* Sie hat’s wieder geschafft…

…, die Zeit: Es sind mehr als vier Wochen vergangen, die Tage vergehen im Fluge, was man sich vornimmt, passiert dann nur zum Teil oder gar nicht oder ganz was anderes. Und übermorgen ist Weihnachten. Lis fügt die letzten Bilder in den Jahresbrief und ärgert sich mit dem Layout herum – aber dazu dann in ein, zwei Tagen mehr. Man ist ja, bis auf wenige Ausnahmen, nicht mehr auf die snail mail, die papierne Briefpost angewiesen; auch wenn einige das bedauern, wir erleben die Freiheit der schnellen Kommunikation als sehr positiv.

Nur: Was nützt das? Die Zeit ist immer schneller…

Vorlesekultur

Fangen wir also mal damit an, dass ich endlich über einen sehr schönen Abend in Puntallana berichte. Die dortige BILA, die Biblioteca internacional en lengua alemana

hatte am 19. November zu einem Vorleseabend geladen. Ich weiss, man nennt das »Lesung«, aber es wurde ja vorgelesen. Und zwar von Wolfgang Welter, seines Zeichens Schauspieler von Beruf, mit seiner Frau auf La Palma weilend und ganz offensichtlich mit Energie geladen, denn der Abend war lang und sehr vergnüglich.

Anwesend immerhin so an die zwanzig Hörbegierige, bevorzugt natürlich von der Ostseite; nur fünf »Westler« waren wir glaube ich, denn Puntallana liegt nun mal nicht auf der Strecke zwischen Todoque und Los Llanos.

Aber diese wundervolle kleine Bibliothek, voll gepackt mit Literatur, Bildbänden, Zeitschriften – schon alleine ihretwegen lohnt ein Besuch dort immer – wenn offen ist und man wirklich Muse mitbringt;…

…oder dann Bücher mitnimmt, was immer gegen eine kleine Spende möglich ist. Persönliche Daten werden nicht erhoben, einen Ausweis gibt es auch nicht.

Von Adam und Eva,…

…im Paradies von Mark Twain scharf beobachtet, ausgehend erfuhren wir von allerlei literarischen Geistesgrössen wie Christian Fürchtegott Gellert aber auch von der verschmitzten Elke Heidenreich wie es bestellt ist um Mann und Frau. Und wer sich da nicht andauernd wie ein Tanzbär am Nasenring herumgeführt vorkam, der (oder die!) wusste spätestens hernach, was so noch auf einen zukommen kann. Köstlich war’s.

Von wem noch vorgelesen wurde bei jener Lesung? Wird nicht verraten. Nur so viel: Der Urlauber Welter hat nach dem letzten heftigen Applaus und seiner fast bis zur Erschöpfung vorgetragenen Zugaben öffentlich gelobt, im März nächsten Jahres wieder da zu sitzen und zu lesen bzw. vorzulesen. So lange heisst es – abwarten…

Ok., eins doch noch, zum Abwinken

Der andre Mann

Du lernst ihn in einer Gesellschaft kennen.
Er plaudert. Er ist zu dir nett.
Er kann dir alle Tenniscracks nennen.
Er sieht gut aus. Ohne Fett.
Er tanzt ausgezeichnet. Du siehst ihn dir an…
Dann tritt zu euch beiden dein Mann.

Und du vergleichst sie in deinem Gemüte.
Dein Mann kommt nicht gut dabei weg.
Wie er schon dasteht – du liebe Güte!
Und hinten am Hals der Speck!
Und du denkst bei dir so: »Eigentlich…
Der da wäre ein Mann für mich!«

Ach, gnädige Frau! Hör auf einen wahren
und guten alten Papa!
Hättst du den Neuen:
in ein, zwei Jahren ständest du ebenso da!

Dann kennst du seine Nuancen beim Kosen;
dann kennst du ihn in Unterhosen;
dann wird er satt in deinem Besitze;
dann kennst du alle seine Witze.
Dann siehst du ihn in Freude und Zorn,
von oben und unten, von hinten und vorn…

Glaub mir: wenn man uns näher kennt,
gibt sich das mit dem happy end.
Wir sind manchmal reizend, auf einer Feier…
und den Rest des Tages
ganz wie Herr Meyer.

Beurteil uns nie nach den besten Stunden.
Und hast du einen Kerl gefunden,
mit dem man einigermaßen auskommen kann:
dann bleib bei dem eigenen Mann!

Erich Kästner

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3 Kommentare zu * Sie hat’s wieder geschafft…

  1. Brigitte sagt:

    Lieber Reinard und liebe Lis

    wir wünschen euch frohe und besinnliche Weihnachten

    Liebe Grüsse
    Brigitte

  2. Erich sagt:

    Nachdem ich das Gedicht von Kästner gelesen habe, bin ich beruhigt, zumindest etwas.
    Ich achte verstärkt auf Deine Bildbeiträge und ihre Darstellung-schärfe sozusagen meine Sinne. Anordnung Text/Bilder hat mich angesprochen. Wie Du die Innenaufnahmen so gut bekommst, bleibt mir ein Rätsel. Muss wohl mit an „Digi“ liegen ?

  3. Günther Schäfer sagt:

    Sehr hübsch ist sie eingerichtet, diese Bibliothek.
    Noch besser hat mir der „Kästner“ gefallen.
    Wie aus dem wahren Leben !

    Ein schönes Fest euch beiden.

    Chap

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