Wenn es nichts mehr zu klären gibt,…

…wenn Tarnen und Täuschen, wenn selbst Lügen nicht mehr hilft, wenn der Schmu offen zutage liegt, wenn Doktorväter entweder gepennt oder schlicht Gefälligkeiten erwiesen haben, wenn Wissenschaft droht, der Lächerlichkeit anheim zu fallen, wenn schriftlich alles schön nebeneinander liegt, wenn es nichts mehr zu prüfen oder zu klären gibt: Was dann? Dann muss man die Konsequenzen ziehen. Das wäre normal. Aber wie Politiker so im Schnitt gestrickt oder geworden sind, läuft alles ganz anders. Dann kommt die Stunde der Abwiegler, der ganz Gescheiten, der Dummbeutel, der hilfreich zur Hand gehenden Kommentatoren – kurz all derer, die überhaupt nicht verstehen können, worum es geht und derer, die genau wissen, was es bedeutet: Es geht nicht um Ehrenkäserei, nicht um Klein-klein, es geht um die Grundfesten der Wissenschaft. Es geht um das Vertrauen darauf, dass nach strengen, festen und verlässlichen Regeln gearbeitet und geprüft wurde, auf die Verlass sein muss.

Aber der Mensch ist vergesslich und dem Normalbürger ist es dazu hin wohl tatsächlich nicht zu vermitteln, warum hier und da ein Pärchen vergessene Tüttelchen oder ein paar Fussnoten hin oder her ein solches Gedöns wert sein sollen. Dass hier ein fundamentales Fehlverhalten sowohl des Doktoranden wie seiner Betreuer vorliegt, das beurteilt jemand, der eigenständig eine Dissertation angefertigt hat, ganz anders.

Du sollst jederzeit tugendsam erscheinen, auch wenn wir alle wissen, dass diese Aufgabe selbst Herkules nicht lösen könnte. Du sollst besser sein als wir, sonst wählen wir dich nicht. Dabei ist die Bereitschaft des Wählers zur Selbsttäuschung unerschöpflich. Habe Mut, dich deiner eigenen Dummheit zu bedienen: Beim Geschacher um Ministerposten gehen Wählern die Augen über, wie weit menschliches Ingenium reicht.

Goedart Palm: Zum Elend politischer Selbstinszenierung

Niemand hat den Herrn zu Guttenberg gezwungen zu beweisen, dass er auch zu wissenschaftlichem Tiefbaggern in der Lage ist, der Wellenreiter vom Aussenamt hätte ihm da raten können. Wenn Aussenamt ohne Fremdsprachen, dann geht Wirtschaft und Krieg auch ohne tief schürfende Verfassungsvergleiche. Aber wenn man an sich den Anspruch stellt, »etwas Eigenes« zuwege bringen zu wollen, dann muss man eben dem Hirn auch etwas eigenes entwinden und zu Papier bringen. Wie gehaltvoll es dann ist, das zu beurteilen ist dann Sache des Betreuers und seiner Gutachter. Dass nun offensichtlich beides nicht geklappt hat, ist ein schwerer schlag ins Kontor der Wissenschaft; soweit Juristerei da dazu gehört jedenfalls. Aber Gefälligkeitspromotion ist wohl selbst dort nicht usus oder lege artis, um im Jargon zu bleiben…

Nachtrag:

2011.02.18, 11:24 :: Mittlerweile rührt sich der Wissenschaftsbetrieb. Mal sehen, ob durchgeatmet werden darf.

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1 Antwort zu Wenn es nichts mehr zu klären gibt,…

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