Apple – so eine Geschichte

Ich bin kein Fan, ich war und bin – mittlerweile – ein user, der in Ruhe sein Ding machen möchte. Und ich dachte, ich hätte den sturmfreien Hafen gefunden, aber…

Als ich 2003 von Microsoft endgültig die Schnauze voll hatte – und man muss das in dieser Deutlichkeit so ausdrücken – habe ich mich natürlich um Apple gekümmert, LINUX war mir (bis heute) zu experimentell. Wir waren auf der LINUX-Messe in Karlsruhe. Und da war ein Apple-Stand. Aber gemach, erst die Vorgeschichte.

Ich habe mich seit 1970 um Computer gekümmert, sie programmiert, eingesetzt und »missbraucht«. Ich galt manchen als der, »der mit dem Lötkolben programmiert«. Ich habe eine PET von Commodore mit der Seriennummer 1004, habe geschraubt bis über die Jahrtausendwende – ich wollte dann nach 2000 irgendwann nur noch Ruhe haben und Computer endlich nur noch nutzen, ohne Ärger und eventuell sogar in Harmonie mit der Technik. Digitale Kameras waren mittlerweile eine Alternative zur alten Analogen geworden, neue Felder taten sich auf. Herausforderung sollte gestern sein.

Apple war’s!

Zu diesem Zeitpunkt bot Apple die »Nachttischlampe« an. Sie stand in Karlsruhe auf dem Stand. Mit einem Betriebssystem, an das alles von Microsoft nicht heranreichte, obwohl die Firma zu dieser Zeit mit XP einen Zustand erreicht hatte, den man mit einigem Wohlwollen eigentlich als erträglich bezeichnen konnte. Notabene: Ich war wirklich einer der ersten, die Windows in Form eines Stapels Disketten und mit ernsthaft gemeinten Anwendungen in Händen hielt, wurde aber nie ein Freund davon.

Der erste Mac…

…war nach der »Erleuchtung« in Karlsruhe ein PowerBook, 17 Zoll in der Diagonale, voller Speicherausbau – es war ein Fest. Die interne Festplatte hatte 80 GB, externe Platten hingen via FireWire dran. Und alles lief wie am Schnürchen. Abstürze? Nein, Vergangenheit. Photoshop musste ich neu erwerben, der Kundendienst wies mir (augenzwinkernd) den Migrationspfad. Ich durchwühlte das Internet nach Software und fand mehr als alles, was ich mir unter Windows je hätte wünschen oder vorstellen können.

OSX 10.3…

…war zu dieser Zeit in. 10.5 war dann ein Meilenstein. Doch dann erfolgte der Bruch: Der PowerPC wurde abgeschafft, INTELs CPUs erzwang Rosetta, wer immer vorne mit dabei sein wollte, musste sich für ältere Software damit anfreunden. Und es wurde schwieriger: Betriebssystem und Anwenderprogramme begannen, richtig Fehler zu haben, die Dinge kamen z.T. grün auf den Rechner und reiften dort, teilweise in enger Kooperation zwischen Entwickler und Kunde; mehrfache Varianten pro Tag waren keine Seltenheit. Aber man merkte, es bewegte sich was und es machte auch irgendwie Spass.

10.6 und endgültig 10.7, der Lion erzwangen dann neue Hardware, auch wenn der PowerPC-iMac lief und lief. Wir hatten jetzt 2011. Und die Frage stand an: Wie weit will ich hinterher hinken?

Auch die iPods,…

…, die so langsam dazu gekommen waren, liefen. Mit dem iPod touch und damit allem Wichtigen in der Hosentasche war klar: Mit Mac- dann Me-Account bei Apple war endlich die Integration erreicht, alle Geräte hatten automatisch und jederzeit die aktuellen Daten – Adressen, Kalender, Passwörter etc. – es konnte Ruhe einkehren für zwei PowerBooks, den iMac und den Mac mini, der mittlerweile wegen der INTEL-Geschichte dazu gekommen war. Sie glichen sich miteinander ab, genauso wie die beiden iPods und der zuletzt dazu gekommene iPad, s.w.u.-

Gut, zuweilen holperte es nach dem Wechsel zu Me-com erheblich, Adress-Dubletten, zehn mal dieselbe Telefonnummer bei Müller’s Fritz, die iDisk für den Rest der geteilten Daten lief nie so richtig rund, dafür kamen aber DropBox, Wuala und Co. als kostenlose Helferlein.

Das iPad dann,…

…2010 der Schlager schlechthin, machte die computergestütze Welt fast zum Paradies: Egal wann und wo auf welchem Gerät: Es war alles da, alles synchron, auch die eBooks von Amazon und Apple; letztere – und das war das erste Alarmsignal – nur auf den iOS-Geräten. Selbst den Wechsel von Mac.com zu Me.com, dessen Sinn ich nie kapiert habe, überstand also dieses geniale und einmalige Konzept: Ohne Frickelei, ohne fremde Software, einfach so per Betriebssystem mit Wurmfortsatz hatte man alles beisammen.

