* Es hätte ihm einerseits sicher gefallen…

…das Hamburger Wahlergebnis: mit Murren hätte der einstige Wahlhamburger wenigstens zur Kenntnis genommen, dass sich da was bewegt hat. Zu wenig für den aufbrausenden Teilnehmer am medialen Politikbetrieb, der im Hirn viel vollbringen hätte wollen wenn er geglaubt hätte, es hätte denn helfen können. Guttenberg hätte ihm mit seinem miesen Verhalten den Puls völlig nach oben getrieben.

Den Beweis, dass medialer Konsum nicht zwangsweise zur Verdummung führen muss, den hat er immer wieder geliefert, wenn wir abends feurig am diskutieren waren. Der Rum war es nicht. Es war das machtlose Erstaunen, das Nicht-wahr-haben-wollen dessen, was einem da geboten wird. Was man Unverdaubares hingeworfen bekommt. Und was die Mehrheit dennoch still aufnimmt und verdaut.

Seine Vorstellungen sammelten sich in seinem Hirn, auf irgendwelchen Papieren, hin und wieder im Computer, zuweilen aber auch in winzigen Notizbüchlein, bei Gelegenheit hervor geholt um glucksend daraus vorzulesen, was ihm wieder aufgefallen war, was man verarbeiten müsste und wozu es doch nie kam.

Und nie mehr kommen wird. All die Schoten, die Episoden, genüsslich oder doch wenigstens mit Emphase zum besten gegeben, eingebettet oft in das Damals: alles schon in der Vergangenheit zurecht gelegt und verpackt, so wie jetzt auch unsere noch nahen Erinnerungen.

Ich konnte ihn ein zweites mal nicht retten. Ob möglich oder nicht, es kam dazu nicht. Ich wäre wohl auch zu spät gekommen. Er ist gestorben, bei laufendem Fernsehgerät. Allein.

Das Wort „nie wieder“ drängt sich überall hervor in diesen Tagen, nichts stimmt mehr bei unseren Blicken in die Zukunft.

Wir haben einfach einen guten Freund verloren.

Heinrich Heine: Narretei

Ich habe verlacht, bei Tag und bei Nacht,
So Männer wie Frauenzimmer,
Ich habe große Dummheiten gemacht –
Die Klugheit bekam mir noch schlimmer.

Die Magd ward schwanger und gebar –
Wozu das viele Gewimmer?
Wer nie im Leben törigt war,
Ein Weiser war er nimmer.

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Ein Kommentar zu * Es hätte ihm einerseits sicher gefallen…

  1. Günther Schäfer sagt:

    Ist es unhöflich zu fragen, von wem Du sprichst ?

    Schöne Grüße aus dem sonnig-kalten Pfullingen
    Günther

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