Was alles falsch läuft.

Man reibt sich die Augen, blättert die Zeitung zurück, wirft einen zweifelnden Blick auf die Oberkante der aktuellen Seite: Es ist tatsächlich DIE ZEIT, nicht der Freitag, den man in Händen hält. Der Artikel steht wirklich in der ZEIT. Und einen kurzen Augenblick kommt mir der Gedanke, ich könnte eine der beiden Wochenzeitungen abbestellen bzw. den Kauf gerade lassen. Was läuft da falsch, sie schreiben mittlerweile dasselbe…

Was passiert da?

Dass das Meiste falsch läuft, das ist nicht neu. Nachrichten und Zeitungen sind voll davon. Jeden Tag. Je nach politischem Geschmack sind die Erklärungen dafür unterschiedlich notdürftig. Kennt man. Zum Erbrechen langweilig. Oder – gemässigter – zum Gähnen. Die Verlogenheit und Hilflosigkeit steht zwischen allen Zeilen.

Seit den grassierenden Auswüchsen der amerikanischen Hypothekenkrise, der sich nach wie vor weiter aufbauenden SIEMENS-Schmiergeldwelle, exorbitanten Managergehältern, seit dem Anschwellen derNahrungsmittelknappheit – kurz: seit all das »falsch läuft« in letzter Zeit kommen selbst Autoren in bürgerlichen Blättern massive Bedenken, am bisher so vehement verteidigten Kapitalismus könnte eventuell etwas nicht stimmen. Die Erklärungsversuche für das, was falsch läuft, werden immer dürftiger und sind schon nach ein paar Stunden obsolet; die Wirklichkeit ist einfacher.

Man muss kein Marxist sein…

…meint zwar selbstschützend Thomas Assheuer in seinem hervorragenden Artikel in der ZEIT (»Der grosse Ausverkauf«, 27.3.2008, Seite 49). Dass er im Feuilleton steht und nicht auf Seite eins entspringt vielleicht dem Schreck vor der Wahrheit und bildungsbürgerlicher Benommenheit darüber, tut ihm aber keinen Abbruch: Assheuer hat Recht und der Kapitalismus samt seiner Zwillingsschwester Demokratie, sie sind am Ende. Und er zählt alles auf, was das Diktum untermauert. Und nichts, das ist das Frappierendste, ist neu! Er zählt nur auf, was ist. Was jeder sieht. Was jeder im Innern spürt.

Nur: Was tun, wenn »sowohl die Rendite als auch die Unterschicht wächst«, wenn des Jungmanagers Alptraum, »dass bald die Barrikaden brennen«, ihm den Schlaf rauben und wenn es »von allem längst zu viel gibt und eine Knappheit an Knappheit und ein Mangel an Mangel allen die Laune verdirbt« ?

Vielleicht doch mal ein bisschen bei Marx reinschau’n? Denn wie gesagt: Der Kapitalismus ist am Ende. Und wir brauchen etwas für danach. Denn den nicht-kapitalistischen Kapitalismus à la Chine, den wollen wir doch auch nicht, oder?

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3 Antworten zu Was alles falsch läuft.

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  2. Günther Sch. sagt:

    Lieber Reinard,
    du hast ja viel Zeit und Gelegenheit, deine ZEIT zu lesen, für uns zu lesen.
    Wie gut ! Die Antwort auf das „was kommt danach?“ kennt leider (oder Gott sei Dank) noch keiner.
    Gruß aus dem immer noch kalten Deutschland
    Günther

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