Mit dem Schneeleopard,…

…also der Version 10.6, zog dann so langsam die drohende Wolke heran. Auch Apples neues Rechenzentrum wurde zu der Zeit fertig, irgendwas »Sinnvolles« hatte Apple damit ja wohl vor. Alle waren gespannt. Ein kostenloses Me.com mit erweiterten, eine über die restlichen Cloudlösungen sich erhebende echte Apple-Lösung war überfällig.

Nebengleis: In dieser Zeit baute Microsoft seine Vista-Bauchlandung, also ein für Apple gefahrloses Geschlingere. Auch das hätte einen warnen können.

10.6 brachte auch den AppStore für OSX, an sich eine schicke Sache, nichts dagegen zu sagen. Doch irgendwie gehörte der zur drohenden dunklen Wolke am Horizont. Und dann das Riesentamtam mit OSX Lion, der Version 10.7., von einer kritiklosen »Fachpresse« und von deren Feierabendredakteuren entzündeten Medienfeuerwerk begleitet und gefeiert und gelobt und… Kosmetik und Verkindlichung als Schlagstöcke für die Werbetrommel, das erste Betriebssystem ohne DVD mit ebendiesem drauf, das ganze für 25 €; einziger Migrationspfad auf INTEL-Beinen via 10.6. Das war mehr als Wermutstropfen. Aber nicht der einzige.

Ich habe es jetzt im Herbst dann eben geholt. Die meisten der fantastischen »Errungenschaften« habe ich mittlerweile erfolgreich abgestellt und kann nun tatsächlich wieder arbeiten, aber hierdurch immerhin für unnötige 25 € weiterhin »fortschrittliche« Software nutzen. Gemische Defekte hat der Löwe immer noch. Auch manche alten Programme laufen nicht mehr, werden nicht mehr unterstützt, ein Verfahren, für das traditionell eigentlich Microsoft bisher den Ersten Preis beanspruchen konnte. Mittlerweile muss man aber neidlos erkennen, dass DOS immer noch läuft und die Software des vorigen Jahrhunderts darauf ebenso.

Nicht so bei Apple: Innerhalb von nicht einmal 8 Jahren sind Investitionen in Hard- und Software, die schon mal in die Tausende gehen, obsolet. Man hat nur die Wahl, sich von der Entwicklung abzukoppeln oder voll funktionsfähige und hinreichende Hardware zum Sondermüll zu stellen, aktuelle Hard- und Software zu kaufen und funktionsfähige Software absaufen zu lassen.

Und dann die Wolke

iCloud nennt sich mittlerweile diese damals schon drohende Wolke, der dritte Anlauf Apples, Daten allgemein zur Verfügung zu halten, in der Wolke eben. Schön und gut. Man hätte nun denken können, DropBox, Sugarsync, Wuala und wie sie alle heissen, sie hätten ja jahrelang erfolgreich vorgemacht, wie das geht. Man hätte also von Apple in dieser Angelegenheit den Knaller schlechthin erwarten können.

Und? Pleite auf der ganzen Linie. Ausser dass die Kinder ihre in iTunes gekauften Schlagerliedchen und die Yuppies ihre iPhone-Fotos über den Äther auf jedes ihrer Geräte schleimen können war nur Streichkonzert angesagt. Aber: In Zukunft kostenlos. Donnerwetter. Dafür entfallen aber Dienste, die wirklich wichtig sind ab Juni 2012: Konfigurationsdateien, die einem auf jedem Rechner z.B. eine einheitliche Oberfläche und Zugangsdaten gesichert haben zum Beispiel. Oder Fotogalerien.

Was aber schlimmer, ja fast eine Katastrophe ist: Die Restdienste der iCloud gibt es nur auf aktueller Hardware mit Lion aufwärts. Mit unseren PowerPC-Geräten sind wir abgehängt. Abgehängt durch eine Produktpolitik, die rigoros Neukauf im Sinn hat. Was aber aus technischer Sicht und erst recht im Kundeninteresse nicht sein müsste und dürfte.

Meckern auf hohem Niveau

Ich bin mir völlig im Klaren darüber, dass ich mich über Dinge beklage, die »Normalsterbliche« weder berühren oder deren Fragestellungen sie je ausgeliefert waren oder sein werden. Wer als einzigen Rechner seine Blechkiste unter dem PC-Tischlein betreibt, wen es kaum stört, wenn die Festplatte den Geist aufgibt, weil »nicht Bedeutendes« auf der Platte lag, wer die paar Telefonnummern, die er/sie braucht, jedes Jahr ins Handy tippt und damit selig ist und wer sich seine paar Liedchen auf den iPod zieht – sei’s drum. Er/sie wird nicht verstehen, um was es hier und mir geht.

Aber viele andere werden in gleicher Weise betroffen sein. Und gleich vorgebeugt: Häme der anderen Fraktion ist nicht angebracht, unnötig wie sonst was. Denn alle tun das: Fortschritt durch Schrotterzwingung.

Und daher: Tauschen würde ich wirklich nicht. It’s capitalism, stupid!

