* Rund Europa 2019 (5), 5. Tag: Nova Zagora – Orestiada/Neos Pyrgos

Samstag, 08.09.2019, Samstag, 17:45:38 :: Neos Pirgos, Hotel Estia
Montag, 09.09.2019, 21:21:21 :: Fanari

Vorübergehend … ohne Fotos, da das Internet nach Süden zusehends schlechter wird. Sie sind unten in Google Fotos und irgendwann auch hier im Text.

Es ist ganz sicher Zufall, dass wir schon wieder in einem Hotel mit dem Namen der Herdbeschützerin Hestia gelandet sind (im Griechischen Ἑστία), zuletzt in Călăraşi in Rumänien, nicht in Moldawien.

von der Visitenkarte

Links:

Nach einem spärliches Frühstück am Straßenrand fahren wir los nach Swilengrad ging flott, da fast durchgehend sehr gute Straßen. Bergig, sehr ruhige waldige Landschaft. Teils stepping mit wenig Bäumen.

Die Dörfer sind in einem sehr traurigem Zustand, viele Häuser verlassen, verfallen, keine Farbe, verwahrlost.

Die Mustafa Pasha Brücke

Die osmanische Mustafa-Pascha-Brücke von 1529 ist zufällig die grosse Überraschung des Tages, ehe wir auf der Autobrücke über die Maritsa nach Griechenland entschwinden: In 21 majestätischen Bögen überspannt sie die aufgestauten Maritsa und erinnert mich sogleich an die Drina-Brücke in Višegrad, die Mehmed-Paša-Sokolović-Brücke, die durch Ivo Andrićs Weltklassiker Die Brücke über die Drina auch literarisch berühmt wurde. Allerdings ist die Drinabrücke deutlich kürzer und hat nur 11 Bogen (gegenüber 21 der in Svilengrad):

The Old Bridge in the southern Bulgarian town of Svilengrad is a 16th century arch bridge over the Maritsa River. It is 295-meters long, 6 meters wide, and has 21 arches. It was built in 1529 AD as the first major work of the most famous Ottoman architect Mimar Sinan. It was part of a medieval Ottoman waqf complex (a property given to a religious establishment for charity purposes, which existed near the bridge). It included a caravanserai (inn), a mosque, a bazaar (market), and a hammam (Turkish bath). The only of these structures to survive to this day is the Turkish bath which has been renovated and turned into an art gallery. It is around this complex that the town of Svilengrad developed. Some historical sources allege that the Ottoman complex near the bridge was built at the initiative of legendary Roxelana (1502-1558), the favorite wife of Ottoman Turkish Sultan Suleiman I the Magnificent (r. 1520-1566 AD), an ethnic Ukrainian.

During the period of the Ottoman Yoke, i.e. when Bulgaria was part of the Ottoman Empire (1396-1878/1912), Svilengrad’s Old Bridge was known as Mustafa Pasha Bridge because its construction was ordered by Coban Mustafa Pasha, an Ottoman statesman and vizier. A flood destroyed some of the arches in 1766, and they were rebuilt in 1809. The Ottoman army unsuccessfully tried to destroy the Old Bridge as it was fleeing the Bulgarian advance after the Battle of Lule Burgas during the First Balkan War in November 1912.

The Old Bridge in Bulgaria’s Svilengrad is comparable to the Mehmed Pasa Sokolovic Bridge on the Drina River in Visegrad, Republika Srpska, Bosnia and Herzegovina, which, too, was built by Ottoman architect Mimar Sinan but much later in his career – in 1577 AD. However, Visegrad’s Mehmed Pasa Sokolovic Bridge is much shorter: it is 179 meters long, and has 11 arches. The other major difference between the two bridges of the legendary Ottoman architect is that the bridge in Bosnia was proclaimed a UNESCO World Heritage Site in 2007, while the bridge in Bulgaria lacks that status.

Archaeology in Bulgaria: The old bridge of Svilengrad

Sowas lockt mich doch immer: Warum nun die Drina-Brücke UNESCO-Welterbe-Status geniesst und diese hier nicht …

Die gleiche Bauweise, derselbe Architekt und ein sehr ähnliche Widmung an den »Bauherren« unterstreichen das noch:

Siehe Mehmed Pascha, der größte unter
den Weisen und Großen seiner Zeit,
erfüllte das Gelöbnis seines Herzens,
und mit seiner Fürsorge und seinem Eifer
erbaute er eine Brücke über den Drinafluss.
Über diesem Wasser, tief und schnellen Laufes,
konnten seine Vorgänger nichts erbauen.
Ich erhoffe von der Gnade Gottes,
dass ihm dieser Bau fest sein möge,
dass ihm sein Leben im Glück verlaufe
und er niemals Trauer erfahre.
Denn zeit seines Lebens hat er Gold und
Silber für Stiftungen gespendet;
und niemand kann sagen,
dass ein Vermögen vergeudet,
das für solche Zwecke verwendet wurde.
Badi, der dies gesehen, sprach,
als der Bau vollendet, folgende Widmung:
Gott segne diesen Bau,
diese wunderbare und herrliche Brücke!

