* Rund Europa 2014 Nord, 30. Tag: Die Rückfahrt rückt nahe

Mittwoch, 03.09.2014, 13:34:04 :: Raudondvaris

Ja, vier Wochen sind um. Hier oben ist der Herbst viel zu früh eingezogen; mit viel Regen, kalten Winden, bedecktem Himmel aber zuweilen einer Sonne, die für zwanzig, dreissig Minuten mit dem Grün der ob des Regens saftig nachwachsenden Wiesen mit ihren Goldrutenfeldern und -nestern nochmal Sommerstimmung macht – sogar, was die Temperatur angeht. Mir wird es schnell zu warm in der Sonne, obwohl die Kälte im Kreuz noch spürbar ist. Ein gefährliches Wetter. Und mit Schwimmen ist’s auch nichts mehr. Alle lachen und schütteln sich, wenn ich nur einen Gedanken daran äussere. Die Menschen hier richten sich wehmütig auf den Winter ein, die depressiv machenden langen dunklen Tage…

Lithuania, das Regenland

Das ist die exakte Übersetzung. Nicht zu Unrecht heisst das Land so. Flach, mit tiefhängenden grauen Wolken, extremen Schauern und auch langweiligen Dauerregen: So haben wir es um diese Jahreszeit hier noch nie erlebt. Es hiess früher immer (wir kommen seit 19 Jahren hier her…), im August und September seien die schönsten (und wärmsten) Tage, die Sonne hat die Seen angewärmt, das Land aufgeheizt. Pusteblume, dieses Jahre war von Mitte Juni bis Mitte Juli heiss und das war’s dann.

Das heisst nun nicht, dass wir im Dauerregen bei 7°C und 90% Feuchte in unserem Wohnwagendomizil, der Küche im Pferdestall oder im Bokštas rumgesessen wären. Es gab sehr wohl Erlebnisreiches. Da waren die Tage in Kaunas, ehemals für gewisse Zeit Hauptstadt, wo wir sightseeing betrieben, Freunde getroffen und das »Bruderdorf« Raudondvaris bei Kaunas besucht haben.

Kaunas, Rathausplatz, fast 180°

Burg von Raudondvaris/Kaunas

Pferde- und Kutschengebäude des Gutshofes

Da waren natürlich auch Springreiterturniere – »competitions«, wie das mittlerweile fast automatisch heisst. Sie gehen immer über’s Wochenende und sind begrenzte oder teils schon übernationale Treffen und kleine Volksfeste. Selbst auf den Fahrten dorthin gibt’s immer wieder Schönes und Neues (!), selbst nach so vielen Jahren hier oben in dem doch so kleine Land. Es ist erstaunlich.

Hippodrom bei Prienai

Competition in Raudondvaris

Nicht zuletzt gab es eine Tagesreise nach Zasrasai, nahe der Grenze nach Daugavpils/Dünaburg in Lettland. Die Freundin dort war eine der ersten litauischen Menschen, denen ich 1994/95 in Deutschland begegnet bin und die quasi die Grundlage für alle anderen Bekanntschaften und Freundschaften hier oben gelegt hat. Ein Abstecher führte uns gegen Abend noch zu diesem Aussichtsturm. Mehr als die 2. Etage war für uns nicht drin – keiner war schwindelfrei.

Zarasai, Haus direkt am See…

Ausblick ja, Blick nach unten nur bedingt…

Und dass wir Vilnius mehrfach besucht haben, das versteht sich ja wohl von selbst. Es kommen weniger Touristen, vor allem die deutschen werden weniger, berichtet masn uns. Mehre Abende und Nächte verbrachten wir bei Ieva in Vilnius mit ihren nun universitätsreifen Kindern und Hund und Katz‘. Zur Stippvisite mit Übernachtung kam noch ihre Schwester mit Freund; am nächsten Morgen flogen die beiden nach Tunesien – neben Ägypten und der Türkei eines der Länder, die mit beschränkten Mitteln zu erreichen sind von Vilnius aus.

Sehr schön auch, dass wir dieses Jahr endlich eine litauische Freundin wieder treffen konnten, die seit neun Jahren *) mit einem sehr guten deutschen Freund aus Jugendtagen verheiratet ist. Sie hat eine kleine Reiseagentur, die Gästen Osteuropa näher bringt; diesmal war sie gerade zur rechten Zeit eben in Vilnius.

Schulbeginn

Ja, am 1. September ist Schulbeginn, überall hier im postsowjetischen Teil Europas. Es ist ein ganz besonderer Tag, ein Feiertag. Beginnend am Morgen um acht Uhr in der Kirche, endet er spät nachts in völlig überfüllten Restaurants – landesweit.

Beim Schulgang tragen alle Kinder Blumen; oft schenken sie die ihren Lehrern. So kommt auch unsere Freundin mit einem Arm voll damit nachhause.

Meist begleitet von den Eltern, kommen sie zur Auftaktveranstaltung. Diesmal hier in Rieše waren es über 100 Erstklässler, insgesamt mehr als 1000 Schüler, dazu eben n och Eltern Tanten, Onkel… Das Gymnasium hat einen guten Ruf, daher einen grossen Einzugsbereich. Ausserdem hängen dort auch meine Blumenbilder.

Mehr vorgenommen…

…als in vier Wochen passen – das ist meine Art und mein Versuch, die Dinge so pressen zu wollen, dass sie dorthin passen, wo es eben doch nicht geht. So blieben Tallinn und Riga auf der Strecke, Kleipeda/Memel und die Kurische Nehrung. Ja, und vieles, was nicht geplant war und hätte geschehen können… Aber vier Wochen sind eben nur dreissig Tage.

Über alles vorstehend Angeschnittene will ich noch berichten, spätestens dann, wenn wir in Naxos dann im Oktober hoffentlich zur Ruhe kommen. Aber zunächst müssen wir zurück nach Deutschland.

Rückreise

Die soll über Krakau, Brünn, München führen – grober Plan, der sicher Lücken hat, die es noch zu füllen gilt. Krakau jedenfalls ist wichtig, weil 2004 nur schlampig kurz besichtigt**); es war damals tagsüber schlicht zu heiss für mich. Und unterwegs wird es hoffentlich zu Begegnungen mit neuen und alten Bekannten und Freunden kommen. Die Ukraine fällt leider mangels Zeit aus, nicht aus Gründen des Krieges dort.

Zuhause in Deutschland warten dann die Ärzte auf mich. Und das jährliche Klassentreffen in Hohenheim. Und… – Aber jetzt starten wir dann erst mal. Morgen früh geht’s los, mindestens bis Augustow – wie gehabt.

Und wenigstens zum Auto packen scheint die Sonne und trocknet unsere Handtücher vom morgendlichen Duschen.

Picasa

Picasa


*) Der Link ist »tot« 🙁 Hacker haben das Wiki mit den Reise- und anderen Beiträgen letztes Jahr zerstört; aufgrund der Krankenzeit habe ich es nicht rechtzeitig bemerkt.

**) 2004 gab es noch kein Weblog und daher keine Berichte; da wartet noch Arbeit, denn die Bilder und Erinnerungen gibt es 🙂

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