Das ist alles. Nicht mehr und nicht weniger. Und wenn man sich nicht zurückziehen will und schmollen, dann muss man eben mit den Zähnen knirschen und mitmachen…

Und nun: Feuer frei!

Links:

Nachtrag:

2011.11.26, 16:05 :: Autosave & Versions

Einner der gepriesensten Errungenschaften in Lion sei das automatische Sichern von Dokumentenversionen. Damit entfällt das oft vergessene Sichern und man kann später bequem zurück zu vorigen Versionen, falls einem einfällt, das man das gat nicht so schreiben wollte. Naja…

Doch was ist ein »Dokument«?

Das weiss ich seit heute. Ein Bild zum Beispiel, ein Foto im Archiv. Ich hole es in die Vorschau, beschneide es um zu sehen wie es wirkt; es gefällt mir nicht, also schliesse ich die Vorschau. Und was passiert im Finderfenster? Das Original verschwindet, statt seiner steht jetzt der Ausschnitt dort im Archiv.

Kein Problem? Kopie machen zum Ausprobieren? Und die hinterher wegwerfen? Jeden Praktiker würgt es spätestens jetzt.

Da ist ein Problem

Und das ist der fehlende Schalter um den Mechanismus wahlweise zu (de)aktivieren. Den Haben die Entwickler bei Apple schlicht vergessen und die Betatester sind ganz offensichtlich keine Praktiker. Denn sonst hätte das Supportforum zu diesem Problem nicht seit Juli 2011 ca. 45.000 Einträge…

Man kommt zu der Gewissheit, dass auch Apple mittlerweile grün ausliefert, mit einem Popanz an Marketingklimbim, unterstützt durch die »Fachpresse« (MacWelt, Heise etc.) – nur: Grün ist eben nicht reif!

Ein Glück, dass einen bisher nur TextEdit, Vorschau und iWorks mit diesem Murks zwangsbeglücken.

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4 Kommentare zu Apple – so eine Geschichte

  1. Pingback: Apple (2) – Geplante Obsoleszenz | Von Mir Nix & Dir Nix

  2. Eberhard sagt:

    Ich war stolzer Besitzer eines der ersten 100 Würfelmac die nach Deutschland kamen mit 128k und 2. tem externem Disklaufwerk. Über Mac Plus und SE20 bin ich bei den Powerbooks gelandet musste aber dann ca. 1997-98 zur Windowswelt wechseln weil ich im Geschäft immer mehr Probleme bei der Ankopplung an WIN-NT bekam.
    Ich und mein Sekretariat haben das das damals sehr bedauert da wir verwöhnt waren von der Stabilität der Systeme. Gerade in den letzten Jahren habe immer wieder nach Apple geschaut weil es einfach tolle Produkte sind. Aber das Tempo wie die ständig am Innovationsrad drehen und was dadurch Müll entsteht hat mich abgeschreckt.
    Wenn ich allerdings ein 0815 User der Windows Welt hätte ich wahrscheinlich die Kisten schon alle verschrottet. Was den Leuten da zugemutet wird geht auf keine Kuhhaut. Wenn man die Tipps und Tricks kennt kann man damit leben. Meine Schüler die so 50 aufwärts sind bringen fast regelmäßig ihre Laptops mit weil wieder irgend etwas nicht funktioniert wie es soll.
    Verwundern tut mich das nicht denn die Zielgruppe der Entwickler sind eher die 20-40 jährigen. Die wissen auch nicht dass es gut wäre wenn Geräte länger als die Gewährleistungszeit von 1-2 Jahren genutzt werden können. Und dass auch derjenige der keine DOS Befehle und alle möglichen Tastenkombinationen kennt problemlos arbeiten möchte. So ist sie halt unsere schnelllebige Welt ob Schneeleopard oder WIN7/8 ich dreh da die Hand nicht mehr um.
    Ich wünsche Euch eine gesegnete entschleunigte Adventszeit
    Eberhard

  3. Reinard sagt:

    @Tom und @alle: Danke für die Links. »Erleuchtungen« haben leider nicht stattgefunden, es is ein »Alter Stiefel«. Nur war es mal wieder soweit, dass das raus musste, ehe es sich durch die Magenwand frisst.

    Apple ist mittlerweile leider zum Paradebeispiel für Wegwerfen geworden. Leider hängt damit aber auch dieser wahnsinnige und eben auch sehr pfiffige Fortschritt zusammen; jemand muss den finanzieren. Klar, »man braucht das nicht«, aber die Frage bleibt, ob’s nicht auch anders ginge, Fortschritt zu gestatten. Ich ergänze meinen Beitrag heute noch mit einem heutigen Aha-Erlebnis…

  4. Tom sagt:

    Sehr schöner Beitrag zu zu einer Erleuchtung.
    Letzendlich waren es ja dan zwei Erleuchtungen.

    Gute Doku von Arte TV zum Thema:
    Kaufen für die Müllhalde
    http://www.youtube.com/watch?v=WD2GZUfULv4&feature=related

    Das ist auch gut:

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