Wikipedia

Und hier die Widmung in Swilengrad:

An der Grenze nach Griechenland ging alles sehr zügig. In der Raststätte der ersten Tankstelle dann der erste Griechische Metrio! Wir haben es also fast geschafft, das Senfle hat nicht schlapp gemacht, ausser einem von mir selbst beim Zurücksetzten zertrümmerten Rücklicht ist bisher nichts passiert. Möge es den Rest der Strecke so bleiben.

Auf der autobahnähnlichen Schnellstrasse geht es weiter, vorbei an Kastanies, dem Grenzort zur Türkei, wo wir einst im Garten der türkischen Zollstation zum Tee gebeten wurden.

Orestiada

Der nächste grosse Ort und unser heutiges Ziel ist dann Orestiada, eine Neugründung, wo wir zufällig neben der Polizeizentrale parken: Alles voller hin und her eilender Polizisten, Polizeiautos überall – kurz: Polizei in Hülle und Fülle: Man merkt deutlich, wo wir sind.

Die Stadt wurde 1923 von den griechischen Vertriebenen aus der Gegend des mittlerweile türkisch gewordenen, knapp 20 km nordöstlich gelegenen Edirne (= Adrianoupolis = Orestiada) neu gegründet, daher die exakte schachbrettartige Anlage:

Links:

History of Orestiada

According to the legend, Orestes, in order to escape from the Erinyes (Furies) at the suggestion of the Oracle of Delphi, he headed to the area of ​​Adrianoupolis and the confluence of three rivers: Evros, Ardas and Tontzou. He was bathed and healed of the sin that was haunting him. At this point, he built the city and gave it his name: Orestiada. Slowly Orestiada grew and for several centuries it was the center of Thrace, as it was the seat of the most important Thracian Kings.

In 127 BC the Emperor Hadrian of Rome visited Orestiada, and after he embellished and fortified it, he renamed it Adrianoupolis. This name has been established since then and kept until nowadays even by the Turks, even somewhat altered (Edirne).

In 1361, Adrianoupolis was conquered by the Ottomans and became their first capital city in Europe. In 1920 after the World War I, Adrianoupolis was given to the Greeks after five and a half centuries. The release, however, only lasted 2 and a half years. After the Asia Minor catastrophe and the Treaty of Lausanne, Greeks abandonned definitively Karagatz and Adrianoupolis.

Historisches über Oristiada (English)

Die gefundenen Hotels sind beide belegt. Ich finde dann während des Mittagessens in einem der zahlreichen Restaurants (wir sind wieder in Griechenland, was für ein Unterschied zu den Tagen zuvor in Moldawien bis Bulgarien) im Internet das Hotel Estia in Neos Pirgos, im Ort gleich nebenan, gar mit Schwimmbad. Telefonisch reserviert finden wir wenig später diese total typisch griechische, relativ grosse aber familiäre und fast leere Anlage mit endlich wieder wirklich freundlichen Gastwirtsleuten. Die wirtschaftliche Lage in den vorigen drei Ländern schlägt stark aufs Gemüt, was Wunder. Häufig trafen wir dort auf dezimierte Gesichter und lustlose Menschen. Was doch ein paar Kilometer Landstrasse ausmachen!

Russe war da allerdings die hervorstechende Ausnahme.

Da sitzen wir dann am Abend unten im Aufenthaltsraum, freundliche Wirtsleute, einer spricht perfekt Deutsch, ein fusskranker Hund, nach einem Unfall auf der Strasse gefunden und nach Hause mitgenommen, bettelt um Streicheleinheiten und im TV ist Eröffnung der Industriemesse in Thessaloniki mit langatmiger kirchlicher Messe und einem ewig dümmlich-freundlich grinsenden Mitsotakis samt erblondeter Ehefrau; alles schwitzt und fächelt. Der Patriarch kann kaum durchhalten, mit brechender Stimme zelebriert er seinen Teil der Liturgie, selbst ein Chor mit Stimmenpotenzial fehlt nicht und rettet über kritische Momente hinweg.

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