* Rund Europa 2019 (3), 1. Tag: Raudondvaris – Bauska (Lettland)

Montag, 22.07.2019, 17:52:47 :: Bauska, RIJA BAUSKA HOTEL

Kaum haben wir am Morgen Raudondvaris verlassen, landen wir im nächsten Dorf Paberžė (engl.) vor dieser mächtigen Backsteinkirche.

Das liegt u.a. daran, dass wir bis Panevėžys nicht die Autobahn benutzen, sondern richtig »über Land fahren«, Landschaft, Felder, Wiesen, Wälder, Dörfer, Kirchen und nicht zuletzt Störche ohne Ende – Lis nennt es wenig später die »Storchenroute«.

In Giedraičiai dann die nächste Kirche.

Aber nicht nur das: Während ich um die Kirche herumwandere, kreuzt eine Frau im Bademantel die Strasse und geht neben der Kirche den Weg hinunter. Will sie schwimmen gehen? Bei dem Wetter? Sie will und tut es auch, da unten am Ende des Strässchens ist ein Park- und ein Badeplatz.

Wir fahren hinunter und nach kurzem Ratschlag schwimmen auch wir nach kurzer Unterhaltung mit der Frau, die sich zum Schwimmen anschickt; sie ist neugierig, möchte wissen, woher und wohin, denn Touristen am frühen Morgen hier am See, das ist sicher ungewöhnlich. Es regnet gerade nicht, also warum sich nicht aktiv nass machen?

Storchenroute

Die Orte werden immer kleiner – aber auch überraschender:

In Taujėnai treffen wir nicht nur auf eine Ansammlung von Kirchen (u.a. St. Church of the Exaltation of the Cross in Taujenai, andere unbekannt) …

… sondern auch auf das ehemalige Gräfliches Landgut im Klassizistischen Habitus, das wir beim Verlassen des Ortes beinahe übersehen hätten, rechts hinter den Bäumen.

Landgut Taujėnai :: Das Landgut Taujėnai erhielt Graf Benediktas Marikonis zusammen mit seiner Frau Marija Radvilaitė, einer Nachfahrin des berühmten Adelsgeschlechts Radziwiłł. Das Landgut war ihre Mitgift, und der Graf machte sich an den Umbau. Die Erneuerung erfolgte nach einem Entwurf des italienischen Architekten Piero de Rosso. Das Herrenhaus im Stil des Klassizismus war für seine Pracht und Reichtümer bekannt. Im Park des Landguts wanderten Rehe und Damhirsche umher, hier gab es Vögel, und auf den Teichen schwammen Schwäne.

Webseite

Das Landgut Taujėnai steht oder stand zum Verkauf, falls jemand Interesse hat; es hat sich wohl zusammen mit dem Hotel nicht getragen hier draussen.

Und nicht zuletzt findet Lis beim Einkauf von hervorragender Hartwurst und anderem Proviant den typischen litauischen Abakus, der neben dem Taschenrechner wohl hie und da noch immer in Gebrauch ist; unserer zuhause sieht genau so aus, ist aber arbeitslos.

Wegmale

Viel Steine gibt es im Baltikum nicht. Aber die baltischen Länder sind ja sehr waldreich, demgemäß ist es nicht verwunderlich, dass die Häuser (der einfacheren Leute) komplett aus Holz erbaut sind, meist auf einer aus Sammelsteinen aus der Eiszeit gesetzten Grundmauer von ca. 40-50 cm Höhe; man sieht das ja immer wieder auf den Fotos. Das gilt wie in Schweden auch für viele Kirchen und auch für die ersten Burgen. Irgendwann sind die meisten abgefackelt (worden). Die Backsteinkirchen entstanden fast alle erst im 19. Jahrhundert. Wo Macht und Geld war, zum Beispiel bei den Ordensrittern, entstanden sie auch deutlich früher, Ziegelein wollen ja erst einmal finanziert sein.

Warum ich hier abschweife? Holz ist auch das Grundmaterial vieler Bildhauer hier im Norden, wo man nicht mal schnell in den den Steinbruch kann, um sich einen Brocken zu holen. Und so sieht mann immer wieder Holzplastiken am Wege stehen und selbst die Maria auf der Säule ist ist eben – aus Holz.

Ich sage »Marienplastik«, weil ich es vermute. Denn häufig haben traditionelle religiöse Figuren hier in Litauen ungewohntes Aussehen; Litauen war das letzte (zwangs-)christianisierte Land im Baltikum, da schimmern immer noch die Waldgeister durch. Aber das ist eine andere Geschichte.

Auch Tanken muss hin und wieder sein, vergisst man leicht, wenn man alle paar Kilometer eine Tankstelle gewohnt ist. Hier draussen kann das ganz gemeine Folgen haben, wenn man Mutterseelen alleine und kilometerweit keine vorfindet …

Es fährt sich hernach wieder sehr entspannt.

Getreidesammelstellen? Immer wieder treffen wir auf diese riesigen Silo-Anlagen, von denen wir vermuten, dass hier das Getreide von den Feldern des jeweiligen Gebietes zwischengelagert oder sogar direkt verarbeitet wird.

Die Grenze nach Lettland …

… ist so unspektakulär, dass wir sie um ein Haar übersehen hätten.

Dafür erregt die imposante Windmühle in Ceraukste umso mehr unsere Aufmerksamkeit.

Und dann zieht diese schwarze Wand vor uns auf. Sie lässt spontan den Entschluss entstehen, dass in Bauska heute Schluss ist mit reisen.

Das Hotel erreichen wir rechtzeitig, sodass wir unser Gepäck mit den ersten Tropfen ins Foyer tragen.

Auf Regen folgt Sonne …

… und so können wir noch einen kleinen Abendspaziergang zur Orthodoxen Kirche absolvieren, die sich im schönsten Abendkleid präsentiert aber natürlich verschlossen ist.

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