* Unser Leben auf der Baustelle…

…das ist, ich gebe es zu, etwas übertrieben formuliert. Aber unser Leben mit der Baustelle oder Kiesgrube, das ist nicht übertrieben. Leider.

Wer uns je besucht hat, weiss welch nahezu himmlische Ruhe uns umgibtab. Blick in die Bananen, zur Caldera und dem Roque, nach Westen winkt Florida. Am Morgen zwitschern und singen die Vögel zum Frühstück auf der Terrasse, Tauben, Reiher und Papageien fliegen vorbei, zuweilen steht ein Falke über uns. Unter uns ein Häuschen, dahinter zwei kleine Vulkänchen. So war das, zuletzt hatte ich im Mai 2010 darüber berichtet. Da war der Landschaftsabbau schon zögerlich und mit Pausen zugange.

Die Dynamik nimmt zu

Mittlerweile hat das Entfernen der Vulkankegelchen enorme Fortschritte gemacht. Jeden Morgen erfolgt ein hartes Erwachen gegen kurz nach Sieben, in der frühestmöglichen Morgendämmerung: Die LKWs piepsen beim Zurücksetzen, der Bagger wirft den Motor an und dann donnern die ersten Brocken auf die Ladefläche.

Eine Freundin, die uns besuchte, machte sich danach auf den Weg zum Katasteramt. Sie erfuhr, was uns verwehrt war: Der Eigentümer des Geländes darf vier Jahre lang buddeln (also bis 2013!) um hernach (angeblich) die entstehenden Terrassen zu bepflanzen. Was derzeit keiner glauben mag…

Das Häuschen unseres Nachbarn, direkt an der Baustelle, ist eigentlich nicht mehr bewohnbar. Ob Ruhe suchende Urlauber sich dort erholen könnten, bleibt zweifelhaft.

So landet man, ohne sich zu bewegen, aus dem Paradies unversehens an der Baustelle. Dabei meint es der Wind derzeit gut mit uns, wenn der auf Nord, Nordwest dreht, dann kommen wir mit dem Staubwischen prinzip-bedingt nicht mehr nach.

Trost?

Da hilft es gar nichts, dass man Vulkane auch anders entfernen kann, wie z.B. den Krakatau. Und dass an anderen Stellen neue tatsächlich oder möglicherweise entstehen, auch nicht so richtig.

Und dass ein Steinbruch noch kein Asphaltwerk ist das die Luft verpestet, das stimmt auch.

Warten bis 2013?

So bleibt uns wohl nur, bis 2013 den Lärm der Motoren von Bagger und LKWs und der polternden Vulkanteile von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang zu ertragen und zu hoffen, dass endlich Sturm und Regen kommen: Dann können die da unten nicht arbeiten und wir sitzen bei geschlossenen Türen drinnen, was – beides zusammen – vor Lärm doppelt schützt…

Und dass dort unten dann wirklich wieder »blühende Landschaften« entstehen.

Ja, und jeden Tag mit ein paar Fotos den Fortschritt zu dokumentieren. Eines Tages schaut die dann jemand an und wir erzählen dazu die Geschichte von den zwei Vulkankegeln, die da mal jedes Frühjahr an den Wochenenden den brüllenden Kaninchenjägern und ihren Hunden als Ausguck dienten; bis zu dem Tag, an dem Raupe und Bagger kamen.

Ja, das Paradies…

…sieht anders aus. Aber ich weiss, was jetzt kommt: Sieh‘ nicht alles so eng, so negativ, so…

Genau, positiv sein, Ärmel aufkrempeln…

Franz Josef Degenhardt, * 3. Dezember 1931; † 14. November 2011

Auch er…

…, Georg Kreisler, schilderte uns Jahrzehnte die reale Welt ganz positiv, Lied für Lied.


Georg Kreisler, * 18. Juli 1922; † 22. November 2011

Ja, da haben uns zwei grosse Zeitgenossen kurz nacheinander verlassen. Aber sie haben uns was hinterlassen, was Positives…

Ok., und ohne mich zu vergleichen und in eine Reihe stellen zu wollen, jetzt von mir auch noch was Positives. Anlass war am 11.11.11 der 11. Geburtstag einer der Töchter unserer Freundin auf Naxos:



Die Geschichte mit den vier Elfen (PDF, 1.6 MB), die die Welt erschaffen – aus Vulkanbrocken 🙂

Viel Spass beim Lesen.


Nachtrag:

2011.11.25, 16:54 :: Links:

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1 Antwort zu * Unser Leben auf der Baustelle…

  1. niels sagt:

    tolle Vulkanismus-Filme (am Schluss)!

    Liebe Grüße,
    Niels

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