Jahresbrief 2019 (4)

Montag, 30.12.2019, 23:26:36 :: Naxos

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Mitte August hiess es dann wieder Abschied nehmen und aufbrechen, jetzt zur

4. Etappe


Ziel war der rumänische Teil des Donaudeltas bei Tulcea, den wir uns vorgenommen hatten, nachdem wir im Frühsommer ja die Quellen der Donau im Schwarzwald besucht hatten. Der Weg war lange und führte uns zunächst durch den Südwesten Litauens zurück nach Ostpolen und hinunter in die Ukraine.


Strassenfest in Merkinė. LT

Über ein paar Umwege besuchten wir auf diesem Weg die ehemaligen Konzentrationslager Treblinka und Bełzec. In Meszki, einem kleinen Dorf nördlich von Biała Podlaska, wurden wir in der Familie von Ewelina wieder herzlich aufgenommen.


Die Rampe von Treblinka kann man leicht übersehen


Wieder herzliche Aufnahme in Ostpolen


Gedenkstätte am ehemaligen KZ Belžec


Unser »kleines« Frühstück, kurz vor der Grenze zur Ukraine

In der Ukraine besuchten wir natürlich Ternopol mit seiner schönen Lage, wo das Portal unseres oberhalb des Sees gelegenen Hotels vernagelt war. Hätten wir nicht gewusst, dass der Eingang von hinten offen sein müsste, da dort auch die Parkplätze sind – wir wären weiter gefahren …


Die Freitreppe in Ternopol erinnert an (ihr Vorbild in?) Odessa


Abendstimmung am See von Ternopol

In Khmelnytskyi trafen wir unsere Freunde Svitlana und Viktor mit ihrer kleinen Tochter Anya. Sie ist ein aufgeweckter Wonneproppen. Unser geliebtes Restaurant Spiegel (Restoratsiya Shpigelya) verwöhnte uns wieder mit hervorragenden Speisen. Mit Viktor, Switlana und Anya besuchten wir den grossen Freizeitpark und hatten viel Spass dabei.


Moderne Wohnblocks in Khmelnitskyj :: Unsere geliebtes Restaurant »Spiegel«


Unterwegs mit unseren Freunden in Khmelnitskyj

Ein weiteres herausragendes Erlebnis war der Aufmarsch am 24. August, dem Ukrainischen Nationalfeiertag, der seit 1991 gefeiert wird, als sich die Ukraine von der Sowjetunion löste. Fahnen, Fahnen, Fahnen …


Es kann einem teilweise mulmig werden …

Auch von hier mussten wir schliesslich weiterziehen, über Medschybisch und Winnyzja nach Mohyliw-Podilskyj an der Moldawischen Grenze. Medschybisch war ein wichtiges Zentrum des Chassidismus, deshalb schauten wir dort vorbei, um dem zuletzt versäumten jüdischen Wallfahrtsort einen Besuch abzustatten.


Die jüdische Gedenkstätte, alter Friedhof :: Festung Medschybisch


Auch die jüdischen Besucher lieben wohl Pelz


Winnyzja :: Die Kornähre: Wahrzeichen der Ukraine :: Grenzübergang nach Moldau

Unser Weg durch Moldawien führte diesmal auch im westlichen Teil, durch die autonomen Region Gagausien. Auch hier leben, wie in Transnistrien auf der östlichen Seite, viele russischsprachige Menschen. Wir erlebten Balţi, Cahul und Komrat – eine andere Welt mit russischen Speisekarten, kaum Möglichkeiten des sprachlichen Austausches aber voller Überraschungen. So zum Beispiel das von deutschen Siedlern gegründete Alexanderfeld oder das Schloss des Manuc Bey.


Nordmoldau: Neu im traditionellen Stil


Man staunt: Komfort im Hotel in Balţi


Unendliche Steppe


Überraschung: Ehemalig deutsche Siedlung


Hînceşti, die Villa des Manuc Bey

Das ganze Gebiet zwischen Balţi im Norden und der Donau im Süden ist im wesentlichen eine Steppenlandschaft, wenig abwechslungsreich, leicht hügelig bis endlos flach: Bessarabien.


Mehrere Tage Steppe

Unserem Etappenendziel kamen wir so immer näher, der Stadt Tulcea, dem Tor zum rumänischen Donaudelta. Bei Reni stiessen wir zunächst auf den grossen Fluss, passierten Galaţi, setzten mit der Autofähre über und erreichten Tulcea am Abend.

Am nächsten Morgen brachen wir dann auf ins Delta. Wir hatten uns Murighiol ausgesucht, den letzten Ort, den man mit dem Auto erreichen kann und wo wir Unterkunft finden konnten.


Zuweilen sieht man sie kaum. Aber sie ist überall: die Donau


Unsere Hotelanlage

Das Gebiet ist einfach gigantisch. Nach einigem Hin und Her fanden eine schöne Unterkunft mit Schwimmbad und Restaurant. Hier wurde auch unsere private Bootsfahrt in die Wasserwildnis organisiert, die wir dann gleich am nächsten Morgen antraten. Wie recht wir mit der Entscheidung hatten, zeigte sich auf der Rückfahrt: Massenweise Boote mit Massen von ebenso Neugierigen wie wir …


Unser Privat-Boot :: Blick in die bevorstehende Wildnis


Vexierbild: Wo ist der Graureiher?


Pelikane …


… Kormorane …


… und überbordendes „Grünland“

Es war so was von beeindruckend, obwohl wir ja bereits den ukrainischen Donaubogen kannten: die Ausmasse, die riesigen Seerosenteppiche, die nicht endenden Schilfwälder, die riesigen Herden von Schwänen, Kormoranen und Pelikanen, das Kanalgewirr … Mehr Zeit, ein still stehendes Boot, ein starkes Tele …

Das Schwarzen Meer haben wir, so wie 2016 in der Ukraine, nicht erreicht – es wäre viel zu weit gewesen.


Fast 40 km auf dem Wasser: Ein Nichts in diesem Gewirr

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