* Rund Europa 2016 (3), 28. Tag: Reni (UA) – Rasgrad (BG)

Sonntag, 18.09.2016, 21:07:58 :: Rasgrad (Bulgarien), Hotel Cartoon
Montag, 07.10.2019, 23:29:47 :: Galanado (in Arbeit, Bilder fehlen)

Eigentlich müssten wir uns schämen, hier abzusteigen. Von wegen des aberwitzigen aber eher geschmacklosen Prunks und so. Oder vielleicht eher wegen des Preises? Letzterer liegt zwar viereinhalb mal höher als der für das Zimmer in Reni gestern Abend; aber das waren umgerechnet gerade mal zehn Euro …

Also sind wir eben geblieben und wenden uns im Luxus – es war ein Vorschlag unserer Navi-App. Die Restaurantbedienung muss zwar noch ein wenig üben, das ist aber nicht schlimm. Viel schlimmer ist, dass das Internet unter aller – wie sagt man? – ist. Man konnte ihm bis gerade regelrecht beim Absterben zusehen. Jetzt ist es tot. Daher gibt es eben heute Abend mal wieder keinen Beitrag.

Aber der Ausblick, das schon mal zur Einführung, der war grandios.

Aus der Ukraine nach Rumänien

Im Hotel in Reni gibt es, wie noch wenige Jahre zuvor, kein Frühstück mehr. Das hat sich wohl nicht gelohnt. Daher fahren wir eben mit leerem Magen los bis kurz vor die Grenze nach Moldawien. Wer sich fragt, weshalb nicht Rumänien, sehe sich die Karte an.

Moldawien ist eigentlich ein Binnenland – bis auf einen winzigen Zipfel unten an der Donau hat es wassermässig keine Verbindung nach aussen. Dort liegt an der Mündung des Pruth in die Donau der Ort Giurgiulești mit dem einzigen Donauhafen Moldawiens. Und durch diesen Zipfel muss man eben durch – 2,5 km sind das und somit vier Zollkontrollen. Bevor wir uns diesen unterziehen, machen wir zunächst Frühstückspause, denn es gibt in Sichtweite des Grenzübergangs nach Moldawien und mit Blick hinunter zur Donau einen Kiosk.

Und der serviert Omelette während die LKW vorüber donnern. Man glaubt nicht, was hier für ein Verkehr ist.

Stockender Durchmarsch

Wir werden heute immerhin vier Länder reisend durchfahren; fahrend durchreisen wäre anmassend und fast gelogen. Wir starten in der Ukraine und haben am ukrainischen Zoll das erste Problem. Wir dürfen nach genussreichem Frühstück erst einmal das Auto fast vollständig aus- und wieder einladen. Der gelangweilte und irgendwie genervte und unzufriedene Schnüffler kann einfach nicht glauben, dass in einem derart vollgepackten Kleinwagen keine Alkoholika, Zigaretten, Rauschmittel, Banknoten, Waffen, Medikamente oder weiss ich noch was zu finden sein sollen. Also widmet er sich uns und unserem Gepäck fast eine Stunde lang.

Am Moldawischen Zoll stehen erst einmal eine Menge einschüchternder Schilder aber dafür geht es dann an beiden Kontrollstellen mit jeweils nur »Gepäckraum auf/zu« deutlich schneller.

Man fährt in diesem Dreiländereck, wie oben geschildert, immerhin fünf Minuten durch Moldawien, eine Kontrolle könnte vernünftigerweise eigentlich ganz entfallen … Und dennoch sieht man: Schlaglöcher, triumphale Siegerallüren (wir fahren durch den Süden Gagausiens, russisch ist hier hoch im Kurs, nicht nur in Transnistrien im Osten), schwer vergitterte Bankfilialen und arme Menschen, die versuchen von dem Wenigen, was sie haben, etwas zu verkaufen.

Dann geht es endlich über den Pruth, den zweitlängsten Zufluss der Donau, der auch die Westgrenze zwischen Rumänien und Moldawien bildet, …

… zum rumänischen Zoll. Dort haben sie wohl (Windows auf den Rechnern und daher) einen Computertotalausfall oder aber für eine Weile einfach keine Lust, jedenfalls bildet sich ohne ersichtlichen Grund eine lange Schlange von Pkws, währen zwei Fünfachser sich durch diese Schlange wühlen und den Unmut der in der prallen Sonne Wartenden noch weiter aufheizen.

Und zum Schluss dann noch durch den bulgarischen Zoll – aber dazu später. Zunächst müssen wir durch Galați, ehe wir dann an der schmalsten Stelle Rumäniens nach Süden an den Donauübergang bei Călărași düsen, denn es gibt heute nichts mehr zu besichtigen. So ist der Plan.

Galați ist eine ausgedehnte Hafen und Industriestadt voller Gegensätze; ein wenig davon spürt man, beim Hindurchfahren, den Rest erfährt man am besten, indem man sich verirrt, wie wir vor Jahren.

