* Rund Europa 2013, 28. Tag:Delfi (2)

Samstag, 06.07.2013, 21:45:44 :: Delfi

Vom Morgen zum Abend

Es ist wirklich herrlich hier oben. So war es den Tag über.

Am Morgen

Nachmittag

Dämmerung

Beginnende Nacht

Unser kleiner Abendspaziergang zum Essen liess uns, wie gestern Abend, etwas genauer hinschauen. Von unserem Hotel aus ging’s los.

Es gibt eine neue Kirche, einen neu gestalteten Platz unterhalb

Aber…

…auch davon muss man reden. Es war uns gestern Morgen in Etoliko und auch heute Abend hier aufgefallen: Es ist alles anders. In Etoliko tobte zwar noch das Leben (Bericht folgt). Aber hier ist es eigentlich menschenleer. Vor einzelnen Hotels im unteren Teil des Städtchens warten ein paar Touristen – auf einen Bus, ihresgleichen, den Leithammel zum Futtertrog, wir können es nicht erraten.

Viele Geschäfte sind geschlossen, leer, verrammelt, verklebt, verstaubt. Auch das Café, das uns immer Internetunterschlupf gewährter, wenn wir ankamen: Leer geräumt, der wilde Wein überwuchert bereits die Terrassen und Balkons. Die offenen Geschäfte ohne Kundschaft, die meist älteren Herren sitzen und stehen davor, teil in Grüppchen, traurige, verhärmte Gesichter, man vernimmt selten ein Lachen.

Die Auslagen voller Dinge, die wohl seit Jahren niemand mehr kauft.

Die Gipsrepliken schauen ebenso besorgt wie die Menschen hier. Ich weiss, dass die »Kleinen Leute«, auch Gewerbetreibende nicht mehr wissen, wie es weiter gehen soll. Die Grosshändler bekommen keine Kredite zur Vorfinanzierung, ihre Lieferanten daher kein Geld, nur Versprechungen, die Handelsketten sind unterbrochen.

Lächeln tun eigentlich nur die Besitzer und Kellner der Tavernen, berufsbedingt, aber es geht immerhin noch, hier und da. Wo wir gestern einkehrten, waren wir nicht alleine, die beiden Kellner/Partner servieren perfekt aber mit eisiger Miene. Bei uns und an den Nebentischen, wo überaus kinderreiche Familien sich eingefunden hatten. Keine Griechen. Franzosen und Skandinavier.

In der Taverne heute Abend ein stets lächelnder Kellner, der sich andauernd bedankt. Jammervoll und deprimierend. Wir sind die einzigen Gäste. Kurz bevor wir gehen, kommt die »Ablösung«, ein junges französisches Pärchen, das mit derselben Akribie wie zuvor wir die reichhaltigen Möglichkeiten der Speisekarte erklärt bekommt.

Wir treten auf die Strasse. Alles leer. Wo sind die Menschen, wenn es welche gibt? Sind die Busse Tagesausflüge? Unser Hotel jedenfalls hat einen weiteren Gast, die, an denen wir vorbei schlendern, rührt sich nichts.

So sieht wohl Krise aus. In einem weltweit bekannten Touristenziel. Deutsche Medien haben berichtet, die Buchungszahlen für Griechenland seien gegenüber dem Vorjahr um mehr als 15% gestiegen. Noch sind keine Ferien. Wir werden abwarten…

Die Preise…

…sind teilweise absolut angemessen, im Café unten, standen allerdings gestern Abend lächerliche, nackte drei Kunsteiskugeln mit 6 € auf dem Kassenzettel. Das war heftig. Da nahm sich der Cappuccino mit 3 € schon klassisch normal aus. In Albanien kostet er weniger als die Hälfte. Und dann das Hotel mit 30 € für eine Nacht – mit gutem Frühstück. Eine rätselvolle Welt. Eine Welt vor allem, die als Modell Europa nicht funktionieren kann. Und die auch mit ALDI-Mentalität der Touristen nicht funktioniert. Ich habe noch die Klagen im Ohr über Touristen, die um’s Zimmer feilschen, dann in den »Supermarkt« nebenan gehen, mit Tüten auf’s Zimmer gehen. Und das Restaurant bleibt leer…

Aber dazu an anderer Stelle ein andermal.

Morgen früh geht’s weiter nach Piräus, um Mitternacht werden wir auf Naxos sein.

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3 Antworten zu * Rund Europa 2013, 28. Tag:Delfi (2)

  1. Reinard sagt:

    @Wolfgang: Heute korrigiert.

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