Immer Kredit, nie Substanz

Felix Martins Ideen- und Mediengeschichte des Geldes erklärt den sozialen Schmierstoff und seine Krisen : Rezension in Literaturkritik

Felix Martin: Geld, die wahre Geschichte. Über den blinden Fleck des Kapitalismus.

Übersetzt aus dem Englischen von Thorsten Schmidt.
Deutsche Verlags-Anstalt, München 2014.

380 Seiten, 22,99 EUR.
ISBN-13: 9783421045928

Des Pudels Kern ist die Frage der „Geldmenge“ (unter Berücksichtigung des Kurses der Währung gegenüber der Leitwährung). Die Geldmenge sollte normalerweise in etwa den geschaffenen Werten einer Volkswirtschaft entsprechen. Toxisch ist, wenn GELD als WARE gehandelt wird beziehungsweise damit spekuliert wird. Denn GELD arbeitet nicht; es sind die Menschen, die arbeiten und Werte beziehungsweise Güter schaffen und Leistungen erbringen.

Das Kernproblem ist, dass die Privatisierung der Notenbanken (FED, City of London …) zu sog. FIAT MONEY (=Geldschöpfung aus dem Nichts; also ohne Gegenleistung im Sinne von Waren und Leistungen) dazu führt, dass GELD als Waffe eingesetzt wird (Ukraine-Konflikt) beziehungsweise letztlich die Leistungen der Menschen gestohlen werden können, weil die Anerkennung, der Leitwährung (z.B. US-Dollar im Ölgeschäft) sogar mit „Flugzeugträgern“ oder „Regime-Change“ durchgesetzt wird und insofern als Mittel der Machtausübung und Ausbeutung fungiert.

Interessant ist, dass Ökonomen aufgrund der These, dass die Ökonomie „wertfrei“ hinsichtlich der Ethik beziehungsweise der Moral sein soll, sich nicht oder nur rudimentär mit den unübersehbaren Machtfragen auseinandersetzen. Indirekt wirkt GELD auf die Verteilung der Güter und Leistungen einer Volkswirtschaft, weil der Zins NIE anfänglich kreditiert wird, sondern aus den laufenden Wertschöpfungen finanziert/beglichen werden muss. Bei Wachstumsraten einer entwickelten Volkswirtschaft von jährlich etwa 2 % ist es bereits bei Kenntnis der Mathematik (exponentielle Funktionen) naheliegend, das Zinsen von deutlich mehr als 2 % direkt auf die „Verteilung“ der Wertschöpfung wirken müssen, so dass nach ca. 50 bis 60 Jahren der Schuldenberg, der sich durch Finanzierung von Zinsen erhöht, nicht mehr bezahlt werden kann, weil die tendenziell sinkende Massenkaufkraft (Umverteilung, Zinslasten muss der Verbraucher letztlich aufbringen bei sinkenden oder stagnierenden Löhnen und Gehältern) letztlich die Wirtschaft kollabieren lässt.

Das ist etwas verkürzt dargestellt das Geheimnis beziehungsweise das Dilemma des Geldes, was in wissenschaftlich scheinenden Veröffentlichungen von Ökonomen nur verklausuliert vorkommt. Die meisten Ökonomen hören nicht auf Ludwig Wittgenstein der einmal schrieb: Alles was man sagen kann, kann man klar sagen.

Die Lösung wäre, die Entstehung der Geldmengen in Anlehnung an die volkswirtschaftlichen Leistungen zu begrenzen, jede Spekulation zu untersagen und Börsengeschäfte stark einzuschränken. Weiterhin müsste es verboten werden, dass Privatbanken den Staat finanzieren. Der Irrsinn besteht darin, dass sich Privatbanken derzeit für 0,25 % Geld von der EZB in Milliardenhöhe besorgen (Geldschöpfung aus dem Nichts) und in der gleichen Sekunde das Geld an Staaten bis zu 8 % oder mehr ausleihen. Es ist leicht erkennbar, dass dadurch kein WERT (konkrete Güter und Leistungen) entstanden ist und letztlich der Steuerzahler den ZINS aufbringen muss (Kaufkraftverlust).

Anmerkungen von Eckhard Schulze

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