Jetzt also auch noch Ursula Ott –

– so will’s einem in die Tastatur fliessen. Wär’s Tinte, wär’s weniger schlimm.

Frau Ott, sonst eher für fundiert-kernige Kommentare in der Sonntag Aktuell gut, hat sich, wie ich nur hoffen kann, an einer Satire versucht. Über das Thema, dass auch alte Männer noch des Schreibens mächtig sind, das Ergebnis aber in aller Regel nichts in der Öffentlichkeit zu suchen hat. Meint sie jedenfalls.

Alte, wollt ihr ewig schreiben?

fragt sie deshalb auch gleich in der Überschrift. Was so witzig beginnt wir zusehends ernster – oder ist der fortwährende Witz so tief versteckt, dass ich ihn – altershalber, versteht sich! – nicht mehr entdecken kann?

Es ist ja möglich (und wird teils wirklich manifest), dass in die Jahre gekommene Schriftsteller »dem „süssen Vogel Jugend“ hinterher weinen«, dass Grass‘ »Letzte Tänze« sich auf Dinge reimen, die sich in diesem Alter zuweilen nicht mehr heben, er also seiner Freude über einen anderen Gang der Dinge lyrischen Ausdruck verleiht und dass wieder andere minutiös beschreiben, welche Pein es bereitet, morgens die Schuhsenkel zu knoten.

Nicht alles, was so gedruckt wird, ist stets von hoher Güte, das ist wahr. Aber man lässt uns ja die Wahl, Frau Ott, auch Ihnen. Wir »müssen das nicht alles lesen und ansehen«.

Aber Kitsch?

Warum sollen »die Kerle nicht einfach in Ruhe alt werden«? Wieso denn das?

»Man stelle sich vor, irgendeine andere Bevölkerungsgruppe würde sich mit ihren Generationenthemen medial so breit machen. Teenager…«

Ja wie alt waren denn unsere Geistesgrössen, als sie uns mit ihre frühpubertären Unzulänglichkeiten geplagt haben? Werther’sche Leiden – geh‘ weg! So ein Gedöns! Goethe war da gerade mal ein 24jähriger »Jungspund«. »Sturm und Drang«, wenn ich das schon höre! Schiller gar nur 21, gerade mal volljährig, dieser Kindskopf…

Wer deren Ergüsse ertragen hat, der darf auch im Alter noch schreiben. Oder wie, Frau Ott? Gelten nur Schüleraufsätze? Grundschule. Das wäre ja in jedem Fall vor der Pubertät.

Oder wen interessiert diese dämliche Inzeststory eines Herrn Faber? Frisch war da 46. Ohjeminehhhh! »midlife crises«, ich ahne es schon! Von solchen Herren doch bitte nicht auch noch was Geschriebenes. Am Ende gar noch »Montauk«.

Und so weiter und so weiter

Wer also soll schreiben dürfen? Und wer bestimmt das? Herrmann Hesse einen Steppenwolf? Mit 50 immerhin? Einem Alter, in dem man heute auf dem Arbeitsmarkt – aber das ist eine andere Geschichte. Wäre aber eine für »Ältere«…

Frau Ott, Sie hatten einen schlechten Tag, aber das ist normal in Ihrem Alter.

Nachtrag

(Dienstag, 20. März 2007, 19:47)

Das Thema ist nicht neu. 2003 hat sich die Presse rundum über die »Ergüsse« von Grass, Muschg, Strauss und Walser als »Altherrenerotik« von »Spätsündern« mokiert. Was das sollte, habe ich schon damals nicht so richtig kapiert. Immerhin registrierte Julian Schütt seinerzeit in der Weltwoche, dass »wir« möglicherweise eine etwas daneben liegende Vorstellung von Alter haben und darüber, was man im Alter »darf«, was sich schickt und was – für wen auch immer – nicht würdevoll und eben dem Alter nicht angemessen sei. Wobei ja immer offen bleibt, wer mit »wir« eigentlich gemeint ist. Wie definiert sich der, der sich noch zu den »Jüngeren« zählt. Wenn’s »noch geht«?

Ansonsten immer wieder ziemlich viel Dummes. Da ist die Rede von »wahren Sehnsüchten« und immer wieder von »Altherrenerotik« – meine Güte: Warum haben die Jüngeren bloss so ein Problem mit den Alten? Sie werden’s schon früh genug erfahren – wenn’s reicht bis dahin…

Und dennoch, es sei geklagt: Zuweilen sind literarische Ergüsse das Papier nicht wert, das sie auffängt – bei Alten und bei Jungen. Aber dann passiert oft ganz Unerwartetes…

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