Freie Fahrt nach Călărași

In Călărași überqueren wir einen der verwirrenden Seitenkanäle, von denen man immer denkt, sie würden ins Nirgendwo führen, am Ende gibt’s aber immer einen See oder gar eine Bootshafen. Und schnell sind wir an der Donau, erwerben die Fahrkarten und warten.


Das ist nicht die Fähre!

Die Überfahrt hinüber ans bulgarische Ufer klappt wie gewohnt gut, spektakulär sind für uns allenfalls die Lastkähne, die vor und hinter uns passieren.

»Schön Willkommen in Bulgarien«

Klappe auf, Klappe zu. Nächster Beamter. Klappe auf, Klappe zu. Ob ich Devisen hätte, zehntausend Euro? fragt er wohl eher scherzend. Ich antwortete ihm ungerührt, ja klar, hunderttausend. Er schaut verdutzt, erkennt aber dann, dass man Scherze auch ohne zu lächeln machen kann und winkt mich weiter.

Und dann! Bulgarien verlangt ja eine Vignette für alle Strassen. Die Verkaufsstellen sind aber geschlossen, die Tankstellen auf der weiteren Strecke verkaufen keine. Wie erklärt man das einem eventuell kontrollierenden bulgarischen Dorfpolizisten? Zum Glück kontrolliert uns keiner bis zu der Tankstelle nach 200 Kilometern, die uns nun endlich eine verkauft. Und einen Pappbecher-Espresso; Cappuccino war wohl zu schwierig für das Mädel. Fünfzehn Euro für das Eine-Woche-Edel-Etikett auf der Windschutzscheibe. Noch einen, über dem von 2012. Irgendwann und irgendwie müssen wir die mal abkratzen. Und eine Woche, die wir natürlich nicht nutzen werden, aber so sind die Regeln. In jedem EU-Land anders. Aber Grüne Gurken mit festgelegtem maximalem Krümmungsradius, die setzt die Brüsseler Bürokratie durch. Es steht schlimm um Europa, das kommt einem auch dabei wieder zu Bewusstsein, auch wegen Grenzkontrollen, die man schon fast vergessen hatte. Und die es für EU-Bürger gibt, weil diese Länder eben politisch ins westliche Bündnis-Puzzle passen müssen… Aber welches EU-Land will eigentlich noch passen. Merkwürdige Gedanken, die einem durchs Hirn marschieren, während man an einem dusseligen Zoll steht, an dem junge Menschen einen dusseligen Dienst verrichten müssen, weil dusselige Politiker – ach was soll’s.

Wir fahren ja schon wieder. Die Strassen werden besser, andauernd erinnert einen ein Schild und die Scanner über der Strasse, dass man noch keine Vignette an der Scheibe hat.

Das war’s aber dann auch

Denn es fängt an zu giessen. Fotos entstehen nur noch ganz wenige.

Die Dörfer sind traurig anzusehen (wie in Rumänien), trostlos, man kann sich nicht vorstellen, dass potentere EU-Länder je bereit und fähig sein werden, diesen Nachholbedarf zu finanzieren, wo schon Griechenland die diesbezügliche Unfähigkeit hinreichend belegt.

Wie da Zusammengehörigkeit, Solidarität wachsen soll, eventuell gar Zuneigung – ich kann es mir nicht vorstellen, nur hoffen.

Was auch auffällt: Bulgarien ist hügeliger als Rumänien, es ist daher nicht so einfach, riesige Ackerflächen aufzukaufen und maschinell zu bearbeiten, wie das in der Ukraine und in Rumänien passiert.

Bulgarien ist auch das einzige Land, das gengedopte Feldfrüchte bisher verhindern konnte – zwischen den Ackerflächen gibt’s zu viele Bienenstöcke.

Und so landen wir in Rasgrad, einer Stadt mit einem wirklich alles überragenden Hochhaus, das ausgerechnet unser Hotel beherbergt – und zwar wohl auch vollständig ausfüllt. Alles kommt einem türkisch vor, nicht nur die Moschee im Zentrum, die wir vom Hotelzimmer bestaunen können.

1998 stellten die Bulgaren mit 69 % die Bevölkerungsmehrheit in der Stadt, ein Teil davon sind bulgarische Muslime bzw. Pomaken. Neben ihr leben noch eine türkische Minderheit, die mit ihren 27 % hier eine der größten im Land (Landesdurchschnitt 9 %, aber in der Oblast Rasgrad 47 %) ist, und eine Minderheit der Sinti und Roma (ca. 2 %).

Wikipedia

Da haben wir’s…

Und das Hotel heisst »Cartoon«, warum auch nicht.

Und dass wir im Restaurant als einzige Gäste speisen, das ist normal. So kennen wir das.

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