* Rund Europa 2019 (2), 9. Tag: Schlochau – Iława (Eylau)

Sonntag, 07.07.2019, 15:09:37 :: Iława (Eylau), Hotel Karczama Labędź
Freitag, 12.07.2019, 14:21:01 :: Ergänzungen (Raudondvaris)

Schlochau

Am Morgen besichtige ich kurz die Burgreste mit Schlosskirche von Człuchów (Schlochau); Lis weigert sich, auszusteigen – es ist wirklich scheussliches Wetter, windig und kalt, von Sommer keine Spur.

Die Fahrt weiter nach Osten führt uns wieder durch unendliche Getreidefelder, oft bis zum Horizont, dann wieder kilometerweit durch dichte Wälder und Lindenalleen.

Wir sind schon froh, dass kein Tropfen Regen fällt, aber es ist so kalt, dass ich die Heizung aufdrehe …

In jedem Dorf, sei es auch noch so klein: Eine Kirche gibt es nahezu immer, oft neugotisch in Backstein, oft aber auch bullig, zuweilen ziseliert und überspitz. Immer wieder denken wir dann an die Kirchen, Synagogen und Moscheen durch – vom Polarkreis bis hinab nach Naxos: Dieselbe Ur-Religion …

Die Marienverehrung im Norden Polens sticht ins Auge. Was in Bayern die Wegkreuze sind hier die Marienaltare und Weghäuschen.

Allerdings steckt dahinter nicht zuletzt eine politische Komponente der Katholischen Kirche in Polen, und das ist weniger putzig:

Der Kampf um „Nationalkultur“ und gegen „Antikultur und Antizivilisation“, was eine äussert scharfe Aggression gegen „LGBT-Ideologie“ einschliesst. Der Sender Radia Maria ist dabei von entscheidendem Einfluss.

Politischer Einfluss
Dem Sender wird vorgeworfen, dass er sich einseitig und parteiisch in die Politik einmische. Die polnischen konservativ-katholischen Parteien wie Recht und Gerechtigkeit (PiS) und Liga Polnischer Familien (LPR) wurden im Wahlkampf unterstützt. Pater Tadeusz Rydzyk, der die „Hochschule für Sozial- und Medienkultur“ (Wyższa Szkoła Kultury Społecznej i Medialnej) in Toruń (Thorn), deren Rektor er ist, wie auch den Fernsehsender TV Trwam leitet und die Zeitung Nasz Dziennik gründete, wird Parteinahme vorgeworfen.
Die Kritik am Sender richtet sich vor allem dagegen, dass Programminhalte einen europaskeptischen, antisemitischen und fremdenfeindlichen Charakter aufwiesen. Insgesamt gingen beim nationalen Landesrundfunkrat knapp 40 Beschwerden gegen Radio Maryja ein.

Wikipedia, Radia Maria

Man darf das wohl alles als immer noch wirkende Folgen der Eroberung durch die Kreuzritter interpretieren …

Störche …

… thronen natürlich auch fast in jedem Dorf, oft sogar zwei oder drei Familien. Auf diesen weiten feuchten Flächen findet sich reichlich Nahrung. Selbst am Strassenrand waten sie in den Gräben, ohne sich durch den Autoverkehr stören zu lassen. Erschrecken kann man, wenn sie plötzlich fliegend neben einem auftauchen. Derart Grösse Vögel sind wie nicht mehr gewöhnt, hier gehören sie zum »Strassenbild«.

Auf den verlorenen stillen Nebenstrassen kommt für eine Weile die Sorge um eine Tankstelle auf, aber wir haben mal wieder Glück.

Wir passieren neben vielen kleinen und kleinsten Dörfern und Ansiedlungen mit alten teils verfallenen Gutshöfen die Städte Tuchola (Tuchel) und nach Überquerung der Weichsel, dem längsten Fluss Polens, …

Grudziądz (Graudenz) und geben kurz nach Iława (Deutsch Eylau)

… auf, als wir das rustikale Hotel am See liegen sehen.

Fahren macht keinen Spass bei der Witterung, diesem verhangenen Himmel. Das Restaurant ist nahezu überbelegt – eine Tauffeier, wie sich später herausstelt. Aber ein freies Zimmer gibt es für uns, 48 € mit Frühstück. Und so haben wir’s mal wieder wie gewünscht: Hotel mit Seeblick …

Gasthaus zum Schwan

Wir sind in Masuren, das ist zunächst die Hauptsache, obwohl wir uns das mit reichlich Sonne bei milden Temperaturen gewünscht hatten. Die Wetterprognosen reichen hingegen über täglichen Regen bis Litauen und Temperatur deutlich unter 20°C nicht hinaus. Ist der Sommer schon vorüber? Lis ist der festen Überzeugung, dass. Und so trauen wir uns trotz aufreissendem Himmel nicht ohne zwei Jacken nach draussen.

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