* Rund Europa 2019 (4), 1. Tag: Raudondvaris – Korycin (Białystok)

Samstag, 17.08.2019, 20:14:39 :: Korycin, Hotel TRIVENTO
Mittwoch, 21.08.2019, 21:17:08 :: Khmelnitskiy (UA)


Wir fahren hier immer so in ca. 120 m Höhe über N.N.

Wie ist das mit dem Abschied?

Wenn man etwas beherrschen muss als Reisender, dann ist es der Abschied. Die Ankünfte sind nichts, die Abschiede aber reißen die Zeit in zwei Teile: Alles was war, ist vorher, alles was wird, ist nachher. Dazwischen liegt ein ungemütlicher Ort.

Jörg Dauscher

Der Moment kommt immer. Wir werfen einen letzten Blick auf die riesige Baustelle an der Hauptverkehrsstrasse nach Utena, auf die wir gleich in der Gegenrichtung nach Süden fahren werden.

Hier entsteht ein Fussgängerüberweg, der auch für Rollstuhlfahrer passierbar sein soll, da man eine Ampelanlage, die wegen der zu- und abführenden Seitenstrasse eh‘ kommen muss, wohl scheut. Wir werden es in zwei, drei Jahren sehen …

Wir durchqueren den nordwestlichen Aussenbezirk von Vilnius und staunen über das was so ständig an Riesengebäuden hinzu kommt.

Und wir konzentrieren uns mächtig darauf, uns nicht – wie meist – zu verfahren, was auch nach Jahren nicht ausgeschlossen ist.


Wer sich hier verfährt, braucht sich nicht zu schämen

So oft wir diese Strecke schon gefahren sind in den letzten fast zwei Jahrzehnten: Es liegt doch jedesmal wieder eine Überraschung bereit.

Varėna

Wenn man allerdings Neues gezielt sucht, dann kann das zuweilen enttäuschend sein. Wir denken heute, es wäre an der Zeit sich Alt- und Neu-Varėna anzusehen, die man irgendwie immer am Strassenrand liegen lässt.

Aber der Abstecher von über 10 km war’s nur insofern wert, als wir jetzt wissen, dass da nicht viel ist. Ok, der See, der schon …

Was uns natürlich auch immer wieder begeistert, sind die vielen Holzskulpturen am Weg – man will sie nicht immer wieder alle fotografieren.

Merkinė

In Merkinė hingegen stossen wir auf ein Strassenfest. Ein Bühne ist aufgebaut, auf der Musikanten und Chor die typischen litauischen Lieder spielen und singen, derweil einige Paare sich zum Tanz einfinden.

In den Buden wird allerhand angeboten, Stoffe zum Beispiel, aber auch Produkte aus lokaler Produktion.

Das Landeskundliche und Genozidmuseum

1595 wurde das Rathaus urkundlich erwähnt. 1885 wurde das Rathaus zerstört und eine russische Kirche gebaut. Das heutige Landeskundliche und Genozidmuseum Merkinė (Merkinės kraštotyros ir genocido muziejus) ist an diesem Platz gebaut worden.

Wikipedia

Soll wohl heissen, dass das Museum heute in den Mauern dieser russischen Kirche untergebracht ist.

Das Gebäude mitten auf dem Platz, das wir seit Jahren ”einfach nur“ für die örtliche Kirche hielten, entpuppt sich als die 1885 erbaute ehemalige russische Kirche, die an der Stelle des ehemaligen Rathauses erbaut wurde.

Heute beherbergt das Kirchengebäude das Landeskundliche und Genozidmuseum Merkinė und ist offen, so dass wir bewundern und erschrocken staunen, was an einem derartig kleine Ort alles zusammen kommen kann.

Neben dem Modell des alten Rathauses (»rotušė« auf litauisch!) ist das Werk über das Magdeburger Stadtrecht interessant, denn es spielt immer wieder eine grosse Rolle bei der Entwicklung der Siedlungen, die zu Städten erhoben wurden, so auch Merkinė 1556.

Und wenn man Wikipedia folgt, so hat das Leben der örtlichen Juden auch hier im Sommer und Herbst 1941 ein jähes und grässliches Ende gefunden – nicht zuletzt auch unter tätige Mithilfe von Litauern. Damit ist die Schwere deutscher Verantwortung nicht relativiert, aber dieses generelle Thema stösst auch heute in Litauen immer noch auf erbitterten Widerspruch, ein wirkliche Aufarbeitung hat hier wie auch in Polen nicht überall und umfassend stattgefunden.

So möchte wohl auch der Herr mit den künstlichen Schläfenlocken auf diese Umstände hinweisen, indem er Flugblätter verteilt.

Memelbrücke und Burgberg

Die Brücke über die Memel soll trotz früherer Nennung nicht unerwähnt bleiben, ebenso der Burgberg (auch hier).

Weiteres Anhalten verkneifen wir uns, wir wollen möglichst bald in Augustów sein, um einen Hotelzimmer zu ergattern. Die Stadt ist Touristenschwerpunkt hier oben.

Der Hinweis auf die ausgedehnten Felder mit Buchweizen soll dennoch daran erinnern, dass er hier oben immer noch eine wichtige Nahrungsquelle darstellt.

Touristengruppen mit geführten Radwanderungen trifft man immer öfter.

Und wenn man an einem Samstag hier draussen auf dem Land dann doch eine Vesperpause einlegen möchte, dann hat man Pech: Hochzeit, ausgebucht, keine Kapazität für andere Gäste. Aber schön wär’s hier gewesen.

Augustów

Und auch das war zu befürchten: Die Stadt quillt über. Es gibt kein Bett für uns, dafür viel Trubel, sodass es uns leicht fällt, zunächst einfach weiter zu fahren. In Korycin finden wir dieses nette Hotel eines quirligen Gastwirtpaares, das Zimmer für 28 € o.F..

Am Nebentisch sitzt eine Familie mit Tochter aus Süddeutschland, die Mutter ist offensichtlich gebürtige Polin. So haben wir doch interessante Unterhaltung, denn die Wirtsfrau spricht nur polnisch, ihr Mann leidlich Englisch.

Korycin liegt an einem See samt Park und nennt eine Windmühle sein eigen. Dazu morgen mehr.

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