellen; denn man will ja ab nächstem Jahr wohl die Unterhaltungszwangsabgabe (und BILD steht uns wie gewohnt vorbildlich zur Seite…) einführen und dafür auch was bieten. Aber was?

Da ist zum einen der lückenlose Bericht über die anstehende mögliche Begnadigung von Jim Morrison, der seit 39 Jahren auf dem Père Lachaise in Paris ruht und über eine hinreichend genaue Schilderung der seinerzeit zu seiner Verurteilung führenden und eventuell ausschlaggebenden Oralsexorigie auf der Bühne. Die goutieren wir natürlich mit kontrolliertem Widerwillen und kommen nach kurzer Erholung zu dem Schluss, dass man nach der langen Zeit eigentlich – et cetera pp.

Und dann haben wir zum zweiten da die eher zurückhaltende Mitteilung über den Stand der Causa Assange und zum x-ten Mal erfahren wir im Kasten am Ende der Suada in kühlem Ton eine nicht weiter ausgeführte Sensation:

WikiLeaks-Kopf Julian Assange wird von zwei Frauen beschuldigt, bei einem Aufenthalt in Schweden im August mehrfach von ihnen ungeschützten Geschlechtsverkehr verlangt und diesen auch durchgesetzt zu haben.

Zu detailreicheren Ausführungen war wohl kein Platz, weder im Kasten noch im Kopf des Redakteurs. Aber das geneigt Publikum interessiert sich doch brennend dafür, wie der Teufelskerl das geschafft hat: »mehrfach« (also mehr als zweimal?) und das bei zwei Frauen. Ich war bisher der Ansicht, dass normal veranlagte Frauen nach einer Vergewaltigung die Schnauze voll haben. Es bleiben, da nähere Angaben fehlen, nur drei Erklärungen: Die Frauen sind nicht ganz richtig im Kopf, der CIA hat ihn ihnen verdreht oder Assange ist in jeder Hinsicht ein saustarker Typ.

Aber das wäre dann eben mehr als Oralsex auf offener Bühne. Da greift dann endgültig der JMStV, insbesondere der in neuer Machart.

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2 Antworten zu Wer lange genug…

  1. Reinard sagt:

    In Schweden ist es ja nun auch saukalt…

  2. Brigitte sagt:

    Ach Reinard, wenn die CIA einem den Kopf verdreht, dann kann man ja nicht mehr richtig im Kopf sein. So was schüttelt sicher einiges durcheinander. Ach ja, die eine der Kopfverdrehten Frauen soll sich nun abgesetzt haben, ins Jordanland oder so.
    Und ja, saustark ist der Mann schon, in vielerlei Hinsicht … vermutlich 😉

    Liebe Grüsse aus der Schweiz
    Brigitte

    ah ja, es soll übrigens tatsächlich Frauen geben, die lassen sich gerne mal vergewaltigen. Aber gleich zwei davon zu finden … da braucht Mann schon sehr viel Glück

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