Zusammenhänge…

…lassen sich finden – wenn man will:

Da schickt ein inhaftierter RAF-Killer Mitte Januar eine »Grussbotschaft« an den Rosa-Luxemburg-Kongress in Berlin. Keinen Journalisten der »freien Presse« (SPIEGEL & Co.) scheint es zu interessieren. Jetzt plötzlich zieht er spöttelnd darüber her. Warum? Warum erst jetzt? Denn: Was steht drin? Eigentlich nichts, was man nicht zumindest nachvollziehen könnte. Gewalt? Nichts drin von. Aber Herr Goll liegt doll im Trend: Wer den Kapitalismus in seiner aktuellen Form nicht gut findet, gar bekämpft, der stellt sich gegen die demokratische Grundordnung, ist ein Linker, ist ein Terrorist. Muss also weiter schmoren.

Keine Frage: Christian Klar hat einst grosse Schuld auf sich geladen. Er scheint bis heute nicht kooperativ, die noch immer offenen Fragen zu den RAF-Morden zu klären. Er will begnadigt werden. Vorzeitig. Aber eine antikapitalistische oder linke Haltung? Als Haftgrund?

Links:

  • Gespräch mit Till Meyer. Über die Kampagne gegen die RAF-Gefangenen…
  • Starker Tobak: Eine Würdigung der Umstände von Inge Viett
  • Peymanns starke Worte: »Das sind auch meine Ansichten«, erklärte Peymann in der Mittwochausgabe der tageszeitung. »Das, was Klar sagt, ist doch eigentlich die Meinung von fünf Milliarden Menschen auf der Welt.« Er spreche das aus, was der weitaus größte Teil der Weltbevölkerung außerhalb Westeuropas und der USA denke. »Es kann ja nicht sein, daß dieses kapitalistische System von Korruption und Verantwortungslosigkeit der Weisheit letzter Schluß ist. Wer einen halbwegs klaren Kopf hat, weiß doch, daß es nur eine Chance für die Zukunft gibt, wenn wir das System ändern«, so der BE-Chef weiter. »Das System ist bis ins Mark faul. Das weiß jeder Klarsichtige – apropos Klar.«

Jooahhh – muss man noch mehr dazu sagen? Wahrscheinlich schon, denn es geht weiter, auch SPIEGEL-Online bringt eine Bilderserie, die nun mit dem aktuellen »Problem« gar nichts zu tun hat.

Da erinnert ein höchstrichterliches Urteil daran, dass Journalismus und Presse frei zu sein haben, das Informanten zu schützen sind – im Prinzip jedenfalls. Dass Journalisten aber auch Verantwortung tragen. Aber i.W. blasen sie alle in die Goll’sche Tröte.

Wer Reval raucht…

…der frisst auch kleine Kinder.

Da wettern sie nun alle wieder, die Schmierfinken, die Gestrigen, die Biedermänner, die Jungjournalisten: Ein Mensch, der den Kapitalismus als Irrweg sieht, ihn zu überwinden wünscht – der muss im Knast bleiben. Kapitalismus = Demokratie? Wo? Wann je?

Ackerkapilismus, Siemens, Tyssen – alles schon wieder vergyssen? BenQ, Airbus – geldbesoffene Managernieten. Sie bestimmen das Schicksal von Zehntausenden, Hundertausenden, Millionen. Und das ist gut? Für wen?

»nicht-typisches NS-Unrecht«

Dass am selben Tag die Stuttgarter Zeitung auf Seite 3 (!) berichtet, dass dieser saubere Rechtsstaat, der immer dann sein Nachfolgerecht reklamiert, wenn’s ihm passt, die Nachfolge-Pflichten aber negiert und versagt, dass dieses Land es nach über 60 Jahren immer noch nicht geschafft hat, die NS-Euthanasiegesetze zu ächten, Opfer zu rehabilitieren oder gar zu entschädigen.

Sind’s am Ende dieselben, die gegen Klar wettern, die in NS-Sachen durch Nichtstun und Verschweigen glänzen? Hatten wir nach 1945 nicht in hohen Ämtern NS-Grössen und -Schergen, durch die Besatzer z.T. regelrecht unterstützt, in hohen Ämtern? Hatten wir nicht Berufsverbote?

Man darf nicht das eine gegen das andere verrechnen wollen. Das geht nicht. Aber Verlogenheit auf der ganzen Linie als Demokratie verkaufen – das geht. Leider.

Links:

Über reinard

Allen Neugierigen sei meine Webseite http://www.hr-schmitz.de ans Herz gelegt. Dort gibt's alles Un-/Wesentlich zu mir und über mich.
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