* RundEuropa 2011: Zerfällt die EU…

…wieder, noch ehe sie was dargestellt hat?

Als wir Anfang des 21. Jahrhunderts begannen, uns ein Reisekonzept auszudenken, waren da noch einige Grenzen zu überwinden: Nach Polen standen wir 2001 fast vier Stunden auf der Oder-Brücke…

…an der Grenze zwischen Litauen und Lettland ärgerte uns 2003 ein »Flintenweib« des lettländischen Zolls so, dass ich ihr die Papiere abnahm, illegal wendete und wutentbrannt nach Litauen zurückfuhr.

Ein Jahr später war dann The great wide open,…

…die 5. EU-Erweiterung hatte die ganzen schönen neuen Grenzgebäude Makulatur werden lassen; gelangweilt schauten einem zu Anfang die vereinzelten Grenzer noch hinterher. Aber man fuhr durch und sucht an den Übergängen nach Hinweise, wo denn mal die Grenzanlage war;

manche fielen sehr schnell, andere stehen noch heute. Man könnte sie ja mal wieder gebrauchen, siehe Italien, Frankreich und Dänemark.

Dass wir noch 2005 in Kappelskär (Schweden) bei der Fahrt auf die Fähre nach Lettland von einer jungen schwedischen Zollbeamtin zurück gewiesen wurden, weil wir keine Reisepässe dabei hatten, ist da eher ein Kuriosum.

Ihre ältere Kollegin, herbeigeeilt nach meinem anhaltenden und immer heftigeren Protest, hat ihr das dann erklärt, wie das ist mit Europa…

Und meine Erlebnisse in Belarus gelten hier nicht: Europa aber nicht EU.

Und was gibt’s heute zu erklären…

…zehn Jahre nach unserer ersten RundEuropa-Fahrt, sieben Jahre nach der Osterweiterung? Fortschritte?. Eher nicht, es bröselt. Dänemark will dicht machen, Frankreich und Italien ebenso, Griechenland, Portugal, Spanien und andere werden in den Untergang gespart, die Visegrad-Gruppe (PL, CZ, HU, SK) macht einen neuen Militärclub auf, weil sie der NATO nicht mehr über den Weg traut, die Merkeline, Abziehbild einer Kanzlerin, lügt uns was vor von urlaubenden und die Frührente geniessenden Südländern – es ist alles andere als erfolgreiche Europapolitik, was da so abgeht; und ich nenne ja nun gerade mal die grössten Hämmer. Über den sich überall ausbreitenden Rechtradikalismus (»Rechtsruck« halte ich für einen Euphemismus) in der EU wäre gesondert zu reden. Oder hab ich schon was noch Dickeres vergessen? Der Kopf schwirrt einem ja, wenn man so tagsüber die Nachrichten verfolgt; als Rentner hat man ja Zeit…

Und wenn dann einer mal…

…einer klar seine Meinung sagt? Dann wird er als Arschloch ausgebuht. Die Sitten werden rauher, Rechts macht’s möglich…



Jedenfalls…

…werden wir uns das reale Europa wieder aus der Nähe ansehen: Berlusconis Italien (in der Hoffnung, dass wir jeden Morgen unser Senfle noch mit allen vier Reifen vorfinden), Albanien (der Unterschied zu Dänemark? Höchstwahrscheinlich freundlichere Grenzposten) und die Gebirgsdörfer in Griechenland, fernab von der Metropole Athen, in der ja im Wesentlichen all das abläuft, was der Nichtgrieche so unter »Griechenland« subsummiert; wir werden Menschen treffen, die hart arbeiten und deren Lebenskampf sich von den Abgehängten im Superland Deutschland vielleicht dadurch unterscheidet, dass Familien noch bestehen und zusammenhalten.

Eben. Mal sehen.

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3 Antworten zu * RundEuropa 2011: Zerfällt die EU…

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  2. Reinard sagt:

    Es gibt viele Initiativen, Petitionen, Demonstrationen. Viel wäre schon geholfen, wenn sich alle hinreichend informieren würden. Die Mainstreammedien tun ja das Gegenteil. Was derzeit geschiet, ist wirklich gravierend – negativ. Es ist letztlich Volksverhetzung, was Merkel und die Medien betreiben. Europa ist für die meisten Menschen nichts wertvolles.

  3. bernd froehlich sagt:

    hallo viele gruesse aus der provance, wo wir unsere schlimme lage am pool und grandiosem essen zu ertragen versuchen. auch ich bin bei weitem nicht mit allem einverstanden, aber mal ehrlich was macht jeder einzelne von uns dagegen? ich erinnere mich noch an eine zeit bei der wir gegen das packeis von grönland zu felde gezogen sind. wo ist die kritische jugend, wo die linken alternativen? etabliert und angepasst geniest sie ihrer arbeit lohn an den schönsten plätzen der welt und ist sich keiner schuld bewusst. sie fahren in die schweiz und schauen nach ihren konten. so wird sich am system wohl nicht verändern sondern wie vor rund 75 jahren wo alle nichts gewusst haben wollen und dies keiner wollte und schon immer gewusst hat was man dagegen machen müsste. Und trotz alle dem bin ich der überzeugung, dass es langsam und mit hindernissen immer ein wenig beser wird.

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