* Rund Europa 2022 (1), 4. Tag: Zitsa – Sarandë

Montag, 09.05.2022, 19:47:48 :: Sarandë, Hotel Porto Eda

Wie fährt es sich denn im Epirus, so einmal quer durch, von knapp 700 Metern, hinab ans Meer? Hier mal als Beispiel dafür, dass man beim Reisen nicht alzu schnell voran kommt. Dafür geniesst man aber herrliche Ausblicke, eine überwältigende Blumen und Pflanzenpracht.

Aber ich greife schon wieder vor. Zunächst sind wir ja aufgestanden, haben einen Blick hinüber nach Zitsa geworfen, haben auf dieser Terrasse gefrühstückt …

… und sind dann zur Bäckerei unserer Freunde gefahren, haben reichlich Futter gefasst – und dann sind wir losgefahren. Halt, noch nicht. Zuvor muss ich doch noch etwas zum Dorf und seine Bedeutung sagen. Oder wiederholen, denn vieles steht schon im Blog.

Zitsa

Das Dorf Zitsa im Epirus ist wahrscheinlich den meisten unbekannt, jenen, die seit nun fast 20 Jahren eifrig mitgelesen haben, wahrscheinlich längst wieder entfallen. Am 1. Juni 2011 haben wir das Dorf zu ersten Mal besuchen und es immer wieder auf unsere Routen gesetzt. Wer im Suchfeld im Blog nach »Zitsa« sucht, wird das bestätigt finden.

Die Bäckerei von Kostas ist nicht nur eine sondern die einzige Bäckerei im Dorf. Damit nicht genug. Ungefähr zu der Zeit, als wir uns dort zum ersten Mal als »Couchsurfer« eingefunden haben, blieb auch eine junge US-amerikanische Anwältin dort hängen. Anna und Kostas sind seit der Zeit verheiratet und haben zwei Töchter, in Facebook kann man ihnen folgen.

Damit aber immer noch nicht genug. Neben der Arbeit als Mutter hilft Anna zusammen mit Kostas Mutter in der Bäckerei und hat einen einen Leseladen ins Leben gerufen, wo man sich gemütlich zum Lesen niederlassen oder Bücher ausleihen kann – neben der Bakery gewissermassen eine Bookery.

Und neben alledem beherbergen sie regelmässig Reisende aus aller Welt, so wie uns heute und zur gleichen Zeit zwei Jungs aus Norwegen, die mit einem Cooper Mini derzeit kreuz und quer durch Europa unterwegs sind. Wer weiss, vielleicht besuchen sie uns in Stuttgart, wenn sie von Sizilien endlich wieder heimwärts ziehen. Lis und ich sind also nicht die einzigen, die Rund Europa reisen. Und: Es geht automässig auch noch eine Nummer kleiner!

Die beiden Norwegerjungs, zusammen mit Kostas …

… und ihr Mini

Man kann schon sagen: In Zitsa gibt sich die Welt ständig ein Stelldichein. Und über die Backkünste von Kostas habe ich jetzt noch gar nicht gesprochen. Und über Lord Byron und die kleine Schar Rentner, die einst bei BEHR in Stuttgart-Feuerbach gearbeitet haben und die wir bei ihrem Streik unterstützt haben, ohne sie gekannt zu haben, könnt ihr im Blog nachlesen …

Gut. Jetzt aber endlich Abfahrt und zum

Epirus …,

… dem Gebirgsmassiv im Norden, der natürlichen Grenze zu Albanien. Man kann das Gebirge mittlerweile durchqueren, ohne viel zu sehen – ausser viele Betonröhren von innen. Man kann sich aber auch die kleine Strassen suchen und das haben wir heute vor.

Wie man am Höhenprofil oben sehen kann, geht es ziemlich rauf und runter. Wo wir fahren, ist die Verkehrsauslastung exakt 100%, ohne uns nahezu Null. Wir erleben den Epirus in voller Blüte, vor allem der Ginster leuchtet golden von den Hängen und entlang der gewundenen Strassen. Ich lasse einfach die Bilder sprechen.

Unterwegs geraten wir in eine Polizeikontrolle, keine Ahnung, wen oder was sie suchen. Uns jedefalls nicht. Nach Kontrolle der Papiere und der Frage woher und wohin können wir weiterfahren und erreichen den ersten grösseren Ort auf dieser Strecke, Filiates.

Von dort kommen wohl auch die beiden Polizisten von gerade eben. Vor Jahren haben Kollegen von ihnen uns übrigens zum Hotel im Ort eskortiert, wir hätten das nie gefunden … So verweben sich Erinnerungen mit gerade Gewesenem.

Und endlich erreichen wir

Sagiada …,

… den letztes Ort vor dem Grenzübergang Mavromati nach Albanien. Traditionell machen wir Halt für einen kleinen Imbiss. Diesmal gibt’s Gavros für Lis und Tsatsiki für mich.

Am Grenzübergang Mavromata ist mittlerweile auf albanischer Seite die kleinen Holzhütte von damals einer Ansammlung teilweise unfertiger Betonbauten gewichen. Wozu? Ich weiss es nicht. Auf griechischer Seite lässt sich niemand blicken, der uns kontrollieren könnte, wir sind das einzige Fahrzeug, drüben in Albanien ist ein Pkw vor uns … Alles weit weg von Massenandrang.

So fahren wir, lediglich behindert durch Kühe, die auf der Strasse hin und her wandern um an den Strassenrändern das letzte Grün zu pflücken, nach Butrint mit seiner abenteuerlichen Fähre, die ich auch schon oft beschrieben habe. Einst, im Juni 2006auf unserer ersten Fahrt nach Albanien, dachten wir ja, dass wir im Paradies gelandet wären. Heute, wo die löchrigen Sandpisten durchweg asphaltierten Strassen gewichen sind, wirkt alles fast normal, wären da nicht die Erinnerungen.

Hier endet die Strasse …

…an der alten Festung …

… und der Autofähre …

… die gesamte Anlage ist absolute High Tech, …

… die Überfahrt kurz.

Die weitere Fahrt nach Sarandë, unserem heutigen Ziel, führt vorbei an weiteren Teilen der Bucht von Butrint und durch wirklich chaotische und hässliche Versuche, Tourismus zu etablieren; die unschönsten Beispiele erspare ich den Lesern …

Auch Sarandë selbst …

… ist im Wesentlichen keine Schönheit. Selbst mitten in der Stadt vor den Portalen moderner Hotelbauten erinnern die lächerlichen Schützenbunkerchen an die Zeiten, in denen Albanien ein closed shop war.

Die Stadt besteht eigentlich nur aus mehr oder weniger fertigen Hotelbauten, von denen niemand zu wissen scheint, ob und wann sie jemals fertig werden.

Der Grund, warum wir dennoch gerne hier immer wieder Rast machen: Es gibt direkt am kleinen Hafen im Norden der Küste ein kleines Hotel, von dem aus wir nur das sehen können, was wir sehen möchten: den kleinen Hafen, das Meer, weit draussen Kerkyra (Korfu) und abends die flanierenden Menschen, jetzt kaum Touristen, eine bunte Mischung von Jung und Alt, Hund und Katz‘ und ein traumhaft kitschige Beleuchtung in den fernen Hotelburgen am Abend.

»Unser« Hotel ist mittlerweile geschrumpft, Corona hat auch hier zugeschlagen, der Frühstücksraum ist noch nicht fertig, die Eingangshalle ist an Vodafone vermietet. Aber das Zimmer ist noch dasselbe wie all die Jahre

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